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Halbjahresbilanz Elis: Sparkurs zahlt sich aus

Ein rigider Sparplan und ein schnelles Anpassen an die neuen Kundenbedürfnisse – mit dieser Strategie reagierte Textildienstleister Elis auf die Pandemie. Mit Erfolg, wie die jüngst veröffentliche Bilanz zeigt: Der Umsatz stieg um 1,3 Prozent und einen Nettogewinn von 17,1 Millionen Euro. Was die Bücher noch zeigen: ein neues Bewusststein für Hygiene.

Die Segmente Klinikwäsche und Arbeitsbekleidung wuchsen bei Elis – nicht trotz, sondern sogar wegen der Coronapandemie. Kunden, so beobachtete der Textildienstleister, legten mehr Wert auf Rückverfolgbarkeit der Textilien und sichere Lieferketten. Ein Trend, der nach Einschätzung des Unternehmens anhält. Aus dem jüngst veröffentlichten Halbjahresbericht geht außerdem ein neues Bewusstsein für Hygiene hervor.

Elis schreibt schwarze Zahlen

Der Umsatz stieg um 1,3 Prozent und das Betriebsergebnis (die EBITA-Marge) wuchs um 80 Basispunkte, das Vorsteuerergebnis (EBIT) um 140. Zudem stehen 91 Millionen Euro an frei verfügbaren Mitteln ("Free Cashflow") bereit. "Die finanzielle und operative Leistung von Elis im ersten Halbjahr 2021 war sehr zufriedenstellend", sagt CEO Xavier Martiré. Neben dem gestiegenen Hygienebedarf sieht er den rigiden Sparkurs von Elis als Grund für das positive Betriebsergebnis.

Umsatzprognose nach oben korrigiert

Ein weiterer Grund für die positive Bilanz: Elis ist breit aufgestellt. Mit den Lockerungen von Reisebeschränkungen und Öffnungen von Restaurants, habe sich laut Martiré sogar das Gastgewerbe inzwischen deutlich erholt. Aus diesem Grund rechnet er 2021 mit einem Wachstum von bis zu 6 Prozent. Damit korrigiert Elis seine Umsatzprognose aus dem vergangenen Jahr sogar nach oben. Beim Jahresabschluss 2020 erwartete das Unternehmen für 2021 ein Wachstum von drei Prozent.

Die aktuelle Kalkulation berücksichtigt den stark eingebrochenen Markt rund um Hotellerie und Gastronomie. Konkret rechnet Elis damit, dass dieser Bereich im Sommer 25 Prozent weniger Umsätze als 2019 und bis zum Jahresende 30 weniger Umsätze generiert. Mit den 2020 angestoßenen Einsparungen soll darüber hinaus eine EBITA-Marge von 34,5 Prozent und ein "Free Cashflow" zwischen 200 und 230 Millionen Euro erreicht werden.

Diese Sparten sind besonders krisenfest

Frankreich

In Frankreich stieg die Nachfrage nach textilen Dienstleistungen im Bereich Hygiene, besonders bei Arbeitsbekleidung, in lebensmittelverarbeitenden Betrieben und im Gesundheitswesen. Der Umsatz von Elis stieg daher im ersten Halbjahr 2021 um 2 Prozent. Ab Mitte Mai spürte das Unternehmen die europaweiten Lockerungen der Corona-Maßnahmen im Gastgewerbe und verzeichnete ein Umsatzplus von 25 Prozent. Im ersten Quartal schrieb die Sparte ein Minus von 15,4 Prozent. Die EBITA-Marge stieg im ersten Halbjahr um 120 Prozent auf 36,3 Basispunkte. Das führt das Unternehmen auf seinen Sparkurs zurück.

Mitteleuropa

Wie in Frankreich baut Elis in Polen, Tschechien und den Beneluxländern die Sparte Arbeitsbekleidung aus. Mithilfe neuer Kunden aus der Industrie (Lebensmittel, Energiedienstleistung und Pharma) erzielte das Unternehmen so ein Wachstum von 6 Prozent. In Deutschland, in den Niederlanden und in der Schweiz blieb die EBITA-Marge verglichen zum ersten Halbjahr 2020 bei 32,1 Prozentpunkten stabil, verzeichnet damit aber einen leicht rückläufigen Umsatz.

Skandinavien und Osteuropa

In Skandinavien und Osteuropa stammt der Großteil der Elis-Kunden aus der Industrie. Dieser Zweig hat sich eigenen Angaben zufolge als besonders krisenfest erwiesen. Der Umsatz legte im ersten Halbjahr 2021 um 1,2 Prozent zu. In Norwegen, Finnland, den baltischen Staaten sowie in Russland blieb die EBITA-Marge im Vorjahresvergleich nahezu stabil. Leicht zurück gingen die Umsätze mit 4 Prozent in Schweden und Dänemark. Dort bedient Elis viele Kunden aus Hotellerie und Gastronomie.

Großbritannien und Irland

In Großbritannien und Irland generieren Hotellerie und Gastgewerbe Elis zufolge rund ein Drittel der Gesamtumsätze. Angetrieben durch einen starken Inlandstourismus wuchsen die Umsätze um 8 Prozent. Dennoch schneidet das zweite Quartal im Vorjahresvergleich schlecht ab: Im Gegensatz zu 2020 machte Elis 40 Prozent weniger Umsätze, im Vergleich zu 2019 sogar 70 Prozent.

Anders verhalten sich die Sparten Industrie, Handel und Dienstleistung. Deren Umsätze liegen laut Elis nur noch gut 10 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Im Bereich Gesundheitswesen hätten sich die Umsätze wieder auf dem Niveau vor Corona eingependelt. Die EBITA-Marge stieg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 um 450 Basispunkte auf 30,1 Prozent. Das gute Ergebnis führt Elis auf den Sparkurs und auf das Ende des Abschreibungsplans der Marke Berendsen zurück. 2017 hatte der französische Textildienstleister den 1920 gegründeten, Londoner Textilservicekonzern übernommen

Südeuropa

60 Prozent der Umsätze stammen in Südeuropa aus dem Gastgewerbe. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 43,3 Prozent. Insgesamt gleicht das den Margenverlust aus dem Jahr 2020 nur teilweise aus. Das organische Wachstum nahm im ersten Halbjahr 2021 um 2,1 Prozent ab. Durch den steigenden Bedarf an Arbeitsbekleidung und hygienisch aufbereiteten Textilien sieht Elis Potenzial in diesem Markt.

Lateinamerika

Der Markt für textile Dienstleistung legt in Südamerika zu: Elis betreut Kunden aus dem Gesundheitswesen und der Lebensmittelindustrie. Im ersten Halbjahr wuchs der Umsatz um 16,3 Prozent. Durch die aktuellen Devisen bleibt umgerechnet ein Wachstum von 3,3 Prozent. Rechnerisch fällt die EBITDA-Marge um 150 Basispunkte auf 33,5 Prozent. Mit dem Vorjahreszeitraum, dem ersten Halbjahr 2020, lasse sich das Ergebnis Elis zufolge nicht vergleichen: Vor einem Jahr lieferte der textile Dienstleister OP-Wäsche für brasilianische Krankenhäuser. Diese Aufträge generierten einen zusätzlichen Umsatz in Höhe von 3 Millionen Euro.

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