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Interview mit Eva Maria Meschnik Kulturwissenschaftlerin belebt Textilservice

Sag niemals Putzerei zu Eva Maria! Der Call to Action auf ihrer Website macht neugierig. Wer weiterliest, erfährt: Eva Maria ist ein Atelier, das Textilreinigung neu interpretiert. Spätestens beim Betreten des Geschäfts am Stadtrand von Klagenfurt am Wörthersee wird deutlich, es trägt die Handschrift einer Unternehmerin mit Liebe für Ästhetik.

Eva Maria Meschnik ist von Haus aus Kulturwissenschaftlerin. Ungewöhnlich für die Textilpflegebranche, doch die junge Unternehmerin sorgt gern für Überraschungsmomente. Ein solcher ist garantiert, wenn ihre Kunden zum ersten Mal den Laden betreten, einen schicken, bis ins kleinste Detail durchdachten Fashion Store, der nicht mehr an eine Reinigung erinnert. "Wir gehen dem Gewerbe der Putzerei an die Wäsche und modernisieren es mit neuen Services, nachhaltigem Denken und einem attraktiven Ambiente", erklären die Inhaber bereits online.  

Über ihr Konzept und ihre Erfahrungen als junge Unternehmer sprachen wir mit der Inhaberin. Gemeinsam mit ihrem Bruder Michael Meschnik übernahm sie im Januar 2019 einen 40 Jahre bestehenden Betrieb und gab ihm ein neues, kreatives Image. Ihre Einrichtung bauten sie selbst, frei nach ihren Vorstellungen. Eva Maria entstand.  

Wenn nicht Putzerei, was dann?   

"Kleidung ist mehr als etwas, das man sich anschafft und wieder entsorgt", sagt Meschnik. Sie biete die Chance zum Selbstausdruck und Wohlbefinden. "Daher nennen wir es ‚pure fashion services‘ und bieten unseren Kunden ein Wohlfühlambiente, das textile Reinigung als liebevolles Handwerk versteht und neu interpretiert." Der in Österreich gängige Begriff Putzerei werde leider meist mit veralteten Bildern assoziiert. "Konsumenten erwarteten jedoch einen zeitgemäßen, anspruchsvollen Auftritt von jeder Branche", so die Unternehmerin, die sich bereits während ihres Studiums intensiv mit gesellschaftlichen Ausdrucksformen beschäftigte. Sie sei zudem Perfektionistin und kümmere sich gerne. All das könne sie nun bestens ausleben. "Wir haben es täglich mit wunderschönen, hochwertigen Kleidungsstücken zu tun. Unsere Wohlfühlatmosphäre stärkt das Vertrauen in unseren Service und signalisiert unsere Wertschätzung für die Lieblingsstücke", sagt sie. "Es bereitet mir große Freude, Stücke auszuhändigen, die schöner als neu sind und zu sehen, wie sich die Kunden darüber freuen."

Die professionelle Textilreinigung sei in der Vergangenheit zunehmend ans Ende der "Nahrungskette" gerutscht. Gründe dafür gebe es viele. So sei unter anderem die Qualität von Stoffen und Verarbeitungen selbst im hochpreisigen Segment schlechter geworden. "Wenn sich herstellungsbedingte Mängel oder falsche Etikettierung auf das Reinigungsergebnis auswirken, werden oft die Putzereien dafür verantwortlich gemacht", sagt sie. Zudem sei die Herstellung moderner Textilien ein schnelllebiger Prozess mit immer neuen Weiterentwicklungen, smart textures beispielsweise. Die Expertise von Textilreinigern finde kaum noch Beachtung. Das will Meschnik ändern.  

"Unsere Gesellschaft hat sich der fast fashion unterworfen, jagt von einem Trend zum nächsten und vergisst leider oft, welche Ressourcen wir ungenutzt lassen." Der schnelle Kleidungskauf erscheine so viel einfacher und werde von Impulsen der Belohnung und Genugtuung begleitet. Sich trotz alledem nachhaltig am Markt zu positionieren, setze Überzeugungskraft und Selbstbewusstsein voraus. In beidem bestärken sich die Geschwister Meschnik gegenseitig. Sie wollen ihre Dienstleistung in eine veränderte Welt des Konsums mitnehmen und durch ihre Arbeit und ihr Wissen zur Veränderung beitragen.

Was zählt, sind persönliche Beziehungen

Porträt Eva Maria Meschnik

Über Textilreinigung als Luxus lasse sich diskutieren, und nur wer sie sich leisten könne, nehme sie in Anspruch, keine Frage. Doch letztendlich sei es immer eine Investition in den Werterhalt von Textilien, in das eigene Wohlbefinden und somit in die Gesundheit. Erfolgsentscheidend für ihr Konzept sei neben der Qualität vor allem die intensive Kunden ansprache; zum Verweilen und zu persönlichen Gesprächen lade das offene Ambiente ihres Shops ein. "Wir sehen jeden einzelnen Kunden, lassen ihn an unserer Tätigkeit teilhaben und erfüllen nahezu alle Kundenwünsche. Wir wissen genau, wer nur drei Knöpfe geschlossen oder seine Hemden extra schmal gelegt haben möchte." Auf möglichst jeden Kundenwunsch zu reagieren und trotzdem effizient zu arbeiten, sei durch die enge Zusammenarbeit zu zweit möglich. Jeder Handgriff des anderen sei vertraut, und jeder kenne die individuellen Anliegen der Kunden, was einen sensiblen Umgang erfordert. "Man lernt, sich zu erinnern und sich doch jedes Mal aufs Neue unvoreingenommen auf die Menschen einzulassen." Dabei glaubwürdig und echt zu bleiben, ist ihr wichtig.   

Am Ende der Reise angekommen

Ihr Entschluss, gemeinsam eine Textilreinigung zu übernehmen, war spontan, aber auch das Ende der Suche nach einer spannenden Herausforderung. Geplant war ursprünglich, zusammen in die Karibik auszuwandern. Daraus wurde ein siebenmonatiger Trip durch Zentral- und Südamerika. "Eines Tages erklärten wir die Reise für beendet, und es zog uns wieder heim", erzählt Meschnik. Der Wunsch, ein Gemeinschaftsprojekt zu realisieren, blieb.

"Wir sahen und sehen nach wie vor Potenzial in der Branche und für uns als Quereinsteiger die Chance, mit einem anderen Blick darauf Neues zu entwickeln und uns selbst zu entfalten. Unser Vater begleitete die Vorbesitzerin über dreißig Jahre lang als Techniker und wusste, dass sie kurz vor der Pensionierung stand. So haben wir schließlich nicht nur den Betrieb, sondern auch die Vorbesitzerin zu lieben gelernt und sind wie eine kleine Familie zusammengewachsen. Sie hat uns sehr unterstützt und den Übergang fließend gestaltet. Bis heute können wir auf sie zählen und schätzen ihre Expertise."  

Gänzlich branchenfremd waren Eva Maria und Michael Meschnik nicht. Ihre Großmutter führte eine Zeit lang eine Textilreinigung in Klagenfurt, Großvater und Vater waren Maschinentechniker im gesamten deutschsprachigen Raum. "Sie kennen die Branche von innen und außen, haben den technischen Fortschritt mitgedacht und selbst Maschinen gebaut. Mein Bruder hat diesen technischen Blickwinkel geerbt. Er lernte bei unserem Vater, begleitete ihn auf Montagen und bei Projektentwicklungen."

Leidenschaftlich verwurzelt

Eva Maria Meschnik festigte ihre Wurzeln in der Branche durch eine Ausbildung an der höheren Lehranstalt für Mode und Bekleidungstechnik in Klagenfurt. Der Umgang mit Textilien, Farben und Design entsprach ihrem ästhetischen Empfinden. "Mein Fokus lag auf dem Gestalten und Entwerfen von Kleidungsstücken. Dass ich jemals so für die Pflege von Textilien brennen würde, konnte ich mir selbst bei der Übernahme unseres Betriebes noch nicht vorstellen."

Heute ist es diese Leidenschaft, die sie und ihren Bruder täglich, selbst in Zeiten der Pandemie, befeuert. Mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Herangehensweisen ergänzen sich die Geschwister perfekt. Spezialisiert auf die Pflege von Oberbekleidung wenden sie sich mit einem Blusen- und Hemdenservice vor allem an Berufstätige. Bügelservice und eine Änderungsschneiderei gehören selbstverständlich dazu. "Altes wird neu gemacht, Unmodernes wird gestylt", so die Devise. Eine Shop-in-Shop-Kooperation mit dem steirischen Hemden- und Blusenhersteller Gloriette rundet den Service ab. Neben einer kleinen Auswahl der Kollektion werden Hemden nach Maß angeboten.

Die meisten Textilien, die über die Ladentheke gereicht werden, sind hochwertige Mode und Businesskleidung von Kunden ab 30, die anspruchsvolle, professionelle Pflege erfordern. Für viele jüngere Businesskunden liegt der Nutzen vor allem im Zeitgewinn. "Unabhängig von der Qualität oder dem Anschaffungswert der Textilien haben wir darüber hinaus mehr Möglichkeiten, Flecken zu behandeln, Kleidungsstücke zu reparieren und sie nachhaltig strahlen zu lassen. So müssen sie nicht bei erster Gelegenheit entsorgt werden. Das sehen inzwischen viele unserer Kunden so, und dafür sind wir dankbar. Unser Ziel ist es, dass uns Konsumenten bewusst in ihren Alltag integrieren; dass Textilservice als ein fixer Teil von gesundem Konsum betrachtet wird."

Eva Maria – pure fashion services

Neudenken statt ausbremsen lassen!

Die Pandemie mache diesen Auftrag keineswegs leichter. Auch Eva Maria ist von den Auswirkungen betroffen, vom Abbau gesellschaftlicher und beruflicher Räume. Als Betrieb ohne weiteres Personal und große Zahlungsverpflichtungen gelingt es ihnen, die Zeit konstruktiv zu überbrücken. Dass sich viele Kollegenbetriebe als vergessene Systemerhalter fühlen, können sie allerdings nachvollziehen. "Wir nutzen die Situation, um zu überlegen, was uns wirklich wichtig ist, wohin wir wollen und wie es umzusetzen ist. Um eine Veränderung kommen wir nicht herum; die Welt tut es täglich."

In diesem Sinne versteht sich Meschnik auch als Mitgestalterin der gesamten Branche. Auf alle Aspekte einzugehen, warum diese in den letzten Jahrzehnten so geschrumpft sei, würde den Rahmen sprengen. Und da sie ohnehin lieber proaktiv ist und nach vorne schaut, wünscht sie sich einen intensiveren Austausch und gelingende Kooperationen mit Marktpartnern: gemeinsames Weiterdenken. Es gebe neben der Pandemie viele wichtige Themen, angefangen bei der Wahrnehmung der Konsumenten über die Weiterentwicklung der Technik bis zu dem riesigen Thema nachhaltiger Verpackung. Die meisten Betriebe hätten sich spezialisiert, müssten daher den Wettbewerb nicht fürchten. Vielmehr gehe es nun darum, individuelle Stärken zu erkennen und zu nutzen, um die Ressourcen der gesamten Branche zu bündeln.  

Aus Visionen machbare Lösungen zu entwickeln, sei das Ziel. Gerade in dieser Zeit dürfte sich der Pioniergeist von Eva Maria und Michael Meschnik erneut bewähren, die Bereitschaft, andere Wege zu wagen und attraktive Angebote zu machen. Einen kontaktlosen Abhol- und Bringservice richteten sie direkt mit dem Lockdown ein. Aktuell arbeiten sie an einer neuen Marketingstrategie, die ab Anfang Mai greifen und neue Felder und Endkunden erschließen soll.

Die Bestrebungen, ihre Reinigungstechnik noch umweltgerechter zu gestalten, seien derzeit leider blockiert, die geplanten Investitionen finanziell aufwändig. Auch die Planung eines zweiten Standortes in der Umgebung von Klagenfurt wird sich verzögern und muss neu gedacht werden. Das Ziel aller Maßnahmen bleibt dasselbe, kulturwissenschaftlich geprägt: pure fashion service, der den Alltag erleichtert, das Leben verschönert und Zeit schenkt. "So bleibt meine Tätigkeit sinnstiftend, jeder Tag spannend und bereichernd. Ich muss mich nicht von Montag zum ersehnten Freitag zwingen, sondern kann meinen Job in meinem Rahmen gestalten", sagt Meschnik. Ihr Tipp für Krisenzeiten: "Trage ein frisches Hemd, wenn dir jemand an den Kragen will."

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