Textilien -

Interview mit Harald Goost, Geschäftsführer von Bierbaum-Proenen Nachhaltig produzierte Bekleidung im Trend

Faire, ökologische Produkte sind gefragt – bei Lebensmitteln wie bei Textilien. Der Trend gilt auch für Berufsbekleidung und beinhaltet nicht nur ressourcensparende Textilherstellung, wie Harald Goost im Interview mit R+WTextilservice betont. Der Geschäftsführer des Berufsbekleidungsanbieters Bierbaum-Proenen sieht auch langfristige Beziehungen zu Lieferanten und Textilservicepartnern als Bestandteil des Nachhaltigkeitskonzepts.

Im Bereich der Mode und Freizeitbekleidung liegt nachhaltig produzierte Bekleidung im Trend. Auch bei Berufsbekleidung und persönlicher Schutz­ausrüstung (PSA) sind die Kunden zunehmend für dieses Thema sensibilisiert. Aber was bedeutet es für einen Hersteller, nachhaltig zu produzieren? Und sind die Kunden bereit, das Engagement zu honorieren? Darüber spricht im Interview Harald Goost, Geschäftsführer bei Bierbaum-Proenen (BP). Der Kölner Hersteller von Berufsbekleidung und PSA hat in diesem Jahr seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht.

R+WTextilservice: Herr Goost, das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde, auch und vor allem bei der Bekleidung. Welche Rolle spielt es für die Berufsbekleidung?

Harald Goost: Wir bemerken schon sehr deutlich, dass das Thema die Menschen umtreibt. Nicht nur im Bereich der Mode und Freizeitbekleidung liegt nachhaltig produzierte Bekleidung im Trend. Auch bei der Berufsbekleidung sind die Kunden, der Industrie und der öffentlichen Hand, zunehmend für dieses Thema sensibilisiert und fragen es gezielt nach.

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Worin sehen Sie die Gründe für diese Entwicklung?

Nachhaltigkeit ist ein gesellschaftlicher Megatrend, der alle Bereiche erfasst. Dass die Menschen vor allem bei Bekleidung auf faire und ökologische Produkte achten, lässt sich mit Sicherheit auch mit dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch erklären, bei der 2013 mehr als 1.100 Menschen starben. Dieses schreckliche Ereignis und die Bilder davon haben viele Menschen zum Nachdenken gebracht. Ein anderer Punkt ist die Detox-Kampagne von Greenpeace, die Umweltbelastungen in der Textilindustrie aufgezeigt hat. Viele Menschen wollen durch ihr Konsumverhalten dazu beitragen, solche Zustände zu verändern.

Was heißt das für Sie als Hersteller von Berufsbekleidung?

Dass wir in unserem Bemühen für faire und ökologische Produktionsbedingungen weiter schrittweise vorangehen müssen.

Können Sie das konkretisieren? Was tun Sie in diesem Bereich?

Zunächst einmal versuchen wir, qualitativ hochwertige Bekleidung herzustellen, die lange hält und die unsere Kunden nicht jedes Jahr neu kaufen müssen. Das ist gerade in unserer Wegwerfgesellschaft ein zentraler Punkt. Denn am nachhaltigsten ist es natürlich, mit dem Ressourceneinsatz so sparsam wie möglich umzugehen. Bei unserer Produktion achten wir darauf, dass wir mit Produktionspartnern zusammenarbeiten, die nachweislich strenge soziale Standards erfüllen. Wir arbeiten in diesem Bereich mit der Fair-Wear-Foundation zusammen, der wir 2010 als erster deutscher Anbieter von Berufsbekleidung beigetreten sind. Die Fair-Wear-Foundation ist eine unabhängige Multi-Stakeholder-Initiative, die sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der internationalen Bekleidungsindustrie einsetzt. Ihre Standards gelten als die höchsten in der Branche. Die Mitarbeiter der Fair-Wear-Foundation führen regelmäßig Audits durch und überprüfen die Standards. Derzeit stammen 95 Prozent unseres Beschaffungsvolumens von auditierten Produktionspartnern. Aber nicht nur unsere Produktionspartner werden regelmäßig überprüft, sondern auch wir als Mitglied. Für das Jahr 2016 wurde BP zum vierten Mal in Folge mit der höchsten Auszeichnung als „Fair ­Wear Leader“ eingestuft. Die Ergebnisse für 2017 liegen noch nicht vor.

Ist es problematisch, Produktionspartner zu finden, die den Anforderungen gerecht werden?

Einfach ist es nicht. Unser Ansatz ist es daher, dass wir mit unseren Partnern langfristig arbeiten, damit wir nicht ständig aufs Neue suchen müssen. Auch in dieser Hinsicht setzen wir also auf Nachhaltigkeit – fast 70 Prozent unserer Ware stammt von Partnern, mit denen wir seit mehr als zehn Jahren zusammenarbeiten. Langfristige Beziehungen streben wir auch mit unseren Kunden, Textilservicepartnern und Lieferanten an. Dahinter steht unsere Überzeugung, dass nur in nachhaltig angelegten Strukturen exzellente Qualität entstehen kann.

Woher stammen ihre Produktionspartner?

Wir haben Partner in Mazedonien, Armenien, in der Türkei, Pakistan, China und Vietnam. In Tunesien haben wir außerdem seit 1995 einen eigenen Produktionsbetrieb. Bei Vetra arbeiten mittlerweile 280 Mitarbeiter, die wir selber ausgebildet haben. Die meisten von ihnen gehören seit mehr als 15 Jahren dem Betrieb an und kennen die Prozesse. Das erleichtert natürlich die Arbeit.

Und woher beziehen Sie Ihre Materialien?

Auch da haben wir unser Engagement in letzter Zeit ausgebaut. So nehmen wir seit zwei Jahren am Fairtrade-Baumwoll-Programm teil und haben uns verpflichtet, unseren Anteil an fair gehandelter Baumwolle stetig zu erhöhen. Im vergangenen Jahr haben wir 126 t fair gehandelte Baumwolle bezogen. Davon profitieren rund 600 indische Kleinbauern und ihre Familien, deren Arbeits- und Lebensbedingungen dadurch verbessert werden. Wie gesagt: Nachhaltigkeit ist ein Prozess, der nur Schritt für Schritt funktionieren kann.

Nachhaltige Produkte sind teurer als konventionell hergestellte. Sind die Kunden bereit, diesen Mehraufwand zu zahlen?

Verantwortung gibt es nicht zum Nulltarif, das ist klar. Diejenigen, denen nachhaltige Bekleidung wichtig ist, verstehen das auch. In einem bestimmten Rahmen sind Kunden auch bereit, für nachhaltige Bekleidung mehr zu zahlen. Bei vielen Ausschreibungen – privaten, aber auch bei solchen der öffentlichen Hand – ist die Nachhaltigkeit heute ein wichtiges Kriterium.

Werden Sie sich also weiterhin für Nachhaltigkeit engagieren?

Nachhaltiges Handeln ist für uns ein elementarer Wert. BP wurde 1788 gegründet und ist in siebter Generation in Familienhand. Wir wissen also, was es heißt, über den Tag hinaus zu denken. Deswegen stehen wir zu unserer Verantwortung und stellen Mensch und Umwelt ins Zentrum unseres Handelns. Dafür arbeiten wir und versuchen, unserem Ziel jeden Tag ein Stückchen näherzukommen.

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