Textilien -

Studie zu Diebstahl in Hotels Hotelwäsche: Das wird am meisten geklaut

Mal eben eine Seife oder einen Kugelschreiber im Hotel einstecken? Das gilt vielen Hotelgästen als Kavaliersdelikt - doch dabei bleibt es nicht. Die am häufigsten geklauten Gegenstände sind Textilien, wie das Hotelbewertungsportal Wellness Heaven in einer Umfrage herausfand. Eine interessante Studie auch für Textilservicebetriebe.

Wellness Heaven hat dieses Jahr wieder mehr als 1.000 Hoteliers befragt, welche Gegenstände am häufigsten entwendet werden. Das Hauptergebnis der Studie: Die erdrückende Mehrheit der Gäste klaut Handtücher und Bademäntel. Dicht gefolgt werden diese beiden Spitzenreiter aus dem Frotteebereich von Kleiderbügeln, Stiften und Besteck.

Die Ergebnisse der Studie können den Wäscheschwund, unter dem nicht nur die Hotels, sondern auch Wäschereien und Textildienstleister leiden, teilweise erklären. So sind bei Leasing- und Mietwäsche nicht die Hotels die Eigentümer der Textilien, sondern die Wäschereien und Textilserviceunternehmen.

Darf man Stifte und Kosmetika aus dem Hotelzimmer mitnehmen?

Wie ist die rechtliche Lage, wenn Gäste z.B. kleine Shampoofläschchen oder Stifte "mitgehen lassen"? „Rechtlich gesehen darf man aus Hotelzimmern gar nichts mitnehmen“, erklärt die Dresdner Rechtsanwältin Dr. Ines Kilian auf www.anwaltauskunft.de. Die Gegenstände gehören dem Hotel, der Gast habe lediglich das Recht, sie vor Ort zu nutzen.

Studie Hotel Diebstahl 2018 1

Ungewöhnliche Gegenstände als Diebesgut

Neben "gewöhnlichen" Gegenständen gibt es eine Reihe von spektakulären Ausreißern, die auf eine rege Diebstahlfantasie der Delinquenten schließen lässt:

Badarmaturen: In hohem Maße handwerkliche Fähigkeiten mussten jene Gäste aufbringen, die sämtliche Badarmaturen entwendet haben, den Kopf einer Regendusche, eine Hydromassage-Dusche, einen Toilettensitz, ein Abflussrohr oder gleich ein ganzes Waschbecken, wie von einem Berliner Hotel berichtet wird.

Ein Klavier: Ein Hotelier aus Italien: "Als ich einmal durch die Lobby lief, fiel mir auf, dass irgendetwas fehlte. Kurz darauf erfuhr ich, dass drei unbekannte Männer in Overalls das große Piano abtransportiert hatten. Es tauchte natürlich nie wieder auf."

Ausgestopfte Jagdtrophäen: In einem Hotel in Frankreich wurde ein Gast bei dem Versuch erwischt, einen ausgestopften Wildschweinkopf zu stibitzen. Später kam er doch noch zu seiner Trophäe: Freunde kauften dem Hotel das gute Stück ab und schenkten es ihm zur Hochzeit.

Diebische Vorlieben nach Nationalität

Gliedert man die Delinquenten nach Nationalität, so ergibt sich ein differenzierteres Bild. Es stellt sich etwa heraus, dass der deutsche Hotelgast einem eher langweiligen Diebstahlverhalten folgt: Neben Handtüchern und Bademänteln lässt er in erster Linie Kosmetik mitgehen.

Viel genussorientierter geht es da schon bei den Österreichern zu: Geschirr und Kaffeemaschinen tauchen weit oben in der Diebstahlskala auf. Vom korrekten Esswerkzeug und den Zubereitungsvarianten für den "kleinen Braunen" kann man in der Alpenrepublik offenbar nicht genug zu Hause stehen haben.

Italiener bevorzugen Weingläser als Hotelsouvenir, bei Schweizern rangiert hingegen der Haarföhn weit oben im Ranking. Der Franzose hingegen klaut schon etwas spektakulärer: Er vertritt die Nation, die mit Abstand am häufigsten Fernsehgeräte und Fernbedienungen mitgehen lässt. Holländische Hotelgäste sehen in ihren Mitbringseln vor allem den praktischen Nutzen: Zu ihren Favoriten zählen Glühbirnen und Toilettenpapier.

Textilien und mehr: Was in Hotels geklaut wird

Gäste von 5-Sterne-Hotels bevorzugen teueres Diebesgut

Insgesamt wurden mehr als 600 Hoteliers von 4-Sterne-Häusern sowie knapp 500 von 5-Sterne-Hotels befragt, um das Diebesverhalten in Abhängigkeit vom Wohlstand der Gäste zu ermitteln. Dabei tritt Erstaunliches zu Tage: So ist etwa die Wahrscheinlichkeit, dass hochwertige TV-Geräte aus dem Zimmer geklaut werden, bei Gästen im 5-Sterne-Segment 9-fach höher als bei Reisenden in 4-Sterne-Hotels (siehe Grafik). Auch Tablet PCs werden in 5-Sterne-Häusern häufiger entwendet.

4-Sterne-Gäste begnügen sich hingegen mit weniger spektakulären Geschenken: Handtücher und Kleiderbügel sind bei ihnen tendenziell beliebter als bei 5-Sterne-Gästen, praktische Utensilien wie Batterien und Fernbedienungen klaut der 4-Sterne Hotelgast mit besonderer Wonne (3,1-mal bzw. 5,0-mal häufiger als der 5-Sterne Reisende).

Studie Hotel Diebstahl 2018 1

Luxusmatratzen: Auch teuere Luxusmatratzen mit einem Gegenwert von mehreren Tausend Euro sind nicht vor dem Verschwinden gefeit. Das Risiko für den Matratzenklau ist im 5-Sterne-Hotel 8,1-fach erhöht. Wie die sperrige Ware jedoch unbemerkt aus dem Hotel transportiert wird, bleibt ein Rätsel. Auf Nachfrage antworteten manche Hoteliers, dass dies ausschließlich mitten in der Nacht über Aufzüge geschehe, die direkt in die Tiefgarage führen.

Bettdecken: Passend zum Matratzenklau besorgen sich manche luxusaffine Hotelgäste gerne auch gleich die Bettdecke, um das Schlaferlebnis mit Hotelreminiszenz in den eigenen vier Wänden zu komplettieren. Der Deckenklau ist in 5-Sterne-Hotels 3,9-mal wahrscheinlicher als im niedrigeren Segment.

Zur Methodik der Umfrage

Die Multiple-Choice Antworten wurden randomisiert dargestellt, eine Mehrfachnennung war möglich. Die Umfrage wurde im Mai und Juni 2018 durchgeführt. Insgesamt wurden 1.093 Antworten von Hoteliers ausgewertet, das Ergebnis kann damit laut Wellness Heaven als repräsentativ angesehen werden. Die 1.093 Hotels, deren Management an der Umfrage teilgenommen hat, befinden sich vorrangig in Europa, mit Schwerpunkten auf Deutschland, Österreich und Italien.

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