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Preisdifferenzierung nach Geschlecht Studie: Frauen zahlen angeblich für Textilreinigung mehr als Männer

Es ist in den letzten Tage durch die Medien gegangen: Eine Studie zu Preisdifferenzierungen nach Geschlecht will herausgefunden haben, dass Frauen bei Dienstleistungen wie der Textilreinigung für die gleiche Leistung mehr zahlen als Männer. Der Textilreinigungsmeister und Sachverständige Meinrad Himmelsbach stellt klar: Es gibt sachliche Gründe für die Preisunterschiede - und fachliche Mängel in der Studie.

Von der Rasierklinge über Kinderspielzeug bis hin zum Kurzhaarschnitt: In einer umfassenden Studie haben Preistesterinnen und -tester bundesweit erstmals Produkte und Dienstleistungen auf geschlechtsspezifische Preisdifferenzierungen untersucht. Das Ergebnis: Während es bei Produkten kaum Preisunterschiede nach Geschlecht gibt, müssen bei Dienstleistungen wie Frisierangeboten und Textilreinigung Frauen für die gleiche Leistung mehr zahlen als Männer. Das geht aus der am 19. Dezember 2017 veröffentlichten Studie „Preisdifferenzierungen nach Geschlecht in Deutschland“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hervor.

Laut Studie verlangen ein Drittel der Reinigungen (32 Prozent) für Herrenhemden und Damenblusen pauschal unterschiedliche Preise.

„Wenn eine Person allein wegen ihres Geschlechts mehr zahlen muss, dann verstößt das im Grundsatz gegen das Diskriminierungsverbot“, so die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders. „Erfreulicherweise ist das im Produktbereich nur sehr selten der Fall. Wir empfehlen aber insbesondere dem Reinigungs- und dem Frisiergewerbe, Dienstleistungen eher nach der konkreten Art der Leistung und nicht pauschal nach dem Geschlecht anzubieten“, sagt Lüders. In entsprechenden Preislisten sollte künftig auf eine Aufteilung nach Geschlecht verzichtet werden.

Keine saubere Methode bei Studie

Der Textilreinigermeister und Sachverständige Meinrad Himmelsbach meint dazu: "Die Studie enthält, was die Textilreinigung betrifft, grob falsche Angaben. Eine saubere Methode wäre eine Untersuchung darüber, ob Frauen und Männer für das Reinigen einer Hose gleichviel bezahlen." Es gebe keinerlei Diskriminierung in der Preisgestaltung der Textilpflegebranche. "Generell bezahlen Männer für das Reinigen einer Bluse genauso viel wie Frauen. Auch Frauen bezahlen für das Reinigen eines Sakkos/Blazers genauso viel wie Männer."

Man sei hier der Objekt-Subjekt-Verwechslung aufgesessen: Das Geld wird nicht verlangt, weil eine Frau der Auftraggeber ist (Subjekt), sondern weil das Objekt (Bluse) teurer in der Fertigung ist. Himmelsbach berichtet sogar von konkreten Fällen, bei denen Männer Damenblusen tragen und diesen auch der teurerer Preis für die Damenbluse berechnet wird. Umgekehrt bezahlen Frauen, wenn sie Hemden abgeben, natürlich den Hemdenpreis. Eine Unterscheidung wird allenfalls nach Artikel (Objekt) und nicht nach Person (Subjekt) getroffen. "Das hat einen fachlichen Hintergrund. Blusen machen in den allermeisten Fällen mehr Arbeit als Hemden", erläutert Himmelsbach.

Blusen sind aufwändiger zu bearbeiten

Der Textilreinigermeister macht klar: Blusen sind von der Schnittgestaltung und vor allem von der Stoffauswahl her sehr viel unterschiedlicher als Hemden. "Deshalb lohnen sich Geräte für die Bearbeitung von Blusen nicht, wie es sie für die maschinelle Bearbeitung von Hemden gibt", so Himmelsbach. Man könnte nur einen kleinen Teil der Blusen auf diesen Spezialgeräten bearbeiten und bräuchte für andere Blusen doch noch das Handbügeln oder weitere Maschinen, die durch die geringen Stückzahlen nicht wirtschaftlich zu betreiben wären. Deshalb gibt es auch von Zuliefererseite nur wenige Geräte, die Blusen auf die gleiche Weise bearbeiten wie Hemden.

Die Produkte zur automatisierten Glättung von Blusen, die in der Studie genannt werden (siehe unten Zitat von Seite 123/124), sind laut Himmelsbach ungeeignet für den professionellen Bereich mit hohen Stückzahlen. Bügelpuppe TUBIE wendet sich vor allem auch an den privaten Kunden bzw. den Haushaltsbereich; Butler MAESTRO eignet sich laut Website vor allem für Hemden und Hosen und ebenfalls für den Haushaltsbereich.

Himmelsbachs Fazit zur Studie: "Eine seriöse Studie hätte untersucht, ob Frauen für die Reinigung von Hosen mehr oder weniger bezahlen müssen als Männer. Dann hätte das Ergebnis auch eine Aussagekraft für die Subjektbezogenheit. Wissenschaftlichen Ansprüchen wird die Untersuchung im Ganzen nicht gerecht. Ausführungen zu technischen Geräten ohne entsprechende Kenntnisse übersteigen - wie man unschwer feststellen muss - die Kompetenz der Autoren der Studie."

Es gibt ganz klar sachliche Gründe, nämlich einen Mehraufwand aufgrund Stoff, Schnitt etc., die Preisunterschiede zwischen Blusen- und Hemdenbearbeitung in der Textilpflege rechtfertigen.

Hintergrund: Studie „Preisdifferenzierungen nach Geschlecht in Deutschland“

Zitat aus der Studie von Seite 123/124:

"5.2.5 Reinigung Hemd/Bluse
Abgesehen von den Frisierdienstleistungen sind Reinigungen der Bereich mit der höchsten Quote an z. T. deutlich höheren Preisen für das Frauenprodukt „Bluse“. Frauen zahlen durchschnittlich 93 % mehr für die Reinigung einer Bluse im Vergleich zu einem Herrenhemd. Die Argumentation basiert auf dem Argument, dass Blusen stets von Hand gebügelt werden müssen, wohingegen Hemden meist automatisiert gebügelt/geglättet werden. Dieses Argument ist für die Autorinnen schwer in dem beobachteten Umfang nachzuvollziehen: In diesem Zusammenhang konnten über eine kurze Internetrecherche mehrere Produkte gefunden werden, die auch Blusen automatisiert glätten können (z. B. TUBIE oder Butler MAESTRO). In jedem Fall ist jedoch offenkundig, dass bei den erhobenen Reinigungen in der Regel in den Preislisten die Art und Weise des
Bügelns nicht ausdifferenziert ist und somit eine pauschale Zuordnung von Frauen- und Männer-Hemden/Blusen erfolgt, unabhängig von der Größe und Ausgestaltung der jeweiligen Hemden und Blusen. Durch die fehlende Ausweisung der genauen Leistung kann durch die Kund_innen, auch die Männer, nur erschwert eine Auswahl der Qualität des Bügelns oder des Bügelergebnisses erfolgen."

Die komplette Studie mit mehr als 200 Seiten kann bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes als PDF-Datei heruntergeladen werden.

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