Betriebsporträts -

Coburger Handtuch- und Mattenservice Einst im Pferdestall gewaschen

Der Coburger Handtuch- und Mattenservice ist heute ein hochtechnisierter Spezialbetrieb, dessen Wasser- und Medienwirtschaft Vorbildcharakter hat. Mit Erfindergeist und durch die Unterstützung einer Hochschule konnte Geschäftsführer Joachim Krause die Prozesse optimieren.

Auf einem Hinterhof im alten Pferdestall begann die Firmengeschichte des Coburger Handtuch- und Mattenservice. Es war im Jahr 1954, als Gustav und Gertrud Krause in Coburg die 60 m2 Kopfsteinpflaster des Stalls mit Beton überzogen, um darauf ihre Gerätschaften zur Pflege von Haushaltswäsche zu platzieren.

Im Laufe der nächsten 26 Jahre vergrößerte sich die ehemalige Mietwaschküche zusehends, das Ehepaar bekam Verstärkung durch 24 Mitarbeiter und erweiterte die eigenen Räumlichkeiten auf 500 m2. „Von der Buchse bis zum Bettlaken wurde alles gewaschen“, erinnert sich der heutige Geschäftsführer, Sohn Joachim Krause. Seit 1971 ist er selbst im Betrieb tätig, leitet diesen seit 1980 und hat ihn 1989 schließlich ganz übernommen. Ehegattin Claudia arbeitet in der Verwaltung mit. Um die Firmennachfolge muss sich Krause auch keine Sorgen machen, denn seine 22-jährige Tochter Carolin hat sich in diesem Jahr entschieden, im Betrieb einzusteigen, um zu einem späteren Zeitpunkt ihren Vater abzulösen.

So klar war die berufliche Entscheidung für Joachim Krause damals allerdings nicht. „Die Firmennachfolge war eher ungeplant“, berichtet der gelernte Müller, „aber die Kombination Müller und Textilreiniger hat ihre Vorteile.“ So habe er in seinem ersten Lehrberuf viel über Wasserkraft und Lufttechnik gelernt, die in Mühlen eingesetzt werden. „Dieses Wissen hat mir in der gesamten Betriebsführung weitergeholfen“, sagt Krause.

1980 hat er den Meisterkurs Textilreinigung abgeschlossen und schon fünf Jahre später das Ziel formuliert, sich auf die Reinigung von Handtuchrollen und Schmutzfangmatten zu spezialisieren.

Diesen ehrgeizigen Plan konnte Krause schließlich im Jahr 1994 umsetzen, drei Jahre später erschloss sich für den Unternehmer zusätzlich das Gebiet der Moppreinigung. Zu diesem Zeitpunkt hatte Krause den Firmensitz bereits in das nahegelegene Rödental verlegt und dort zunächst 1.200 m2 Arbeitsfläche zur Verfügung: Aus dem Zwei-Mann-Betrieb ist zwischenzeitlich ein spezialisiertes Unternehmen mit 50 Mitarbeitern erwachsen. Das „Coburg“ im Firmenname möchte Krause aber nicht gegen „Rödental“ austauschen.

Das Jahr 2004 brachte neuen Schwung. Gemeinsam mit einem Diplomand der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg wurden sämtliche Prozessabläufe analysiert, nach Verbesserungspotenzialen wurde gesucht und schließlich der Gesamtprozess optimiert. „Wir heben uns von anderen durch unsere effektive Medienwirtschat ab“, so Krause.

Dass die Maßnahmen zur Ressourceneinsparung auch dem Umweltschutz zuträglich sind, ist für den Unternehmer erfreulich. Im Blick hat der Geschäftsmann aber vor allem die Zahlen seines Betriebs. So hat er bereits beim Bau des Firmengebäudes in Rödental darauf geachtet, dass auch mittelfristig bauliche und technische Erweiterungen stattfinden können. „Ich habe immer versucht, auch den nächsten möglichen Schritt mitzubedenken“, erklärt Krause. Insgesamt 17 bis 20 t Handtuchrollen pro Tag bearbeiten seine Mitarbeiter, 0,8–1 t Mopps und 3–4 t Schmutzfangmatten. Vor allem bedient der Service gewerbliche Kunden, nur fünf Prozent stellt die Gastronomie und ebenfalls fünf Prozent machen öffentliche Auftraggeber aus. Das Geheimnis dieses Erfolges ist eine ausgeklügelte Energiewirtschaft, „die aber nicht als Standard gesehen werden kann“, so Krause, „für Privatwäsche wäre das Konzept nicht anwendbar“. Im gesamten Betrieb gibt es maschinelle Besonderheiten, aufgrund seiner vorbildlichen Kreislaufwirtschaft wurde das Unternehmen bereits 1999 gemäß der EU-Öko-Audit-Verordnung zertifiziert.

Eingesetztes Wasser verlässt den Betrieb nicht nach einmaligem Einsatz – im Gegenteil. Bis auf den letzten Tropfen wird es anderen Prozessen zugeführt. So wird das Wasser nach einem Spülgang in der Waschstraße der Handtuchrollen in der Gegenstromanlage zum Vorwaschen noch verschmutzter Handtücher genutzt, da es noch weitgehend klar ist. Für diese zweite Verwendung ist nicht einmal eine Pumpe notwendig. Hier hilft der kostenlose Einsatz der Schwerkraft, das Wasser weiterzutransportieren.

Nach dieser Wiederverwertung wird das Wasser in Filteranlagen vom Grobschmutz befreit und anschließend wird diese Waschlauge schließlich beim Waschen der Schmutzfangmatten wieder verwendet. „Hier brauchen wir dann fast keine Waschmittel mehr, weil die Lauge schon alkalisch ist, eine Nachdosierung ist nur bei bestimmten Waschprogrammen notwendig“, so Krause über die zusätzliche Einsparung von Waschchemie. Der Wasserverbrauch der Maschinen sei so hoch wie vorher, doch durch die Mehrfachnutzung konnte der Verbrauch insgesamt von 24 m3 Wasser je Tonne behandelter Ware auf 4 m3 Wasser je Tonne reduziert werden. Zudem wird das Regenwasser der mittlerweile zwei Betriebsgebäude gesammelt. Seit elf Jahren hat der Betrieb die Regensammlung in das Waschverfahren integriert. Der Vorteil von Regenwasser ist seine Weichheit. Das spart dem Betrieb rund 1 bis 1,4 t Salz pro Jahr. Salz ist nötig, um Wasser vor seinem Einsatz zu enthärten. Das Regenwasser wird außerdem zu Trinkwasser aufbereitet.

Durch die Mehrfachnutzung der Waschlaugen, die nach der ersten Nutzung erwärmt sind, ist auch der jährliche Gasverbrauch von noch 240 m3 je Tonne Ware im Jahr 1991 auf 70 m3 je Tonne Ware gesunken. Was den Gasverbrauch ebenfalls herabsetzte, war die Isolierung der Waschstraßen. Auch nach der Nutzung geht die Wärme des Abwassers nicht verloren. Das Abwasser wird nicht sofort in die Kanalisation geleitet, sondern durch einen Energyoptimizer von Ecolab geschickt, der dem Abwasser die Wärme entzieht. Die gewonnene Abwärme wird genutzt, um Betriebs- und Sozialräume zu wärmen. Die Fußbodenheizung der Anlieferungshalle wird ebenfalls darüber versorgt. „Die bekomme ich sozusagen zum Nulltarif durch den Einsatz von Abfallenergie“, zeigt sich der Unternehmer Krause stolz auf die umgesetzten Möglichkeiten. Auch das Überdach der Anlieferungszone kann durch den Einsatz dieser Energie bis zu –10°C frostfrei gehalten werden, was im Winter für mehr Sicherheit sorgt.

Krause denkt aber nicht nur an das eingesetzte Wasser, sondern auch an das Abwasser, das tatsächlich den Betrieb verlässt. Wie alle Wäschereien muss auch er bestimmte Einleitewerte einhalten und daher hat er ein Flusensieb entwickelt, das er einsetzt, um die Feststoffe aus dem Waschwasser zu filtern. So werden Schwermetalle gebunden und Krause kann die Einleiterwerte ohne Probleme einhalten. Das Sieb hat sich der ideenreiche Unternehmer patentieren lassen. Wen wundert es da noch, dass auch die Toilettenspülungen im gesamten Betrieb mit Grauwasser versorgt werden?

Mittels einer Medienbrücke versorgt Krause auch die zweite, 2007 in Betrieb genommene Halle auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „So bleiben die Synergien erhalten“, ist Krause zufrieden und so kann das Betriebskonzept auch langfristig auf 9.000 m2 Betriebsgelände ausgeweitet werden.

Alle Optimierungsmaßnahmen waren nur umsetzbar, weil Krause alle Verbrauchszahlen seit Jahren dokumentiert – diese Aufzeichnungen dienten der Prozessanalyse und -optimierung. Jährlich werden 1.500 bis 1.600 t CO2 eingespart.

Sein Wissen über realistische Verbesserungen möchte der Geschäftsmann nicht für sich alleine behalten und so hat er sich ein weiteres Aktionsfeld erschlossen. Als Energieberater steht er Unternehmen zur Seite, die „einen irren Nachholbedarf haben“. Krause kennt zahlreiche Betriebe, die bei weitem noch nicht alle Möglichkeiten nutzen und froh sind, einen „Energyoptimizer“ aus dem Hause Krause zur Seite zu haben.Iris Stelter

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