Wäscherei -

Hygienemonitoring Hohenstein: Neue App für Wäschereien

Ein mangelndes Hygienemanagement kann zu einer Verkeimung der Waschanlage führen. Jetzt entwickelte die Hohenstein-Group eine Smartphone-App, die bei der eigenständigen Kontrolle der Keimbelastung von Wasserproben helfen soll. Aber wie funktioniert die App?

Ein effektives Hygienemonitoring von Prozesswässern ist für Wäschereibetriebe eine wichtige Aufgabe und stetige Herausforderung. Vor diesem Hintergrund haben Wissenschaftler des William-Küster-Instituts für Hygiene, Umwelt und Medizin der Hohenstein-Group im Rahmen eines Forschungsvorhabens (AiF-Nr. 18263N) eine Smartphone-App entwickelt, die gewerbliche Wäschereien im Zuge ihrer Eigenkontrollen gezielt bei der kontinuierlichen mikrobiellen Überprüfung unterstützen soll.

Da sich Biofilme darin ausbilden können, bergen vor allem wenig durchströmte Rohre oder Wasserreservoire das Risiko einer hohen Keimbelastung. Dies kann bei mangelnder Kontrolle zu einer späteren Verkeimung der gesamten Waschanlage führen, wenn kontaminiertes Wasser aus Leitungen oder Tanks zugeführt wird. Schnelle Nachweissysteme für die Keimbelastung von Wasserproben stellen daher eine nützliche Innovation für den Alltag in Wäschereibetrieben dar.

Wie funktioniert der Keimnachweis mit dem Smartphone?

Die Hygiene-App beruht auf der Fotodokumentation eines Farbnachweises von Bakterien und erfüllt laut Hohenstein drei wesentliche Anforderungen für einen erfolgreichen Einsatz in Wäschereien: Das System sei einfach in der Handhabung und somit auch von Laien bedienbar, es weise nur lebende Bakterien nach, da Keime, die bereits abgetötet wurden, kein akutes Risiko mehr darstellen, und es ermögliche eine schnelle und übersichtliche Dokumentation mit Hilfe eines herkömmlichen Smartphones.

Die von den Wissenschaftlern für die App entwickelte Nachweismethode mittels Farbreaktion macht sich den zelleigenen Stoffwechsel von Bakterien zunutze. Sämtliche lebenden Organismen – mit Ausnahme weniger Pflanzen – besitzen ein Enzym namens „alkalische Phosphatase“. Ist dieses Enzym in einer zu untersuchenden Wasserprobe aktiv, setzt es innerhalb weniger Minuten ein spezifisches Substrat mit hellgelber Färbung zu einem dunkellila Farbstoff um, bewirkt also einen Farbumschlag. Die Intensität des Farbumschlages korreliert dabei mit der Anzahl an Keimen, die in der Probe vorhanden sind. Je mehr Keime in der wässrigen Lösung enthalten sind, desto dunkler ist die Färbung der untersuchten Probe.

Nach erfolgter Farbreaktion können Wäschereimitarbeiter die Probe zur Auswertung über die App mit der Smartphone-Kamera fotografieren. Mittels eines Algorithmus ordnet die Applikation dem Farbwert automatisch einen bestimmten Keimwert zu, welcher der Anzahl an vorhandenen Bakterien in der Probe entspricht. Dieser Wert lässt sich über eine Speicherfunktion dokumentieren und mit vorhergehenden Messwerten abgleichen. Somit ermöglicht die Applikation eine kontinuierliche Kontrolle der messbaren Keimwerte für bestimmte Prozesswässer, verspricht Hohenstein.

Welche Features bietet die App?

Für die Programmierung der App haben sich die Wissenschaftler aus Bönnigheim Unterstützung bei der Firma INDECA geholt. Der IT-Spezialist aus Heilbronn konnte aufgrund seiner Erfahrungen auf diesem Gebiet die geforderten Inhalte umsetzen und in eine intuitiv zu bedienende App programmieren. Sämtliche durchgeführten Farb- bzw. Keimnachweise lassen sich automatisch unter dem zugehörigen Datum abspeichern und können mit Kommentaren versehen sowie jederzeit erneut aufgerufen werden.

Um dem Anwender eine kontinuierliche Überwachung seiner Prozesswässer zu ermöglichen, kann man die Proben zudem einem bestimmten Entnahmeort zuordnen. Mit wenigen Klicks lässt sich eine Trendanalyse anzeigen. Einzige Anforderung an das Smartphone ist, dass das Gerät unter dem Betriebssystem Android (Version 5 oder höher) läuft. Die Sensitivität der Nachweisreaktion kann sich derzeit noch nicht mit gängigen kulturmikrobiologischen Verfahren messen, so Hohenstein.

Trotzdem stelle die App ein hilfreiches und leicht verfügbares Werkzeug dar, um in gewerblichen Wäschereien kontinuierliche Eigenkontrollen zu unterstützen. Verschiedenste Anlagen im gesamten Betrieb sollen sich mit dem schnellen Nachweis innerhalb kürzester Zeit beproben und untersuchen lassen. Die Zeit bis zum Ergebnis dauere nicht wie üblich mehrere Tage, sondern nur zwei Stunden. Somit können Wäschereibetriebe bei Bedarf zeitnah Gegenmaßnahmen wie z.B. eine Desinfektion oder Sanierung von Anlagenteilen oder Wassertanks einleiten.

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