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IFAT 2018 Weltleitmesse nimmt Mikroplastik ins Visier

Textilien sind Wasserverschmutzer: Seit Jahren gelten Textilfasern, die aus Wäschereien und Textilservicebetrieben stammen, als maritimes Risiko. Die IFAT 2018, Weltleitmesse für Umwelttechnologien, nimmt das Problem der Mikroplastik akutell genauer unter die Lupe und präsentiert Lösungsansätze in München.

Mikroplastik, also Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser von weniger als 5 Millimetern, sind seit Jahren in der Diskussion. Vor allem die Menge, die Verbreitung und das Gefährdungspotenzial für die Umwelt stehen im Fokus. An der Umweltverschmutzung in den Meeren tragen auch Textilien und deren Aufbereitung ihren Anteil, sogar ein Drittel der Mikroplastik stammt aus synthetischen Textilien. Häufig gelangt die Mikroplastik über Wäschereien und Textilservicebetriebe in der Meere, wie R+WTextilservice berichtete.

Mittlerweile beschäftigt sich eine breite Allianz aus Forschungseinrichtungen und Unternehmen mit der Suche nach Eintragspfaden, Vermeidungsstrategien, möglichen Messmethoden und Verfahren der Abwasserbehandlung. Was sich in dieser Hinsicht mittlerweile getan hat, zeigt die IFAT 2018, Weltleitmesse für Umwelttechnologien akutell in München.

Die Schwerpunkte auf der IFAT 2018:

  • Schwerpunkt der Eröffnung: „Rethink – Reduce – Recycle plastic“
  • Präsentation verschiedener Forschungsprojekte
  • Erste Technologie-Lösungen als Exponate
Für Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München, ist klar: „Als Weltleitmesse ist die IFAT immer auch ein Trendanzeiger, der aufkommende Umweltthemen und neue Herausforderungen von Beginn an begleitet. Der Umgang mit Mikroplastik in Gewässern, Abwasser und unter Umständen auch im Trinkwasser zählt definitiv dazu.“

35 Millionen Euro werden bis 2021 investiert

Ein wichtiger Anlaufpunkt im Messegeschehen ist der Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Dieses legte im Herbst letzten Jahres eines der weltweit größten Forschungsprogramme zu „Plastik in der Umwelt“ auf. Bis zum Jahr 2021 werden 35 Millionen Euro in 18 Verbundprojekte mit rund 100 Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden und Kommunen fließen. Einer der Schwerpunkte auf dem BMBF-Stand ist das Verbundprojekt "EmiStop". Ziel des Projekts ist es, bereits bestehende Aufbereitungstechnologien für Industriewasser – wie Sedimentations-, Flotations- und Filtrationsverfahren – so zu optimieren, dass weniger Mikroplastik in das Abwasser gelangt. Im Idealfall könnten die Partikel aus dem Abwasser sogar in die Produktion zurückgeführt werden. Auf der IFAT zeigt das Bundesforschungsministerium eine elektrische Flotationsanlage des Herstellers "EnviroChemie", der bei "EmiStop" federführend ist.

Vom Autoreifen ins Meer

Am Stand der Technischen Universität (TU) Berlin, Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft steht das Projekt RAU – Reifenabrieb in der Umwelt, im Mittelpunkt. Wissenschaftlern zufolge sind Menge und Eintrag von Reifenabrieben, die über den Straßenabfluss in die aquatische Umwelt gelangen, bislang nicht erforscht. Das Verbundprojekt soll nun Klarheit schaffen. Auf der IFAT stellt die TU Berlin einen Probenahmekorb aus, mit dem der Straßenablauf unmittelbar am Ort untersucht werden kann. Der Korb wurde zusammen mit den Firmen GKD-Gebr. Kufferath und ORI Abwassertechnik entwickelt. Zusätzlich informiert die Universität über den Status quo des Forschungsprojekts OEMP Optimierte Materialien und Verfahren zur Entfernung von Mikroplastik aus dem Wasserkreislauf, das schon seit April 2016 läuft. Ein bereits marktfähiges Produkt, das im Rahmen dieses Projektes entwickelt wurde, ist der Straßenablauffilter Innolet G des Herstellers Funke Kunststoffe. Mit diesem System können vorhandene Gullys mit einem Nassschlammfang nachgerüstet werden, der Reifenabriebe zuverlässig entfernt.

Kläranlagen als letzte Filtermöglichkeit

Das Unternehmen Invent Umwelt- und Verfahrenstechnik – Industriepartner von OEMP – präsentiert auf dem Messegelände in München den FILT-Rautenfilter, der im Anschluss an das Nachklärbecken bei Kläranlagen zum Einsatz kommen kann. Neben Belebtschlammflocken, Fällungsflocken der Phosphorreduktion und Pulveraktivkohle, hält der Filter auch Mikroplastik zurück. Auch die Firma ATB Water hat Mikroplastik ins Visier genommen. Das auf den Bau von Kleinkläranlagensystemen spezialisierte Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben aktuell intensiv an einer technischen Lösung, um Mikrokunststoffe aus dem Abwasserstrom von Kleinkläranlagen herauszufiltern.

Produkte müssen recylebar werden

„Die vor uns stehenden Herausforderungen bei der Reduktion von Kunststoffen in der Umwelt sind vielfältig“, unterstreicht Dr. Bettina Rechenberg. Die Leiterin des Fachbereichs „Nachhaltige Produkte und Produktion, Kreislaufwirtschaft“ im Umweltbundesamt sagt: „Zur Lösung sind die Einträge in die Umwelt beispielsweise auch über Komposte und Gärreste genauer zu quantifizieren sowie durch eine Fortschreibung des Standes der Technik zu reduzieren.“ Auch bei der Produkt- und Materialentwicklung müssen nach ihren Worten mögliche Einträge in die Umwelt und die Recyclingfähigkeit noch stärker berücksichtigt werden. Damit Plastik nicht in der Umwelt, sondern noch mehr als bisher als Rezyklat wieder in Produkten landet, müssten die Recyclinganlagen ausreichend hohe Rezyklatqualitäten zur Verfügung stellen. „Unabhängig von den derzeitigen großen Forschungsanstrengungen sollten sich die Branchen bereits heute auf diese Aufgaben einstellen“, betont die Expertin. Wie sich die Recycling- und Abwasserbranche diesen Aufgaben stellt, zeigt die IFAT aktuell mit über 3.100 Ausstellern.

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