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Rückverfolgbare und nachhaltige Bekleidung Textilsiegel im Test: Global Organic Textile Standard ist Sieger

Die Stiftung Warentest hat die Rückverfolgbarkeit von Bekleidung mit Textilsiegeln geprüft. Der Gewinner: Der "Global Organic Textile Standard" (GOTS). Die Tester bescheinigten dem Siegel Transparenz entlang der gesamten Produktionskette.

Insgesamt fünf Siegel prüfte die Stiftung Warentest auf "Rückverfolgbarkeit von Bekleidung mit Textilsiegeln". Der "Global Organic Textile Standard (GOTS), hinter dem eine gemeinnützige Organisation steckt, belegte dabei den ersten Rang. Das Siegel habe Stiftung Warentest überzeugt, hieß es in einer Pressemitteilung von GOTS: Als einziges der geprüften Siegel weise der GOTS vollständige Transparenz und Rückverfolgbarkeit unter Einhaltungen der strengen ökologischen und sozialen Kriterien entlang sämtlicher Produktionsstufen auf – vom Feld bis zum fertigen Textil.

Das sind die fünf häufigsten Nachhaltigkeitssiegel

Im Test waren die fünf häufigsten Nachhaltigkeitssiegel im Bekleidungshandel:

Nachhaltige Bekleidung: Auf die Transparenz kommt es an

Stiftung Warentest wählte für die Untersuchung jeweils drei mit den unterschiedlichen Siegeln versehene Bekleidungsstücke aus. Alle Betriebs- und Transaktionszertifikate wurden daraufhin geprüft: Die drei T-Shirts mit dem GOTS-Siegel konnten bis zur Baumwollfarm zurückverfolgt werden. Das liege daran, dass Produkte mit GOTS-Label nur dann verkauft werden dürften, wenn die gesamte Lieferkette zertifiziert sei und die notwendigen Betriebs- und Transaktionszertifikate vorlägen, so die Organisation. Um diese umfassende Sicherheit für GOTS zertifizierte Textilien zu gewährleisten, erfolge darüber hinaus jährlich eine unabhängige Vor-Ort Zertifizierung auf Basis des GOTS-Standards durch speziell akkreditierte Prüfinstitute.

Die Betriebszertifikate von GOTS bestätigen Betrieben Textilien nach GOTS-Kriterien herzustellen. Transaktionszertifikate sollen nach Angaben der Organisation wie Warenbegleitscheine wirken und belegen, dass die entsprechende Ware zertifiziert ist. Zudem stellten unabhängige Prüfer fest, dass vom Anbau der Baumwolle über Spinnerei, Strickerei, Veredlung bis hin zum fertigen Textil die volle Rückverfolgbarkeit der GOTS-zertifizierten Textilien gewährleistet sei und alle ökologischen und sozialen Verpflichtungen eingehalten würden.

Was ist GOTS?

GOTS ist ein weltweiter Standard für die gesamte Verarbeitung (vom Nachernteverfahren über Spinnen, Stricken, Weben, Färben, Ausrüsten und Konfektion) von Bekleidung und Heimtextilien aus Biofasern (wie Bio-Baumwolle und Bio-Wolle).

GOTS wurde von führenden internationalen Standardorganisationen entwickelt - Organic Trade Association (U.S.), Japan Organic Cotton Association, Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft (Deutschland), und Soil Association (UK) - mit dem Ziel, weltweit anerkannte Anforderungen zu definieren, die den biologischen Status von Textilien und dadurch eine glaubwürdige Produktsicherheit für den Konsumenten gewährleisten. GOTS ist eine gemeinnützige Organisation, die selbst finanziert ist.

Das Siegel # wear the Change ermöglichte Stiftung Warentest zwar auch eine vollständige Rückverfolgung der T-Shirts. Allerdings verbergen sich dahinter Siegel anderer Organisationen wie beispielsweise der "Organic Content Standard (OCS)", der "Global Recycled Standard" (GRS), der "Recycled Claim Standard" (IRCS) und auch der Global Organic Textile Standard (GOTS). Einige der anderen überprüften Siegel arbeiteten mit einer sogenannten Massenbilanzierung, die keine genaue Rückverfolgung der Bekleidung zulässt, während eine Organisation gar keine Belege über die Herkunft der getesteten T-Shirts lieferte.

Ökologisch und soziale Standards für Bekleidung

Stiftung Warentest sah sich auch die Standards an, die die jeweiligen Nachhaltigkeitssiegel an ihre zertifizierten Produkte anlegten. Hier lag GOTS ebenfalls ganz vorne: Neben dem Umweltschutz müssen GOTS-zertifizierte Verarbeitungsbetriebe Mindeststandards für Arbeitsbedingungen einhalten. Zentrale Bestimmungen beinhalten nach Angaben der Organisation das Verbot von gentechnisch veränderten Organismen (GVO), von hochgefährlichen Chemikalien (wie krebserregende Azofarbstoffe und Formaldehyd) sowie Kinderarbeit, und die Anforderung nach strikten Abwasserbehandlungspraktiken sowie sozialverantwortlichem Management. So müssen Arbeiter beispielsweise sichere Arbeitsbedingungen vorfinden oder sich in Gewerkschaften organisieren können.

Um den Dschungel aus unterschiedlichen Standards etwas zu ordnen, will Bundes­entwick­lungs­minister Gerd Müller im September ein neues zentrales Siegel einführen, den Grünen Knopf. Gut 20 Firmen wollen mitmachen, so die Stiftung Warentest. Das sei ein kleiner Anfang auf dem gigantischen Markt der Textil­industrie mit ihren geschätzt 200 Millionen Beschäftigten welt­weit. Das neue Über-Siegel der Bundesrepublik soll sozial und ökologisch nach­haltige Textilien leichter erkenn­bar machen.

Die Stiftung Warentest empfiehlt außerdem das Portal der Initiative Siegelklarheit, auf dem die unterschiedlichen Siegel auf dem deutschen Markt bewertet sind und damit vergleichbar werden.




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