Mitarbeiterführung -

Serie: Miteinander arbeiten (Teil 1) Team: Toll, ein anderer macht’s?

Laut Definition ist ein Team ein Zusammenschluss von mehreren Personen zur Erreichung eines bestimmten Ziels. Doch was unterschiedet ein Team von einer Gruppe? Und was gehört zu einer Teambildung im Betrieb dazu? Antworten gibt Personalexperte Wolfgang Zechmeister im ersten Teil einer Serie zum Thema Team.

Team: Toll, ein anderer macht’s?
Damit ein funktionierendes Team entsteht, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. -

Es gibt kaum eine Stellenanzeige, in der nicht „Teamplayer“ gesucht werden. Diese sollen sich perfekt in ein bestehendes Team einfügen, gleichzeitig jedoch auch ihre eigene Meinung vertreten können. Teamarbeit scheint in der heutigen Arbeitswelt allgegenwärtig und unverzichtbar zu sein – u.a. weil sich die Unternehmensführung eine Steigerung der Produktivität sowie eine höhere Bindung der Mitarbeiter erhofft.

Führungskräfte müssen ebenfalls teamfähig sein, zeitgleich durchsetzungsfähig und sie sollten sich an den Unternehmenszielen orientieren. Ist das wirklich zu leisten? In vielen Fällen arbeiten Mitarbeiter alleine vor sich hin oder kommen mit Kollegen nur sporadisch in Meetings zusammen und verfolgen dann wieder ihre an den Unternehmenszielen ausgerichteten Individualziele. Sind das deshalb „Eigenbrötler“ oder gar „Auslaufmodelle“? Ist alles, was als „Teamarbeit“ deklariert wird, tatsächlich eine solche?

Tut etwas Außergewöhn­liches miteinander!

Apropos „Team“: Wenn man in Schulungen fragt, wofür die Abkürzung „Team“ steht, kommt mit hundertprozentiger Sicherheit die Antwort: „Toll, ein anderer macht’s!“ Konfrontiert man die Teilnehmer dann mit der Definition „Tut etwas Außergewöhnliches miteinander!“, sieht man in viele überraschte Gesichter. „Ah ja, das klingt auch gut …!“

Eine Führungskraft muss für ihren Verantwortungsbereich entscheiden, ob Teamarbeit überhaupt Sinn macht. Teamarbeit bedeutet nämlich, dass man gemeinsam Projekte bearbeitet und eng zusammenarbeitet. Wirkliche Zusammenarbeit geht über den eigenen Schreibtisch/die eigene Werkbank und die Aufteilung der Verantwortung hinaus. „Richtige“ Teams haben gemeinsam wichtige Prinzipien erarbeitet, die sich auch in der täglichen Zusammenarbeit zeigen.

Teamzusammenstellung: Bei der Zusammenstellung eines Teams hat die Führungskraft darauf zu achten, dass alle zur Zielerreichung notwendigen fachlichen und sozialen Kompetenzen vorhanden sind und dass sich diese optimal ergänzen.

„Wir-Gefühl“: Ein wichtiges Merkmal „richtiger“ Teamarbeit ist der Zusammenhalt und das „Wir-Gefühl“ der einzelnen Kollegen, die sich als wichtigen Teil des Teams sehen und sich gegenseitig auch entsprechend behandeln.

Kommunikationskultur: Zeitnahe, umfassende und verständliche Kommunikation ist der unabdingbare „Kitt“ eines Teams. Denn wie soll Teamarbeit funktionieren, wenn der eine nicht weiß, was der andere macht? Wenn dies nicht reibungslos funktioniert, werden wichtige Dinge nicht bearbeitet oder Arbeitsergebnisse leiden.

Verfolgung betrieblicher Ziele hat „Prio 1“: Ein wesentliches Merkmal eines Teams ist das in den Vordergrundstellen und die Verfolgung gemeinsamer betrieblicher Ziele. Natürlich hat jedes Teammitglied auch eigene Ziele (höhere Position, Statussymbole, mehr Einkommen etc.) – diese werden jedoch zur Erreichung des Teamergebnisses hintenangestellt.

Gegenseitige Unterstützung: In einem funktionierenden Team erkennt jeder, wenn ein Kollege gerade ein großes Problem hat, und unterstützt diesen uneigennützig – selbst wenn man auch gerade unter Zeitdruck steht.

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Arbeiten in einer Gruppe oder in einem Team: Ob Mitarbeiter, die in einer Gruppe arbeiten, wirklich ein Team sind und sich so fühlen, hängt von den vorgenannten Kriterien ab. Eine Führungskraft kann diese Kriterien beeinflussen – positiv wie negativ. Grundvoraussetzung dafür ist, dass die Führungskraft diese Kriterien selbst (vor)lebt und sie bei den Teammitgliedern fördert.

Mehr als organisatorische Fragen

Die Teambildung enthält mehr, als nur die organisatorischen Fragen zu klären: Wer mit welchen beruflichen und sozialen Qualifikationen arbeitet mit wem, wann und in welcher Konstellation zusammen, um ein optimales fachliches Ergebnis zu erreichen?

Es geht darum, dass sich die Menschen in einem Team als zusammengehörig fühlen, dass sie alle ohne Vorbehalte ihre Stärken einbringen und ein optimales Ergebnis erreichen wollen. Die Aufgabe der Führungskraft ist es, den Mitarbeitern ein „lohnendes Ziel“ aufzuzeigen, ähnlich der Aussage des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen; sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Klare Erwartungen formulieren: Eine wichtige Aufgabe einer Führungskraft ist es, allen Teammitgliedern zu verdeutlichen, warum das Team besteht, was an Ressourcen zur Verfügung steht und was das Teamergebnis sein soll.

Das „Große und Ganze“ darstellen: Eine weitere wichtige Voraussetzung zur Zielerreichung ist, dass jedes Teammitglied weiß, was seine Rolle im Team ist, was von ihm erwartet wird, und versteht, dass das erwartete Ergebnis nur als Teamleistung erbracht werden kann.

Ein klares „Ja, ich will!“: Damit die Führungskraft sicher sein kann, dass jeder verstanden hat, worum es geht, wie ein Team funktioniert und damit einverstanden ist, sollte sie von jedem Teammitglied ein klares und eindeutiges „Ja, ich will!“ einholen.

Eine Führungskraft sollte nicht der Illusion erliegen, dass in einem Team alle „Freunde“ sein müssen. Im Gegenteil: Eine zu große Kumpanei kann den Output schmälern, denn dadurch gerät das Arbeitsziel vielleicht aus dem ­Fokus.

Teil 2 des Artikels und weitere Tipps zur Führungspraxis

In der Juli-Ausgabe von R+WTextilservice lesen Sie den zweiten Teil der Serie rund um Arbeiten im Team. Hier geht es darum, was ein Teamleiter mitbringen muss und ob sich die Einführung von Teamarbeit für einen Betrieb wirklich lohnt.

Viele weitere praktische Tipps zur Mitarbeiterführung für Wäschereien, Reinigungen und Textilservicebetriebe gibt es hier. In der Onlinerubrik "Mitarbeiterführung" finden Sie beispielsweise 14 Tipps zur Mitarbeitermotivation, einen Buchtipp zur Beschäftigung von Flüchtlingen oder einen Überblick zum Wissensmanagement im Textilpflegebetrieb.

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