Unternehmen -

DH-Textilpflege Einwegmasken: Waschen statt Wegwerfen?

Not macht bekanntlich erfinderisch: so auch im Falle Danny Hofmann. Der zertifizierte Textilpfleger aus Nordrhein-Westfalen wäscht Einwegmunschutzmasken. Im Gespräch mit R+WTextilservice verrät er, wie er auf die Idee kam.

R+WTextilservice: Herr Hofmann, Sie waschen in Ihrem Betrieb DH-Textilpflege kostenlos Mundschutzmasken für Einrichtungen wie Arztpraxen. Allerdings keine Mehrwegmasken, sondern Wegwerfartikel. Geht das überhaupt?

Danny Hofmann: Genau das wollen gerade viele wissen: Wie geht das vonstatten? Weil die Masken Einwegartikel sind. Wir haben es auch erst ausprobieren müssen. Aber es geht.

Wie kamen Sie auf die Idee, Einwegmasken zu waschen?

Das war Zufall. Wir hatten immer mal wieder einen Mundschutz in der Wäsche. Wir waschen Berufsbekleidung. Da wird schon mal eine Tasche nicht geleert und die Maske rutscht in die Maschine. Daher wussten wir: Masken können das Waschen überstehen. Derzeit stehen unsere Anlagen relativ still. Und da Schutzmasken knapp werden, kamen wir auf die Idee, es einfach mal auszuprobieren. Der erste Versuch ging natürlich komplett daneben.

Inwiefern?

Bei manchen Masken lösten sich die Nasenklammern. Oder das Material wurde durch zu viel Reibung angegriffen. Bei der zweiten Charge war das Ergebnis aber schon deutlich besser. Am vierten Tag wusste ich, es geht in die richtige Richtung. Ab da ging es rapide aufwärts. Mittlerweile sind wir soweit, dass die Einweg- und die Kappmasken nach dem Waschen optisch und haptisch wirklich perfekt sind.

Wie also wäscht man eine Einwegmaske am besten?

Nach den Vorgaben des Robert Koch-Instituts. Das heißt nach RAL 992-2 im Bereich A B/VAH. Die Masken waschen wir bei 60 °C bzw. 65 °C. Die Haltezeit liegt bei 35 Minuten. Wir haben die Zeit von 20 auf 35 Minuten erhöht und waschen mit RKI-gelisteten Waschprodukten im Bereich B.

Könnte jeder Textilpflegebetrieb solche Masken waschen?

Nein! Das dürfen nur zertifizierte Betriebe machen. Und: Man muss eine Hygieneschulung haben, um genau zu wissen, wie man mit den einzelnen Produkten und Textilien umzugehen hat. Das bedeutetet: Nicht jede Hotelwäscherei könnte diese Masken jetzt waschen. Denn bei nicht zertifizierten Betrieben besteht natürliche die Gefahr, dass die Richtlinien und Vorschriften des RKI nicht eingehalten werden.

Sie sind also zertifiziert. Waschen Sie auch Krankenhauswäsche?

Ja, wir sind zertifiziert. Aber für den Lebensmittelbereich und für das Gesundheitswesen. Wir waschen also normalerweise nicht für Krankenhäuser. Trotzdem: Wir haben die Maschinen, die Möglichkeiten und das Know-how, die geltenden Vorschriften dementsprechend umzusetzen. Und das funktioniert sehr gut. Die Krankenhauswäschereien sind jetzt total überlastet. Die haben Hochkonjunktur und teilweise personelle Schwierigkeiten.

Im Gegensatz dazu haben Sie aktuell Kapazitäten frei?

Unser Umsatz hat sich von 100 auf 2 Prozent reduziert. Mein ganzes Team ist in Kurzarbeit. Ich arbeite normalerweise zwischen 12 und 16 Stunden am Tag. Inzwischen stehe ich oft alleine im Laden. Ab und zu kommen Mitarbeiter vorbei und helfen für wenige Stunden aus.

Trotz der angespannten Lage bieten Sie Ihren Service kostenlos an. Warum?

Ich möchte mich nicht auf Kosten der Gesundheit anderer Menschen bereichern. Im Gegenteil. Ich möchte die Mitarbeiter im Gesundheitswesen tatkräftig unterstützen, weil ich viele Bekannte habe, die in Pflegeberufen arbeiten. Von ihnen weiß ich, dass sie oft keine Möglichkeit haben, sich zu schützen. Gerade in Pflegeeinrichtungen machen sich Mitarbeiter wahnsinnige Sorgen, wo sie Schutzausrüstung herbekommen. Sie nähen sie teilweise selbst. Der Nachschub fehlt, weil Lieferketten verzögert sind. Die Mitarbeiter tragen also oft dieselbe Maske mehrere Tage hintereinander. Ich finde, dass man besser eine nach RAL 992-2 im Bereich A B/VAH gewaschene und desinfizierte Maske tragen sollte, als eine ungewaschene Maske mehrmals zu benutzen, weil es keinen Nachschub gibt. Das ist hygienischer.

Für welche Einrichtungen waschen Sie die Masken?

Wir haben Anfragen aus dem gesamten Umkreis, also aus dem Kreis Kleve. Wir waschen z.B. für Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen und Krankenhäuser. Viele Einrichtungen Fragen jetzt bei mir an, weil sie das testen wollen. Sie wollen sich also auf den Fall, dass Nachschub fehlt, vorbereiten. Aktuell haben manche Einrichtungen noch Vorräte.

Wie läuft das konkret ab?

Das ist alles noch in der Anfangsphase. Die Masken wurden bisher nach Gebrauch entsorgt. Jetzt werden sie gesammelt, die Institute bringen die Masken oder wir holen sie ab. Momentan betreuen wir zehn Einrichtungen aus dem Gesundheitswesen regelmäßig.

Wie viele Masken erhalten Sie derzeit?

Wir haben täglich einen Durchlauf von etwa 120 Masken. Die Zahl wird tendenziell steigen. 465 Stück waren es insgesamt bis zum 1. April. Von denen waren 30 defekt. Alle anderen waren in einem guten Zustand und wurden an die Einrichtungen ausgeliefert. Das ist eine gute Quote. Ich muss wirklich sagen: Das klappt hervorragend.

Auf was muss man beim Waschen der Masken achten?

Auf den persönlichen Eigenschutz, das ist klar. Dass man sich nicht selbst ansteckt. Dazu zählt die Schutzausrüstung: eine Mundschutzmaske des Typs FFP2, Handschuhe und Schutzbekleidung wie ein Kittel oder eine Jacke.

Trennen Sie die kontaminierten Masken von der übrigen Wäsche?

Ja. Wir haben zwei Produktionsstätten. Der eine Betrieb steht nahezu still. Er ist für die üblichen Textilien, die noch kommen. Im anderen wird nur kontaminierte Wäsche bearbeitet.

Bieten die Masken noch ausreichend Schutz?

Es ist mir wichtig, dies genau prüfen zu lassen. Ich bin auf der Suche nach einem Labor oder einem Institut, das die Masken nach der EN-Norm149 prüft – auf Reißfestigkeit der Dichtheit. Meiner Meinung nach ist eine Maske, die vielleicht 10 oder 20 Prozent an Schutzwirkung verliert, immer noch besser, als die Masken deshalb wegzuwerfen. So wie die Masken aus der Maschine kommen, bin ich davon überzeugt, dass sie nur minimal an Schutz verlieren. Das gesamte Gewebe, die Struktur und die einzelnen Schichten sehen wirklich tadellos aus. Nur bei wenigen sieht man an der obersten Schicht leichte Abreibungen. Trotzdem würde ich mir einen Untersuchungsbericht dazu wünschen. So kann sich jeder versichern, dass es passt.

Von welchem Institut bräuchten Sie da genau Hilfe?

Das kann ich nicht genau sagen. Ich habe schon bei zwei angefragt, aber die prüfen nicht nach DIN EN 149 Norm für Atemschutzmasken. Also suche ich noch. Ich wäre auf jeden Fall froh, wenn jemand mitmacht und uns ein bisschen unterstützt – das wäre eine super Sache.

Wie wurden die Einrichtungen auf Ihre Aktion aufmerksam?

Wir stellen uns jedes Jahr in einer regionalen Zeitung vor. Das machen wir schon seit Jahren immer im gleichen Zeitraum. Dass es genau mit dieser Aktion zusammenfällt, war nicht geplant. Eine Redakteurin hat das Thema aufgegriffen und so wurde die Aktion im Umkreis schnell bekannt. Viele haben gefragt, wie das überhaupt funktioniert. Für mich ist das auch komplett neu: Einen Wegwerfartikel zu waschen. Darauf müssen sich auch die Einrichtungen erst drauf einstellen.

Was empfehlen Sie anderen Unternehmern?

Meine Devise lautet: Waschen statt Wegwerfen. Probiert es aus. Wir haben jede Menge Wäschereien in Deutschland, viele davon sind zertifiziert. Ich würde mir wünschen, dass andere zertifizierte Betriebe, die wie ich gerade einen Leerstand haben, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in dem Bereich unterstützen. Mich haben auch schon zertifizierte Betriebe aus dem süddeutschen Raum angerufen und über die Aktion ausgefragt. Im Gegensatz zu den Zahlen der Infizierten dort haben wir noch Glück hier, am Niederrhein.

© rw-textilservice.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen