Schadensfallarchiv -

Information | Wäscheschäden vermeiden Mögliche Handlungsfelder: Haushalt, Hersteller, Aufbereiter

Der Textilreinigungssachverständige Meinrad Himmelsbach sieht folgende mögliche Handlungsfelder zur Vermeidung von Wäscheschäden.

K Haushaltsgeräte: Es wäre wünschenswert, wenn die Verkäufer der Haushaltswaschmaschinen und -trockner stärker die Grenzen der Geräte aufzeigen würden. Bettdecken und Kissen können im Haushaltsbereich aufgrund der geringen Maschinenvolumen weder fachlich gut, noch unter Umweltaspekten nachhaltig gepflegt werden. Durch das geringe Trommelvolumen ist es nahezu unmöglich, einen ausreichenden Spüleffekt zu erzielen. Der Wasser- und Energieverbrauch, bezogen auf das Beladegewicht, ist ebenfalls enorm, da das Füllgewicht der Maschine aufgrund des großen Volumens der Ware weit unterschritten wird, die Waschflotte jedoch nicht gleichzeitig reduziert werden kann, um Wasch- und Spüleffekte zumindest in gewissem Umfang zu erhalten.

Bei der Pflege von Outdoorbekleidung im Haushaltsbereich kann nur unter optimalen Bedingungen eine ausreichende Ausspülung der Waschmittel erreicht werden. Dies ist jedoch unabdingbar, um einen guten Imprägniereffekt zu erzielen. Auch hier werden aufgrund der im Vergleich zum gewerblichen Bereich geringen Trommelvolumina weder aus fachlicher Sicht noch im Hinblick auf die Umwelt nachhaltige Ergebnisse erzielt. Entsprechende Hinweise auf professionelle Problemlösungen durch Wäschereien oder Reinigungen könnten in die Bedienungsanweisungen der Waschmaschinen einfließen.

Wasser- und Energieverbrauch von Waschmaschinen sind inzwischen so niedrig, dass es hygienische Probleme in den Maschinen gibt. Dem wird von Seiten der Maschinenhersteller mit der Empfehlung von Wartungsprogrammen oder einer Verwendung zusätzlicher chemischer Produkte begegnet, die die Spareffekte bei Wasser und Energie in Frage stellen. An schwer zugänglichen Stellen des Wassereinlaufes und der Waschmittelfächer kann sich Schimmel bilden. Geruchsbildung und Verpilzung der Wäsche gehören zu Schäden, die den Geschädigten oft gar nicht bewusst, jedoch verbreitet sind.

K Wasch- und Hilfsmittel: Es gibt für die Wäschepflege Produkte in reichlicher Auswahl, für viele Zwecke. Der Hinweis auf die Möglichkeiten der professionellen Textilpflege würde aber manchen Kunden schneller, billiger und nachhaltiger zum Ziel führen, als das Versprechen, alles aus nahezu jedem Stoff entfernen zu können. Insbesondere die Anwendung von Fleckenmitteln erzeugt Kosten und hat negative Einflüsse auf die Umwelt, die bei Nutzung der Dienstleistungen professioneller Textilpflege minimiert werden können. Die Erfolgsquote der heimischen Fleckentfernung liegt bei etwa 50 Prozent, im professionellen Bereich bei 95 Prozent.

K Textilservice: Der gesellschaftliche Nutzen der Tätigkeit des Textilservices sollte noch stärker kommuniziert werden. Eine Möglichkeit wäre z.B. die Beteiligung an der branchenübergreifenden, gesellschaftlichen Plattform zum Thema Waschen www.forum-waschen.de. Die nachhaltigen, hygienischen „Mehrweglösungen“ des Textilservices sind in der gesellschaftlichen Wahrnehmung völlig unterbewertet. Außerdem sind Textildienstleister bei der Ausbildung gefordert: Sie sollten die fachlich breite Ausbildung der Textilreiniger (weiterhin) unterstützen, auch im Hinblick auf die Erschließung von Geschäftsfeldern, bei denen handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten stärker gefordert sind (Business- und Funktionsbekleidung, Altenheime).

K Textilhersteller: Das Anbringen von Pflegekennzeichnen an jedes Textil wäre wünschenswert. In Österreich ist dies bereits gesetzliche Regelung und könnte ja bald auch EU-weit geregelt werden.

Darüber hinaus würde die Anbringung des Produktionsjahres an jedes Textil zu einer erheblichen Vereinfachung bei der Regulierung von Schadensfällen beitragen. Ein weiterer Wunsch an die Textilhersteller besteht darin, dass diese sich mit den Grenzen der eigenen Produkte beschäftigen. Verbindliche Angaben über Nutzungsdauer und Pflegbarkeit im Rahmen des Verkaufsgespräches und auf einem beigefügten Pflegepass würde die oft überhöhten Erwartungen der Verbraucher eindämmen helfen. Vor allem steht jedoch der Wunsch, dass keine Produktionsprozesse an die Verwender auslagert werden.

K Der Beitrag der Sachverständigen besteht in der Schadensaufklärung und Weiterbildung: Aus aufgeklärten Schadensfällen können von den Betriebsverantwortlichen Rückschlüsse gezogen werden, um solche Schädigungen in Zukunft zu vermeiden. Auch Weiterbildungen im Hinblick auf Schadensfälle tragen zur Vermeidung bei. Fachvorträge an der Berufsschule, beim Textileinzelhandel oder Fortbildungen im Bereich Schadensfälle sind Möglichkeiten, für Fehler zu sensibilisieren, um dadurch weniger Schadensfälle zu produzieren.

© rw-textilservice.de 2022 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen