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Gutachten Schadensfall: Blasenbildung an Moncler-Jacke

Wattierte Luxusjacken von Marken wie Moncler sind gefragt, die Ansprüche der Kunden an die Textilien hoch. Im vorliegenden Fall bildeten sich durch die Behandlung in einer Textilreinigung Blasen am Jackenkragen. Die Suche nach der Schadensursache führte den Sachverständigen schnell ins Innere des Textils.

Betrachten Textilreiniger die Ware, die sie täglich bearbeiten, fällt eines auf: Jacken und Anoraks mit einer Daunenfüllung sind mittlerweile teilweise sehr komplex verarbeitet. Sie sind weit verbreitet und scheinen Wollmänteln und -jacken inzwischen den Rang abgelaufen zu haben. Die professionelle Textilpflege hat sich auf diese Situation weitgehend eingestellt und kann die Produkte mit guten oder zumindest mit zufriedenstellenden Ergebnissen pflegen. Allerdings können in Einzelfällen Probleme auftreten.

Das Schadensbild

Der vorliegende Schadensfall zeigte sich nach der Bearbeitung einer Jacke des italienischen Luxus-Labels Moncler. Hohe Ansprüche an das Aussehen von Textilien
führten beim Kunden nicht nur zum Erwerb eines "Luxustextils", auch die Erwartungshaltung an die professionelle Textilpflege war groß, denn: D as Teil sollte möglichst originalgetreu erhalten oder sogar saniert werden.

Schaden an Moncler-Jacke

Die Jacke mit Blasenbildung am Kragen war zwar noch tragbar und erfüllte ihre Funktion. Allerdings war das Aussehen verändert und die Jacke in den Augen des Kunden deshalb wertlos. Um zu klären, ob die Ursache der Blasenbildung auf eine Fehlbehandlung in der professionellen Textilpflege zurückzuführen ist, kam der Anorak zur Begutachtung.

Die Schadensanalyse

Das örtlich begrenzte Auftreten der Blasenbildung ausschließlich im Bereich des Kragens der Jacke, deutete auf eine Schädigung durch einen lokal begrenzt einwirkenden, äußeren Einfluss hin, z. B. das Scheuern des Kragens am Hals oder den Kontakt mit Körperfett, das sich durch häufiges Tragen am Kragen angereichert hat. Dagegen sprach allerdings, dass diese Einflüsse meist nicht vollflächig den gesamten Kragen in gleicher Weise betreffen. Bei einem vollflächigen Einwirken ist der Übergang zu angrenzenden Flächen eher fließend und nicht, wie in diesem Fall, durch die Nähte scharf abgegrenzt. Lichteinwirkung als Schadensursache schied ebenfalls aus, da Stellen, die weniger Licht ausgesetzt sind, am Kragen gleichermaßen von der Schädigung betroffen waren.

Konnte die Blasenbildung eventuell durch Bügeln hervorgerufen worden sein? Zu heißes oder zu langes Bügeln kann Schäden verursachen. Im vorliegenden Fall zeigten sich jedoch keine Erweichungs-, Schmelz- oder Senkstellen. Zudem ist es nahezu unmöglich, das Bügeln direkt an den Nahtübergängen zu beginnen. In diesem Fall wären
auch benachbarte Stellen von der Schädigung betroffen. Abgesehen davon wird der Kragen dieser Jacken in der Regel nicht gebügelt, da er nach der Bearbeitung
bereits glatt ist. Der Schaden konnte demnach nicht durch fehlerhafte Bügelarbeit entstanden sein.

Konnte die Ursache in einer zu hohen Trocknungstemperatur liegen? Durch die Wärme könnte sich an der betroffenen Stelle die Fixierung, also die geklebte oder geschweißte Verbindung, vom Oberstoff und dem darunterliegenden Vlies oder der Membrane gelöst haben. Der Sachverständige trennte die Jacke an einer Stelle vorsichtig auf, der Blick in das Innere war frei. Es zeigte sich, dass der Oberstoff getrennt von der darunter liegenden, weißen, wasserdampfdurchlässigen Membranschicht verarbeitet
war. Direkt unter dieser Membranschicht befand sich das Daunen- und Federfüllmaterial.

Schaden an Moncler-Jacke

Beim Kragen hingegen verhielt es sich anders. Der Oberstoff ist mit der Membran "gebondet", engl. verbunden. Es blieb offen, ob es sich um ein Verkleben oder ein Verschweißen von Membran und Oberstoff handelte. Auch durch die Auflichtmikroskopie ließ sich das nicht eindeutig entscheiden. Zwar war zusätzliches Material zwischen beiden Schichten erkennbar. Hierbei konnte es sich jedoch sowohl um einen Klebstoff als auch um ein Thermoplast, also einen Kunststoff, der beispielsweise in Heißklebepistolen zur Anwendung kommt, handeln. Durch die teilweise Loslösung dieser Verbindung hatten sich die Blasen gebildet.

Die Schadensursache

Bei einer Schädigung durch den Trocknungsprozess wären auf jeden Fall alle auf diese Weise verarbeiteten Materialien betroffen gewesen, da sie einer weitestgehend gleichen Wärmeeinwirkung ausgesetzt wurden. Andere, ebenfalls auf diese Art verarbeitete Bereiche der Jacke blieben allerdings unversehrt. Auch hier ist die nahtgenaue Abgrenzung des Schadens zudem untypisch.

Offenbar handelte es sich um eine unzureichende Fixierung des am Kragen verwendeten Oberstoffes mit der darunterliegenden Membran. Durch die Untersuchung konnte als Schadensursache sowohl ein Verschulden der Textilreinigung, als auch Gebrauchseinflüsse ausgeschlossen werden.

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