Österreich -

Bundessparte Gewerbe und Handwerk der WKÖ Hoffnung auf Rückenwind durch „rote Null“

Auch der Direktor der KMU Forschung Austria, Walter Bornett, schlägt in diese Kerbe: „Die Gewerbe- und Handwerksbetriebe sind eine stabile Größe. Sie sind für die Volkswirtschaft ein wertvolles Gut, denn sie sichern Arbeitsplätze und Wertschöpfung – betriebswirtschaftlich gesehen stehen die Zeichen aber auf Alarm.“ Dies müsse man auch im internationalen Umfeld sehen: So zeige die aktuelle Konjunkturumfrage der UEAPME, dem Dachverband der europäischen KMU, dass heimische KMU im Gegensatz zum europäischen Trend an Boden verlieren. Konkret meldeten 2015 rund 29 Prozent der Betriebe Umsatzsteigerungen gegenüber 2014 um durchschnittlich 9,7 Prozent, bei 43 Prozent der  Betriebe blieb der Umsatz auf Vorjahresniveau und 28 Prozent der Betriebe verzeichneten Umsatzrückgänge um durchschnittlich 12,3 Prozent. Für die ersten drei Monate dieses Jahres beurteilen 15 Prozent der Betriebe die Geschäftslage mit „gut‘‘ (Vorjahr: 16 Prozent),  60 Prozent mit „saisonüblich‘‘ (Vorjahr: 54 Prozent) und 25 Prozent der Betriebe mit „schlecht‘‘ (Vorjahr: 30 Prozent). „Die Stimmung hellt sich ein wenig auf, die Betriebe blicken positiver auf den weiteren Geschäftsgang. Per Saldo überwiegen im Hinblick auf die Entwicklung im zweiten Quartal die optimistischen Einschätzungen die negativen aber nur um einen Prozentpunkt“, so Bornett. Trotzdem wollten 70 Prozent der Betriebe den Personalstand konstant halten und 25 Prozent sogar den Beschäftigtenstand erhöhen. Sorgen bereite dagegen die noch immer zunehmende Preiskonkurrenz (74 Prozent der Betriebe sind im laufenden Jahr durch diese in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt) sowie die niedrige Investitionstätigkeit: Pro Kopf investierten die Betriebe der Sparte 2015 laut Berechnungen des KMU-Experten rund 4.600 Euro – 2009 lag dieser Wert noch bei 6.100 Euro.

Bedrohung für Betriebe durch „Mega-Maut“

Mit „existenziellen Auswirkungen“ werde man laut Scheichelbauer-Schuster jedenfalls zu kämpfen haben, wenn die von den Bundesländern geplante „Mega-Maut“ auf Landes- und Gemeindestraßen tatsächlich kommt. Denn davon wären insbesondere diejenigen Gewerbe- und Handwerksbetriebe betroffen, die im niederrangigen Straßennetz im Rahmen des Werkverkehrs für ihre Kunden unterwegs sind. Ein Beispiel seien dabei vor allem die Textilreiniger, die Krankenhäuser, Seniorenhäuser, Hotels und Firmen beliefern: Bei einer jährlichen Kilometerleistung von rund 2,5 Millionen Kilometern, davon nur 40 Prozent auf Autobahnen, fielen bei der Einführung einer flächendeckenden LKW-Maut allein auf einen Textilreinigungsbetrieb jährliche Mehrkosten von 451.000 Euro an. „Wir lehnen eine flächendeckende Mega-Maut klar ab. Statt dessen sollen die vorhandenen Einnahmen der Steuern und Abgaben des Straßenverkehrs dorthin fließen, wo sie hingehören: In die Erhaltung und den Ausbau des österreichischen Straßennetzes“, unterstreicht Scheichelbauer-Schuster.

Investitionsfreibetrag für Betriebsnachfolge

Aufgrund der großen volkswirtschaftlichen Relevanz der Betriebe der Sparte, mehr als ein Drittel aller Arbeitgeberunternehmer, rückt auch das Thema Betriebsnachfolge wieder stark in den Fokus. „Bis 2024 sind rund 150.000 Arbeitsplätze von der Betriebsnachfolge betroffen. Vor dem Hintergrund von 500.000 Arbeitslosen eine gewaltige Zahl. Und ein Zeichen, dass diese Betriebsübergaben im Sinne des heimischen Standortes gut geplant durchgeführt werden müssen – sonst geht wertvolles betriebliches Kapital verloren und damit tausende Arbeitsplätze“, so Scheichelbauer-Schuster. Bornett rechnet damit, dass in etwa rund 15.400 Betriebe mit einem Umsatzvolumen von 90 Milliarden Euro zur Übergabe anstehen. Die größten Hindernisse bei der Betriebsnachfolge seien dabei im Bereich der „hard facts“, bei  der Finanzierung und Modernisierung des Betriebs zu sehen. Im Bereich der „soft facts“ sei die größte Hürde die Unsicherheit, ob der Prozess der Übergabe von Seite der Betriebseigentümer aktiv betrieben werde.

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