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FWL-Bundestagung in Hildesheim Technik, Sicherheit und Zukunft

Der Fachverband für Wäscherei-, Textil- und Versorgungsmanagement (FWL) gab auf seinerBundestagung 2008 Anregungen zu den Themen Energiemanagement und Arbeitssicherheit in Wäschereien. Zudem standen die wirtschaftliche Situation der Branche und neueste Entwicklungen im Bereich Mindestlohn auf der Agenda.

Mit ihrem UNESCO-Weltkulturerbe Dom und Michaeliskirche verlieh die Stadt Hildesheim der Bundestagung 2008 des FWL eine besondere Atmosphäre. Durch ihre Hanglage bot die Tagungsstätte im Parkhotel Berghölzchen zudem einen beeindruckenden Blick auf das Stadtpanorama. Gute Voraussetzungen also für eine gelungene Veranstaltung, die im Zeichen des personellen Umbruchs stattfand.

Nach Jahren der Kontinuität sei es Zeit gewesen, „eine jüngere Generation ans Steuer zu lassen“, resümierte der scheidende 1. Vorsitzende, Karl-Heinz Lehmann. „In der heutigen Zeit ist es schwer, junge Menschen für ehrenamtliche Tätigkeiten zu begeistern. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass wir eine engagierte Zukunftstruppe finden konnten“, fügte Lehmann hinzu. Als seinen Nachfolger im FWL-Bundesvorstand wählte die Mitgliederversammlung den amtierenden Stellvertreter Hans-Ulrich Steinkopf. Daneben wurden weitere Ämter der Führungsriege neu besetzt. Den Posten des 2. Vorsitzenden tritt Irmgard Evers an, die Aufgaben des Schulungsreferenten übernimmt Martin von Mulert und für die Pressearbeit ist zukünftig Gert Wohlgemuth zuständig.

Auf dem Vortragsprogramm standen neben Informationen zur aktuellen Wirtschaftslage auch Anregungen für eine verbesserte betriebliche Energienutzung und aufschlussreiche Details zu unvermuteten Gefahrenquellen bei der täglichen Wäschereiarbeit.

Diplom-Chemiker Dr. Roland Goertz lenkte die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf einen oft unterschätzten Aspekt der in Wäschereien wirksamen Energien. Mit seiner Sachkompetenz als Leiter der Branddirektion Karlsruhe hatte er im Vorfeld der Bundestagung mehrere Wäschereien im Hinblick auf Brandgefahren und den Umgang mit Chemikalien unter die Lupe genommen. Wie schnell sich aus alltäglichen und scheinbar harmlosen Arbeitssituationen Brände entwickeln können, demonstrierte Goertz mit anschaulichen chemischen Experimenten. So mancher Teilnehmer dürfte sich in seine Schulzeit zurückversetzt gefühlt haben. Es knallte, flammte, rauchte und zischte, aber am Ende stand immer ein erhellendes Ahaerlebnis. Beispielsweise wies der Experte darauf hin, dass Fett- und Ölrückstände in Textilien ein nicht zu unterschätzendes Entzündungspotenzial aufweisen. Würde beispielsweise nach dem Trockenvorgang noch heiße Wäsche sofort gestapelt, könne der hohe Druck in Verbindung mit der Hitze eine spontane Selbstentzündung verursachen. Auch bei Staub aus Flusen oder Faserabrieb, der sich in Wäschereien oft auf freien Trägern absetzt, bestehe die Gefahr einer Explosion mit akutem Brandrisiko. Generell seien in Wäschereibetrieben zahlreiche Zündquellen zu finden. Dabei handle es sich neben heißen Oberflächen auch um elektrische Spannungen, die Dämpfe entzündbarer Flüssigkeiten oder Lecks in den versorgenden Erdgasleitungen. Ein daraus entstehender Brand breite sich rasend schnell aus und zwinge dementsprechend zu schnellem und entschlossenem Handeln: „Eine schnelle Entscheidung ist wichtiger als eine zu 100 Prozent richtige.“ Grundsätzlich gelte die Regel: Je größer die Betriebshalle, desto mehr Zeit bleibt zum Reagieren. Ein Feuer könne allerdings schon nach zehn bis 15 Minuten außer Kontrolle geraten. „Deshalb“, rät Goertz, „rufen Sie schon bei einem Verdacht wie Brandgeruch die Feuerwehr. Das ist im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung auch kostenlos. Nur für einen Fehlalarm durch Brand- oder Rauchmelder müssen Sie die Kosten selbst tragen. Stellen Sie zudem ihr Material in größeren Abständen auf. Das verzögert die Brandausbreitung.“

In Bezug auf Arbeitsunfälle mit Druckbehältern oder Chemikalien warnte der Experte: „Solche Unglücksfälle ereignen sich nach meiner praktischen Erfahrung meist in entspannten Arbeitssituationen. Dann werden Kleinigkeiten schnell vernachlässigt. Die beste Prävention besteht aus einem aktiven Brand- und Arbeitsschutz. Beziehen Sie die Feuerwehr und Ihre eigenen Mitarbeiter in die Entwicklung der Schutzmaßnahmen ein, dann ist die allgemeine Akzeptanz viel größer. Das Ganze muss leben!“ Eine gemischte Bilanz zog Klaus Jahn vom Industrieverband Textil Service (intex) bei seiner Einschätzung der aktuellen Konjunkturlage für die Branche. Die generelle wirtschaftliche Entwicklung des aktuellen Jahres sei mit Ausnahme der Flachwäsche positiv verlaufen. Allerdings hätten sich die Energie- und Rohstoffkosten gravierend erhöht und die Wettbewerbssituation für viele Betriebe verschärft. Das werde auch durch einen allgemeinen Trend zur Verdrängung und Konzentration untermauert. „Leider zeigt die aktuelle Branchenprognose entsprechend der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nach unten“, fasste Jahn zusammen. Allerdings werde gezielt versucht, die Marktsituation für die Textilservicebranche zu verbessern. Ein Beispiel dafür sei die Initiative intex med, mit der die Vorteile von Mehrwegtextilien im medizinischen Bereich besser zum Kunden transportiert werden sollen. Für eine intensivere Werbung sollten intex, FWL und die Mitgliedsbetriebe ihre Zusammenarbeit ausbauen, „um das Geschäft zu erhalten und zu stärken“, appellierte Jahn an die Zuhörerschaft.

Zum Thema Mindestlohn entwickelte sich eine kontroverse Debatte. Viele der anwesenden Wäschereileiter bezeichneten den von intex über die Aufnahme in das Entsendegesetz beantragten Mindestlohn als deutlich zu hoch. Gerade Mittelständler und Kleinbetriebe könnten solche Personalkosten nur schwer verkraften. Klaus Jahn erinnerte an die Alternative: „Wir brauchen einen Mindestlohn. Über die Höhe können wir natürlich diskutieren. Aber wenn die IG Metall, zu der unsere Branche gehört, in den bevorstehenden Tarifverhandlungen ihre Forderungen durchsetzt, werden die Konsequenzen viel drastischer ausfallen.“ Angesichts stark steigender Energiekosten und schwindender Ressourcen an Energieträgern müssen gerade so energieintensive Branchen wie die Wäschereiindustrie ihre Einsparpotenziale noch stärker nutzen. Bereits heute machen Wasser- und Energiekosten einen beträchtlichen Teil der Gesamtaufwendungen aus und bilden zugleich einen überdurchschnittlich stark steigenden Kostenfaktor. Als eine Möglichkeit zur effizienteren Energienutzung in Waschstraßen präsentierte Thorsten Walther von Ecolab das firmeneigene Performance-System. Die Lösung besteht aus drei einzelnen Modulen, die aufeinander aufbauen. Zunächst nutze der Waschprozess Performance Basis das Bleich- und Desinfektionsprodukt Ozonit für eine Aufbereitung von Hotel- und Krankenhauswäsche im Niedrigtemperaturverfahren bei 50 bzw. 60 °C.

Die zweite Stufe Performance Plus kombiniere das Basisverfahren mit verschiedenen optionalen technischen Lösungen – etwa einem Wärmetauscher, einem Dampfenergiewandler oder einer Wasserfilteranlage – zur Nutzung von Abwärme und der Wasseraufbereitung. Dadurch ließen sich Energieeinsparungen von bis zu 50 Prozent auf der Waschstraße und fast 20 Prozent beim Trocknen und Finishen erzielen. Als letzter Baustein ermögliche das auf der Texcare 2008 erstmalig vorgestellte Verfahren Performance Ultimate den Betrieb einer dampffreien Wäscherei. Zu den Details führte Walther aus:„Das Herzstück von Performance Ultimate bildet der neu entwickelte gasbetriebene Aquaheater, der Frischwasser oder Prozesswasser ohne Dampf erwärmt und direkt in die Waschstraße zurückleitet.“ Die Aquaheater-Technologie sei insbesondere für Wäschereien interessant, die eine Kapazitätserweiterung oder einen Neubau planen. Dann könne auf das Kesselhaus verzichtet werden. „Grundsätzlich ist die Technik aber für jede Art von Waschstraße verfügbar. Wir bieten individuell gestaltbare Lösungen an“, so Walther weiter. Laut Hersteller erreiche das dampflose Verfahren einen Wirkungsgrad von 99,7 Prozent. Dadurch sei in den Bereichen Wasser- und Energierecycling je nach örtlichen Betriebsverhältnissen eine zusätzliche Kostenersparnis von bis zu 30 Prozent möglich.

Matthias Heiler

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