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Die Waschweiber von Bonn-Beuel Was Wäscherei mit Weiberfastnacht zu tun hat

Weiberfastnacht ist bekanntlich der Donnerstag vor Rosenmontag. An dem Tag wird das närrische Regiment von den Frauen übernommen. Aber woher kommt dieser Brauch und was hat er mit der Wäschereibranche zu tun? R+WTextilservice hat es herausgefunden.

Die Weiberfastnacht wurde im Jahre 1824 in der ehemaligen Gemeinde Beuel ins Leben gerufen. Dieser heutige rechtsrheinische Stadtteil von Bonn war im 19. Jahrhundert als Wäschereiviertel bekannt. Als Vorgeschichte zur Weiberfastnacht ist Folgendes überliefert: Im 18. Jahrhundert gab es im Rhein zwei Wassermühlen, die zum Walken von Tüchern dienten, wodurch eine höhere Dichte der Gewebe erzielt wurde. Diese Tücher wurden dann auf den Beueler Rheinwiesen zum Bleichen und Trocknen ausgelegt.

Der Kern der Stadt Bonn auf der linksrheinischen Seite war schon zur damaligen Zeit bis an das Rheinufer dicht bebaut. Die gegenüberliegende Beueler Seite war weniger besiedelt, stark landwirtschaftlich geprägt und weniger bebaut. Es gab einen langen flachen Zugang zum Rhein, der als Bleichwiese verwendet werden konnte.

Mit der Erfindung der Chlorbleiche starb jedoch die Rasenbleiche aus und diese Berufsgruppe musste sich um einen anderen Erwerb kümmern. Nahe lag da die Lohnwäscherei. Der flache Zugang zum Rhein bot gute Voraussetzungen zum Waschen im Rhein und die sogenannten Bleichwiesen stellten sich als geeignet für die Trocknung der Wäsche heraus.

Feiernde Männer, schuftende Frauen

Was Wäscherei mit Weiberfastnacht zu tun hat

Die Kundschaft – wohlhabende Leute – kamen aus Bonn und Köln. Sogar von Geschäftsbeziehungen bis nach Berlin wurde berichtet. Die Aufgaben waren klar verteilt: Die Frauen bearbeiteten die Wäsche und die Männer transportierten diese mit den sogenannten Wäscheschiffen hin und her. Sie holten also die schmutzige Wäsche aus den Städten ab und lieferten die saubere wieder aus.

Die Männer waren ständig unterwegs, während die Frauen daheim schufteten. So natürlich auch an den Karnevalstagen. Dies ließen die Männer nicht ungenutzt, feierten mit und brachten das hart verdiente Geld unter die Leute. Dies ärgerte die Frauen sehr. Aus diesem Grund revoltierten sie am Donnerstag vor Karneval des Jahres 1824, als die Männer mit der Lieferung per Schiff in Richtung Köln aufbrachen. Anstatt zu arbeiten, kamen sie zum närrischen Kaffeeklatsch zusammen. Die Beueler Waschweiber „schlugen ihre erste Schlacht gegen Griesgram und Muckertum“ und holten zum „karnevalistisch-emanzipatorischen Befreiungsschlag“ aus. Das erste Damenkomitee wurde damit geboren.

Was Wäscherei mit Weiberfastnacht zu tun hat

Dieser Brauch der Wäscherinnen hat sich über die verschiedensten politischen Epochen bis heute gehalten bzw. weiterentwickelt. Einen besonderen Aufschwung erlebte die Beueler Weiberfastnacht nach dem Zweiten Weltkrieg.

Seit 1957 stürmen die jecken Weiber – die sogenannte Möhne – das Rathaus, denn auch dort sollte die Männerherrschaft durch karnevalistischen Frohsinn der Frauen abgelöst werden.

Anführerin ist nach wie vor die Obermöhn. Die Bezeichnung Möhne stammt der Überlieferung nach aus dem ripuarischen Sprachgebrauch. In dieser einen der drei großen Rheinisch genannten Sprachgruppen steht es für eine ältere weibliche Person.

Unterstützung von der Wäscherprinzessin

Die Beueler Symbolfigur „Ihre Lieblichkeit, die Wäscherprinzessin“ ist einzigartig, während sich die Weiberfastnacht im gesamten Rheinland und auch darüber hinaus verbreitet hat. Regional bedingt wird dieser Tag auch anders genannt:

Was Wäscherei mit Weiberfastnacht zu tun hat
  • Weiberfasching oder Wievefasteloovend in Köln,
  • Fettdonnerstag in Aachen,
  • Schwerdonnerstag in Koblenz,
  • Weiberfaasnet im Schwäbischen.

An dem Tag ist kein Rathaus oder Chefbüro vor der übermächtigen Frauenpower sicher. Alaaf und Helau!

Kulturtipp: Im Beueler Heimatmuseum wird u.a. die Entwicklung der Wäscherei von der beschwerlichen Handwäscherei bis hin zur gewerblichen Großwäscherei dargestellt. Es sind viele historische Ausstellungsstücke zu sehen wie Plätt- und Bügeleisen und das sogenannte „Strichöffche“ – ein kleiner Kohleofen, an dem mehrere Bügeleisen erhitzt wurden, damit die Wäscherinnen Eisen zum Wechseln hatten. Ein Gardinenspannrahmen einer Beueler Wäscherei sowie die Wäschetrocknungsanlage des ehemaligen Internats des Mädchengymnasiums Pützchen befinden sich ebenfalls im Ausstellungsbereich.
Adresse:
Heimatmuseum Beuel
Wagnergasse 2-4
53225 Bonn
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