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Wäscherei Sankt Nikolaus KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrum Jugendliche auf reale Bedingungen in Wäschereien vorbereiten

In der Wäscherei Sankt Nikolaus KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrum bildet Textilreiniger­meister Fabian Fuchs junge Menschen mit Lern- und Mehrfachbehinderungen zu Textilreinigern aus. Er vermittelt ihnen nicht nur die Technik, sondern bereitet sie auf reale Bedingungen in Wäschereien vor.

In einem geregelten Alltag klarkommen. Einen Ausbildungsabschluss erlangen. Sich in das gesellschaftliche Leben integrieren. Junge Menschen mit Problemen im Lern- und Verhaltensbereich sowie mit psychischen Problemen sollen in diesen Dingen in der Wäscherei des Sankt Nikolaus KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrums in Dürrlauingen Hilfe erhalten.

Wäscherei 2013 umgebaut

Die Wäscherei befindet sich im nordöstlichen Teil des Berufsbildungswerks. Sie ist sauber, groß und hell. Die Raumtemperatur ist angenehm. Der Geräuschpegel niedrig. Wer sich umsieht, erkennt schnell, dass hier professionell, ordentlich und mit moderner Technik gearbeitet wird. Die Wäscherei verfügt seit dem Neubau im Jahr 2013 u.a. über eine Waschstraße, eine Mangelstraße, einen Tunnelfinisher, eine KWL-Reinigungsmaschine, moderne Dosiertechnik und eine Detachierstation.

„Die Modernisierung war wirklich nötig. Vorher war das hier nur eine kleine Kellerwäscherei. Jetzt sind wir vom Stand der Technik zum Industriebetrieb gewachsen“, sagt Fabian Fuchs. Vor vier Jahren übernahm er die Rolle des Wäschereileiters im KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrum. Der Textilreinigermeister machte seine Ausbildung im elterlichen Betrieb, der Textilpflege Paris in Nördlingen. Während sein Bruder Manuel Fuchs den Familienbetrieb in Nördlingen weiterführt, zog Fabian Fuchs aus, um sich neuen Herausforderungen zu widmen.

Fabian Fuchs geht mit seinen Mitarbeitern locker um. Er hat ein motiviertes Team. Packt mit an. Pause? Hat er nie. Wenn sein Betriebstelefon klingelt, meldet er sich sofort. Es gibt immer etwas zu klären oder abzusprechen. Mit Kunden, Lieferanten oder der Chefetage des KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrums. Vor vier Jahren sah das noch anders aus. Da begann der Ausbilder mit einem einzigen Auszubildenden in der neuen Wäscherei und ohne große Kunden.

Nur wegen der neuen Technik rannten ihm die Kunden nicht sofort die Tür ein. Er musste aktiv Akquise betreiben, sich für seine Azubis und seine Wäscherei starkmachen. Mit Erfolg. Heute wird im Betrieb nicht nur die Wäsche der Gesamteinrichtung gewaschen. Die Wäscherei erhält Aufträge aus Hotellerie und Gastronomie, von Krankenhäusern, Altenheimen und Privatleuten. „ Da ist auch Leasingwäsche und Berufsbekleidung dabei. Eigentlich kümmern wir uns um fast alle Textilien, außer Leder und Teppich. Das bieten wir zwar an, lagern es jedoch aus“, sagt Fuchs.

Vier Absolventen, vier Übernahmen

Der Textilreinigermeister konnte nicht nur wirtschaftliche Erfolge verzeichnen. Im Jahr 2016 bildete er neun Jugendliche gleichzeitig aus, davon vier im ersten, vier im zweiten und einen im dritten Lehrjahr. Schon vier jener neun Azubis haben ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Sie haben jetzt sogar einen Job in der freien Wirtschaft gefunden. „Dieser Erfolg hängt aber von der Motivation und dem Arbeitsmarkt ab“, relativiert Matthias Knakowski die gute Quote. Er ist Integrationsbegleiter im KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrum und hilft den Absolventen bei den ersten Schritten in die freie Wirtschaft. Dennoch macht es den Eindruck, dass Fuchs’ Engagement, die neuen Geräte und die gute Auftragslage einen erheblichen Anteil zur guten Eingliederungsquote beitragen.

„Meine Azubis haben selten Probleme mit den technischen ­Anforderungen. Sie tun sich schwerer, in einem realistischen ­Arbeitsumfeld klarzukommen“, erklärt Fuchs. Denn ihre häufigste Schwäche ist, dass sie nicht schnell genug für die freie Wirtschaft arbeiten. Eben dieser Problemstellung versucht Fuchs durch eine Ausbildung im Rahmen echter Produktionen entgegenzuwirken. In anderen Berufsbildungswerken würden die Azubis häufig nur die technische Seite eines Berufs erlernen. Fuchs bemüht sich, die Bedingungen in seiner Wäscherei an reale Situationen anzu­passen. Dabei hilft ihm die Erfahrung aus seinem elterlichen ­Betrieb. Er bleibt in ständigem Kontakt zu Wäschereien in der ­freien ­Wirtschaft und vergleicht sich und seine Azubis mit den Kollegen.

Eine weitere Maßnahme, um den Jugendlichen den Umstieg in die freie Wirtschaft zu erleichtern, sind Vermittlungspraktika. Dort sollen die Azubis lernen, wie es ist, in einem richtigen Betrieb zu arbeiten. Die größte Schwierigkeit? Sich auf die neuen Bedingungen und die neuen Kollegen einzulassen.

Durch einen Eingliederungszuschuss der Agentur für Arbeit kann der Arbeitgeber Rücksicht auf die fehlenden Qualifikationen der Absolventen von Ausbildungswerken nehmen. Der Betrag dient als Ausgleich. Aber in dieser Zeit soll der Betrieb auch versuchen, zusammen mit seinem neuen Mitarbeiter auf die 100-prozentige Leistung hinzuarbeiten. „Ich sehe das so: Unsere Azubis sind Rohdiamanten, die wir den Betrieben geben, damit sie den Feinschliff machen“, sagt Fabian Fuchs und lächelt.

Wie die letzten von Fuchs’ Absolventen zeigen, kann die Ausbildung in einem Berufsbildungswerk der richtige Weg sein. Ein junger Mann stand beispielsweise am Anfang seiner Ausbildung kurz davor, alles hinzuwerfen, gab aber laut Fuchs im letzten Jahr richtig Gas. „Er wird jetzt sogar in einer Leitungsfunktion bei dem neuen Unternehmen eingearbeitet“, sagt Fuchs und freut sich für seinen ehemaligen Azubi.

Die allgemeine Integrationsquote der Abgänger des KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrums mit Abschluss liegt laut Knakowski bei circa 80 Prozent. Wie im freien Markt dauert die Grundausbildung zum Textilreiniger in Fuchs’ Wäscherei drei Jahre. Lediglich die einjährige Berufsvorbereitungsphase und das Mitwirken von psychologischen und pädagogischen Fachkräften unterscheide die Ausbildung von einer Ausbildung in der freien Wirtschaft.

Freie Wirtschaft als größter Konkurrent

Ein großes Problem ist laut Knakowski, dass der Betrieb in Zeiten einer Vollbeschäftigung immer in Konkurrenz mit der freien Wirtschaft steht, wenn es darum geht, Azubis anzuwerben. „Es gibt Betriebe, die schnappen dem Berufsbildungswerk die Lehrlinge weg, weil es einfach zu wenige gibt“, ergänzt der Integrationsbegleiter. Obwohl es bekannt sei, dass einige der jungen Menschen Lern- oder Verhaltensprobleme hätten, würden sie als Azubis angenommen. Und häufig würden diese jungen Menschen scheitern. „Davon erholen sie sich auch selten“, ergänzt Knakowski.

Dieser Konkurrenzkampf belastet die Wäscherei des KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrums enorm. Im letzten Jahr hatte Fuchs noch neun Azubis. Jetzt sind es nur noch vier. Es wäre noch Platz für zwölf Azubis. Denn die Ausbildungswerkstatt ist auf 16 Personen ausgelegt.

Aktuell beschäftigt die Wäscherei mit Fahrern acht Angestellte und vier Jugendliche in Ausbildung. „Wir hoffen auf mehr Lehrlinge“, sagt Fuchs, dem die Sorgenfalten auf der Stirn stehen. „Wir sind bei der Belegung von der Zuweisung der Agentur für Arbeit abhängig und die hatte in diesem Jahr nur wenige Jugendliche für unser Berufsbildungswerk.“

(Update 15.01.2018: Der Wäscherei des Sankt Nikolaus KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrums in Dürrlauingen droht das Ende als Ausbildungsbetrieb, wie die Augsburger Allgemeine berichtet. Als Grund nennt die Zeitung in Bezug auf Angaben des KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrums, dass die Wäscherei mehr als 200.000 Euro Verlust im Jahr einfährt. Dies hänge mit dem akuten Azubimangel zusammen.)

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