Das Label "MADE IN GREEN" wollte bei seiner Einführung im Jahr 2015 einen Maßstab für die Transparenz und Rückverfolgbarkeit von Textil- und Lederlieferketten für Produkte setzen. Nun blickt es 10 Jahre zurück. Grund genug, nachzufragen, ob das Label seine gesteckten Ziele erreicht hat. Ja, sagt Inga Bleyer entschieden. Im Gespräch mit der Leiterin der Kommunikationsabteilung bei OEKO-TEX blicken wir auf die Geschichte des Labels zurück.
Frau Bleyer, mit welchen Zielen führte OEKO-TEX das Label "MADE IN GREEN" vor 10 Jahren ein?
Inga Bleyer: "OEKO-TEX MADE IN GREEN" wurde entwickelt, um mehr Transparenz in der Textil- und Lederindustrie zu schaffen und Verbraucherinnen und Verbrauchern dadurch die Möglichkeit zu geben, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen.
Neben dem gesundheitlichen Schutz durch die Prüfung auf Schadstoffe stand von Anfang an auch die soziale und ökologische Verantwortung in den Lieferketten im Fokus. Die Einführung im Jahr 2015 fiel in eine
Zeit, in der nach tragischen Ereignissen wie dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza die gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Produktionsprozesse stark zunahm.
Mit "MADE IN GREEN" bündelt OEKO-TEX seither seine langjährigen Ansätze in einem klar nachvollziehbaren und leicht kommunizierbaren Label, das sowohl die Sicherheit der Produkte als auch deren transparente Rückverfolgbarkeit auszeichnet.
Haben sich die damaligen Erwartungen erfüllt?
Ja. Das kontinuierlich wachsende Interesse der Industrie, dem Handel und den Endverbraucherinnen und -verbrauchern zeigt, dass "MADE IN GREEN" ein wichtiges Signal im Markt gesetzt hat.
Seit der Einführung wurden über 43.000 Labels an fast 10.000 Hersteller in 88 Ländern vergeben.
Besonders stark vertreten sind heute Produktionsländer in Asien, darunter Bangladesch, Pakistan, Indien und China, während Deutschland, die USA und das Vereinigte Königreich wichtige Absatzmärkte darstellen.
Zu den häufigsten Produktkategorien gehören Heimtextilien wie Bettwaren und Handtücher sowie Bekleidung wie T-Shirts, Sweatshirts, Arbeitskleidung oder Hosen.

Wie hat sich das Label seit seiner Einführung weiterentwickelt?
In den vergangenen zehn Jahren hat sich "OEKO-TEX MADE IN GREEN" fest am Markt etabliert. Dies zeigt sich auch in der Anerkennung durch unabhängige Institutionen und Plattformen. Das Label ist heute u. a. in der ITC Standard Map, im Portal Siegelklarheit sowie im Amazon Climate Pledge Friendly Programm gelistet.
Auch Behörden und Organisationen bestätigen die Relevanz: So erkennt die US-Umweltbehörde EPA das Label für die Einhaltung strenger Textilstandards an, und in Frankreich können Unternehmen für entsprechend gelabelte Produkte den Refashion Bonus für Eco Modulation in Anspruch nehmen. Dass selbst kritische Akteure wie Greenpeace das Label in ihre Bewertungen aufgenommen und positiv eingestuft haben, unterstreicht die Glaubwürdigkeit und den hohen Standard von "MADE IN GREEN".
Wie trägt das Label zur Förderung einer nachhaltigeren Textilbranche bei?
Das zentrale Element von "MADE IN GREEN" ist die Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Lieferkette. Jedes Produkt erhält eine eindeutige ID und einen QR-Code, über die sich Verbraucherinnen und Verbraucher detailliert über die Produktionsstätten, die Fertigungsstufen und die Herkunftsländer informieren können.
Allein im Jahr 2024 wurden über 300.000 solcher Labels gescannt – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Möglichkeit zur Transparenz aktiv genutzt wird. Diese Nachvollziehbarkeit schützt nicht nur vor Irreführung, sondern stärkt auch das Vertrauen in verantwortungsvoll hergestellte Produkte. Auf diese Weise trägt "MADE IN GREEN" aktiv dazu bei, nachhaltigere Strukturen in der Textilbranche zu fördern und langfristig zu festigen.

Welche Rolle spielt das Label für Wäschereien und Textilpflegebetriebe?
Welche Vorteile bietet "MADE IN GREEN" für Wäschereien, Textilpflegebetriebe und deren Kunden?
"OEKO-TEX MADE IN GREEN"" gelabelte Produkte sind nachweislich auf Schadstoffe geprüft und erfüllen höchste Anforderungen an Produktsicherheit und Nachhaltigkeit. Für Textilpflegebetriebe bedeutet dies, dass sie mit Materialien arbeiten, die gesundheitlich unbedenklich sind und deren transparente Rückverfolgbarkeit einen zusätzlichen Qualitätsnachweis bietet. Endkundinnen und -kunden profitieren von einem gesteigerten Vertrauen in die Textilien, da sie sich jederzeit über Herkunft und Herstellungsbedingungen informieren können.
Gibt es spezielle Anforderungen oder Empfehlungen für die Pflege von "MADE IN GREEN" zertifizierten Textilien?
Für die Pflege von "MADE IN GREEN" zertifizierten Textilien gelten dieselben Empfehlungen, die generell zu einem ressourcenschonenden Umgang mit Textilien beitragen: möglichst seltenes Waschen und verstärktes Auslüften, die Wahl niedriger Waschtemperaturen sowie das Trocknen an der Luft anstelle des Einsatzes eines Wäschetrockners. Diese Maßnahmen verlängern nicht nur die Lebensdauer der Textilien, sondern reduzieren gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck im Pflegeprozess.
Wie kann die Textilpflegebranche aktiv zur Weiterentwicklung des Labels beitragen?
Die Textilpflegebranche spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Transparenz und Glaubwürdigkeit des Labels weiter zu stärken.
- Durch die enge Zusammenarbeit mit Herstellerinnen und Herstellern sowie Kundinnen und Kunden können Textilpflegebetriebe wertvolle Rückmeldungen zu den Anforderungen im täglichen Gebrauch liefern und damit Impulse für die Weiterentwicklung der Kriterien geben.
- Zudem können sie durch die konsequente Kommunikation der Vorteile gegenüber Endkundinnen und -kunden das Bewusstsein für nachhaltige Textilien schärfen.
- Darüber hinaus leisten sie durch die Umsetzung ressourcenschonender Pflegeroutinen einen praktischen Beitrag zur Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette – und damit auch zur Weiterentwicklung des Labels im Markt.

Welche Herausforderungen erwarten Sie in den kommenden Jahren?
Herausforderungen, die wir eher als Chancen begreifen, liegen vor allem in zwei Bereichen: Zum einen in den technologischen Entwicklungen, die es uns ermöglichen, unsere Zertifizierungen und Labels künftig noch transparenter, sicherer und anwendungsfreundlicher zu gestalten.
Zum anderen in den sich weiterentwickelnden gesetzlichen Rahmenbedingungen, die die gesamte Branche stärker auf Nachhaltigkeit ausrichten werden. Beide Entwicklungen betrachten wir als wertvolle Impulse, um unsere Arbeit konsequent weiterzuentwickeln und die Transformation der Textil- und Lederindustrie aktiv zu unterstützen.
