Chemie/Verfahren -

Aus der Sachverständigenpraxis Handwäsche in der Waschschleudermaschine?

Viele, gerade hochwertige Bekleidungsteile tragen in der Pflegekennzeichnung das Symbol für Handwäsche auf dem Waschetikett. Kann diese Handwäsche im Textilpflegebetrieb in der professionellen Waschschleudermaschine erfolgen? Antworten gibt Textilreinigungssachverständiger Rudolf Kreckel.

Die Pflege von Textilien wird entsprechend der Richtlinien für die Pflegekennzeichnung von Textilien international geregelt. Dabei sind nationale Organisationen aufgrund von Vereinbarungen mit der Ginetex ermächtigt, an einheimische Unternehmen vertraglich das Recht für die Anwendung der Symbole zu erteilen. Dabei werden die jeweils maximal zulässigen Behandlungsarten, eine lückenlose Verwendung in vorgeschriebener Reihenfolge und in leicht verständlicher, problemlos anwendbarer und sprachunabhängiger Form genannt. Die Pflegesymbole sind international genormt; ebenfalls deren Prüfmethoden, deren Anforderungsprofile in Industrienormen hinterlegt sind.

Das Zusammenfügen von Textilien mit unterschiedlichen Pflegekennzeichen muss in Abstimmung auf das danach hergestellte Textilgut, seinen Materialien und seinen Accessoires wie Applikationen, Knöpfe usw. zu einer Kennzeichnung geschehen. Die schonendste Pflege gilt für das gesamte Textilgut.

Sind Pflegekennzeichen vorhanden, dann sind diese einzuhalten. Wer diese, mit Pflegekennzeichen versehene Textilien in den Markt bringt, ist somit für die richtige Angabe verantwortlich. Dabei ist zu beachten, dass dies für die fertige Ware gilt, das heißt für alle verwendeten Materialien und nicht nur für die im Herstellungsprozess eingebundenen Textilien, die im Textilkennzeichnungsgesetz (seit 1972 in Kraft) verankert sind.

Wird ein Bekleidungstück mit einer Pflegekennzeichnung versehen und dann durch nachträgliches Einbringen von Drucken oder Accessoires wie Applikationen, Knöpfe verändert, ist der verantwortlich, der diese nachträgliche Änderung vorgenommen hat, da der Textilpfleger von der vorhandenen Kennzeichnung ausgeht.

Farbechtheit und Verantwortung

Die Prüfmethoden zur Feststellung von Echtheiten sind genormt (Färbungen und Drucke). Es sollen bei der Einstufung die verschiedenen Kriterien (Waschechtheit, Reibechtheit Wasserechtheit, Dimensionsstabilität ) beachtet werden. Die zusätzlichen Informationen des Herstellers wie Farbausbluten bei nicht ausreichend nachbehandelter Ware, das Ausbluten von Farbstoffen im Einsatz der Bekleidung – wie die berühmte Jeans, die Spuren auf Sitzflächen hinterlässt – sind dabei nicht primär betroffen. Hier versteht es sich jedoch, dass schlechte Gebrauchsechtheiten nicht durch Hinweise in Pflegeanleitung (Achtung, kann Abfärben) aus der Verantwortung genommen werden dürfen. Dabei stellt sich jedoch grundsätzlich die Frage der Verantwortlichkeit. Es wurden daher ganz bestimmte Beurteilungsmaßstäbe, wie die ISO 105-A02 oder die ISO 105-A03, zur Prüfung der Farbechtheiten ausgearbeitet und mit Noten versehen. Diese Bewertungen werden zur Pflegeprüfung mit hinzugezogen.

Textilpflegekennzeichnung ist ein komplexes Thema. Besonders interessant ist das Thema „Handwäsche in der Waschschleudermaschine“. Dieses soll im Folgenden anhand einiger ausgewählter Pflegekennzeichnungssymbole näher betrachtet werden.

Handwäsche 

Die Auswertung von Katalogen hochwertiger Anbieter ergab, dass etwa 80 Prozent der in diesem Katalog gezeigten Textilien gewaschen werden können. Etwa zehn Prozent sind mit einem Handwaschsymbol, einem Trocknerverbot und zum Teil auch mit einem Reinigungsverbot versehen.

Grundsätzlich gibt das Handwaschsymbol in der Pflegekennzeichnung vor, dass eine Handwäsche bei einer Temperatur bis zu 40 °C je nach Artikel vorgenommen werden kann. Dazu soll das Feinwaschmittel zuerst in reichlich Wasser gut aufgelöst werden. Danach werden die Textilien schwimmend in der Waschlösung gegeben und vorsichtig bewegt .Das Textilgut soll nicht gerieben, nicht gezerrt und nicht ausgewrungen werden. Es wird gespült, ausgedrückt und in Form gezogen. Farbige und empfindliche Wäsche soll rasch behandelt werden und nicht in nassem Zustand liegen bleiben. Es handelt sich hier nicht grundsätzlich um ein Wollwaschsymbol. Grundsätzlich muss der Textilpfleger auch bei der Handwäsche seine Kenntnisse über die Eigenschaften des Textilguts in die Pflege mit einbringen. Die mit Handwäsche gekennzeichneten Teile können nicht im Trockner getrocknet werden.

Es stellt sich die Frage, ob eine derartige Bearbeitung in einem Reinigungsbetrieb durchgeführt werden kann?

Betrachten wir relevante Wasch- und Nassreinigungssymbole näher.

Waschen in nichtgewerblichen Waschmaschinen (DIN EN ISO 6330:2012) 

Hier gibt es die Vorgabe, dass Wolle bei 30 °C gewaschen werden soll und dass der Waschprozess (bei zwei Balken) so ablaufen soll, dass die Trommel drei Sekunden rotiert und für zwölf Sekunden pausiert. Dieser Prozess beinhaltet eine leichte mechanische Beanspruchung und kann so als Wollprogramm angesehen werden (Stand 2012). Auch einige Reinigungsbetriebe arbeiten mit nichtgewerblichen Waschmaschinen – hier sollte es selbstverständlich sein, dass die notwendigen Kriterien einzuhalten sind. Es soll in jedem Fall geprüft werden, ob dabei die Materialschonung oberste Priorität hat.

Maschinenwäsche für Handwäscheartikel (Profi) 

Die in der Pflegekennzeichnung genannte Pflege ist als die jeweils maximal zulässige Behandlung anzusehen. Für eine schonendere Bearbeitung lassen sich alle modernen Waschschleudermaschinen verwenden, sofern sie frei programmierbar sind und die für derartige Behandlungen vorgesehenen Kriterien erfüllen. Sie sollen eine Niveauregelung besitzen, die Flottenverhältnisse bis 1:3 ermöglichen und ein frei programmierbares Regelantrieb. Hinzu kommt, dass die Mitnehmerrippen auf die eingesetzten Verfahren abgestimmt werden können und die Trommel so beschaffen ist, dass die Ware mit einem G-Faktor größer als 350 geschleudert werden kann, um so die Ware so an die Wandung der Trommel anzulegen, so dass eine Entwässerung durch den Anpressdruck möglich ist und weitere Mechanik vermieden wird. Der Trockner sollte eine Restfeuchtesteuerung haben.

Nassreinigung  

Grundsätzlich ist hier zu beachten, dass das Nassreinigungssymbol immer sowohl für das Reinigen als auch für das Trocknen steht. Die Anforderungen an die Maschinenausstattung, an die eingesetzten Hilfsmittel und die Finishmethoden können nicht durch die Bedingungen der Haushaltsmaschinen erreicht werden. Immer wieder ist in Gesprächen mit Textilreinigern festzustellen, dass die Symbole der Nassreinigung unzureichend bekannt sind und Bekleidungshersteller diese zum Teil nicht oder nicht mehr nutzen (z.B. weil die Textilreiniger angeblich die Nassreinigungsvorgaben nicht erfüllen). Es gibt drei Stufen der Nassreinigung.

Stufe 1: W ohne Balken

Das Symbol steht für Reinigungsverfahren in Wasser bei einer Behandlungstemperatur von 30 °C und einer Trocknung im Tumbler bei 60 °C.

Stufe 2: W mit einem Balken

Reinigungsverfahren in Wasser bei reduzierter Mechanik und einer Behandlungstemperatur von 30 °C; Trocknung im Tumbler bei 60 °C bis zu einer Restfeuchte von etwa 15 Prozent.

Stufe 3: W mit zwei Balken

Reinigungsverfahren in Wasser mit stark reduzierter Mechanik bei einer Behandlungstemperatur von 30 °C; Auflockern im Tumbler maximal zwei Minuten und Lufttrocknung hängend oder liegend. Dieses Symbol wird auch für sehr empfindliche Textilien wie Wolle vergeben. Die Mechanik bei der Nassreinigung wird noch stärker reduziert als bei den Verfahren für empfindliche Textilien, das heißt auch stärker wie in Wäsche bei .

Dabei ist zu beachten, dass hier nur Wolle einer Behandlung unterzogen und dabei die Wäschemenge stark reduziert wird, wobei grundsätzlich Mechanik und Temperaturauf die Wolle abgestimmt sind.

Dieses Verfahren bei Unterbeladung, niedrigem Niveau mit einem sehr schonenden Reversierrhythmus (drei Sekunden laufen und 57 Sekunden stehen), einer Wassertemperatur von unter 30 °C und einem G-Faktor von 250 bis 400 je Warenart kommt der Handwäsche sehr nahe. Werden zusätzlich die Eigenschaften der Textilien, Fasermaterial usw. einbezogen, kann man hier von der Handwäsche in einer Waschschleudermaschine sprechen. Generell erfolgt danach keine Trocknung im Trockner, sondern lediglich ein Auflockern im dafür geeigneten Trockner.

Zusammenfassend kommen grundsätzlich folgende Fragen immer auf den Textilreiniger zu:

  • Welche Pflege wird vom Hersteller empfohlen?
 
  • Welches Material soll behandelt werden?
 
  • Kann das Teil ausbluten und andere Teile anfärben?
 
  • Worauf sollte ich bei den Waschmitteln achten?
 
  • Was geschieht nach dem Waschprozess?
 

Dabei sollten die Leistungsarten nach RAL RG 995 ebenso bekannt sein wie die Normen über die fachgerechte Pflege entsprechend der DIN EN ISO 3175. Hier werden die Abläufe festgelegt, wobei besonderes Augenmerk auf die Warendurchsicht und somit auf das Vorsortieren nach Farbe, Materialeigenschaft, Verschmutzungsgrad zu legen ist. Die Erfahrung zeigt, dass in diesem Bereich der Vorbereitung zur Reinigung oder dem Waschprozess viele Fehler gemacht werden.

Zusammenfassung: Grundsätzlich sind die Eigenschaften der Textilien sowohl bei der Pflege als auch im Trockner zu beachten. Befinden sich Baumwollartikel und Wolle in der Waschmaschine und wird danach getrocknet, führen unterschiedliche Trocknungsbedingungen dazu, dass sich das empfindlichere Teil – hier die Wolle – verändert, d.h., die Gefahr eines Einlaufschadens bzw. einer Verfilzung wächst. Wird hingegen z.B. Polyester, Seide und Wolle gewaschen und getrocknet, ist die Polyesterware vor der Wolle trocken; es sind hier keine Probleme zu erwarten.

Die Nassreinigungsverfahren und Schonwäsche werden als Wollprogramme bezeichnet. Beim Handwaschsymbol wird die Pflege einzelner Wäscheteile auf dieses Teil hinsichtlich Temperatur, Mechanik und Waschmittel abgestimmt. Kann die Handwäsche in die Waschmaschine verlegt werden, ist ein Nassreinigungsverfahren, wie unter beschrieben, dafür geeignet und führt grundsätzlich zu einer schonenderen Behandlung für in Auftrag gegebene Artikel.

Es ist grundsätzlich sinnvoll, die Artikel ihren Eigenschaften entsprechend zu behandeln und dabei die Trocknung einzubeziehen. Das heißt bei Wollartikeln, die mit diesem Symbol versehen sind, ist grundsätzlich auch keine Trocknung im Tumbler zulässig – es sei denn, der Trockner wird lediglich zum Auflockern verwendet. Selbst dabei sind die damit verbundenen Risiken zu beachten. Der Sachverständige bekommt immer wieder Reklamationen zur Begutachtung mit dem Hinweis, dass die Teile einer Handwäsche unterzogen wurden und dennoch eingelaufen sind. Es ist davon auszugehen, dass Sortierfehler bis hin zum Trockner vorlagen und ein Großteil der Schäden beim Trocknen aufgetreten ist.

Antwort auf die Frage: Kann die Handwäsche in die Waschmaschine?

Ja, wenn ein Nassreinigungsverfahren in geeigneten Waschschleudermaschinen zum Einsatz kommt, wie es in Stufe 3 steht. Das heißt mit stark reduzierter Mechanik bei einer Behandlungstemperatur von 30 °C in einer vorgegebenen Zeit und ohne Trocknung.

Zusammenfassung: Auf Seite 6 der RAL RG 995 finden Sie unter Punkt 2 „Erläuterung gängiger Begriffe“: Nassreinigung von Textilien sind spezielle Reinigungsverfahren auf Wasserbasis, die in speziellen Nassreinigungsmaschinen und dazu passenden Trocknern im Rahmen der professionellen Textilreinigung durchgeführt werden. Es wird eine wesentlich größere Warenschonung erreicht als dies mit einer sogenannten Handwäsche oder einer Handwäsche im Schonwaschverfahren möglich ist.

Tipp des Sachverständigen: Die RAL-RG 995:2014-12 „Leistungsarten der Reinigung von Textilien und dergleichen – Begriffsbestimmung“ ist seit Dezember 2014 auf dem Markt und ersetzt die vorherige RAL. Zu beziehen ist sie beim Beuth-Verlag (www.beuth.de).

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