Im Interview Das plant der neue OETI-Geschäftsführer

Das Institut für Ökologie, Technik und Innovation GmbH (OETI) hat einen neuen Geschäftsführer: Matthias Schwetzel, MBA. Die Position übernahm er planmäßig von Ing. Robert Löcker, MBA im Dezember 2025. Im Interview spricht er über Chancen und Herausforderungen sowie über seine Pläne für die Zukunft von OETI.

Vor welchen Herausforderungen OETI und seine Kunden stehen, berichtet Geschäftsführer Matthias Schwetzel.
Vor welchen Herausforderungen OETI und seine Kunden stehen, berichtet Geschäftsführer Matthias Schwetzel. - © OETI

Matthias Schwetzel, MBA bringt mehr als 15 Jahre internationale Führungserfahrung im Umwelt- und Prüfdienstleistungssektor mit, u. a. bei Eurofins. Zudem verfügt er über umfassende Expertise in strategischer Steuerung und Change-Management in globalen Märkten.

Herr Schwetzel, Sie kommen aus dem internationalen Umweltprüfwesen. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, vor denen die Textil- und Lederindustrie heute steht, und welchen Beitrag kann OETI leisten?

Matthias Schwetzel: Aus meiner Sicht steht die Branche an einem echten Wendepunkt. Einerseits muss sie ihren ökologischen Fußabdruck deutlich reduzieren, also Energie- und Wasserverbrauch, Chemikalieneinsatz und Emissionen. Andererseits verlangen Marken, Handel und Konsument*innen heute ein hohes Maß an Transparenz: Woher kommt ein Produkt, unter welchen Bedingungen wurde es hergestellt, wie lange hält es und was passiert am Ende seines Lebenszyklus?

Diese Kombination aus Umwelt- und Transparenzanforderungen stellt für viele Unternehmen, insbesondere in globalen Lieferketten, eine große Herausforderung dar.

Besonders kritisch sind drei Themen: verantwortungsvolles Chemikalienmanagement und Produktsicherheit, der Übergang zu zirkulären Geschäftsmodellen sowie die belastbare Nachweisführung gegenüber Behörden und Kunden. Ohne unabhängige Daten und nachvollziehbare Zertifikate wird Nachhaltigkeit schnell zu einer reinen Behauptung.

Genau hier sehe ich die Rolle von OETI. Als Prüfinstitut und Zertifizierungsstelle mit jahrzehntelanger Erfahrung entlang der textilen und lederverarbeitenden Lieferkette können wir Unternehmen dabei helfen, Risiken zu erkennen, Anforderungen korrekt zu interpretieren und Leistungen glaubwürdig zu belegen. Seit 1967 ist OETI ein international anerkanntes, akkreditiertes Institut für Prüfungen und Zertifizierungen.

Mein Ziel ist es, diese Kompetenz noch stärker für zukunftsfähige Lösungen zu nutzen, d.h. nicht nur zu testen und zu zertifizieren, sondern unsere Kunden als langfristiger Partner auf ihrem Transformationsweg zu begleiten.

Stichwort Regulierung: Wie wird OETI seine Kundinnen und Kunden Vor welchen Herausforderungen OETI und seine Kunden stehen, berichtet Geschäftsführer Matthias Schwetzel. Foto: OETIbei immer komplexeren Auflagen wie der EU-Ecodesign-Verordnung oder dem Lieferkettengesetz unterstützen?

Neue Regulierungen wie die EU-Ecodesign-Verordnung oder Lieferkettengesetze verändern die Spielregeln unserer Branche grundlegend. Für viele Unternehmen ist es schwierig, die Vielzahl an Dokumenten, Detailvorschriften und Fristen so zu übersetzen, dass am Ende klar wird: Was muss ich konkret tun: heute, nächstes Jahr und in fünf Jahren?

Wir werden unsere Kundinnen und Kunden vor allem dabei unterstützen, aus komplexen Vorgaben klare, umsetzbare Schritte zu machen. Das heißt: Wir übersetzen Regulierung in konkrete Prüfpläne, Zertifizierungsprogramme und Monitoring-Konzepte entlang der Lieferkette. Wo immer möglich, bündeln wir Anforderungen, damit nicht für jede Verordnung ein eigenes "Paralleluniversum" entsteht. Zugleich bauen wir unsere Services rund um Daten und Dokumentation aus – etwa, indem wir Prüfergebnisse so aufbereiten, dass sie direkt in Berichte, Produktpässe oder Lieferketten-Nachweise einfließen können.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die frühzeitige Information. Wir wollen unsere Kunden rechtzeitig über regulatorische Entwicklungen informieren, Schulungen anbieten und gemeinsam Szenarien durchspielen. So wird Regulierung nicht nur als Belastung erlebt, sondern als Chance, Prozesse und Produkte zukunftssicher aufzustellen.

Welche Rolle wird technologische Innovation künftig bei OETI spielen?

Technologische Innovation ist für OETI kein Selbstzweck, sondern ein Hebel, um schneller, präziser und kundenorientierter arbeiten zu können. Im Labor geht es dabei um moderne Analytik, Automatisierung und digitale Workflows, also zum Beispiel darum, Proben effizienter zu verarbeiten, Fehlerquellen zu minimieren und Ergebnisse schneller zur Verfügung zu stellen.

Inhaltlich werden wir verstärkt in neue Prüfmethoden investieren, etwa für den Nachweis von Schadstoffen und für eine noch umfassendere Bewertung der Sicherheit persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Hier sehe ich großes Potenzial in Kooperationen mit Hochschulen, Technologielieferanten und natürlich unseren Kund*innen, die uns mit ihren Fragestellungen wichtige Impulse geben.

Genauso wichtig ist die Digitalisierung der Schnittstelle zu unseren Kunden. Hierfür arbeiten wir eng mit der OEKO-TEX als Partner zusammen, um für das OEKO-TEX Produkt-Portfolio zukünftig eine digitale Lösung bieten zu können. Technologische Innovation bedeutet für mich daher: Wir kombinieren modernste Labortechnik mit einem Serviceerlebnis, das zu einer digital vernetzten Industrie passt.

OETI ist international in Europa, Nordafrika und Asien aufgestellt. Wie bringen Sie Ihre internationale Führungserfahrung hier ein?

Ich habe in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen Ländern und Kulturen gearbeitet und Teams geführt, unter anderem in einem global agierenden Prüfdienstleistungskonzern. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, eine klare gemeinsame Richtung vorzugeben und gleichzeitig lokale Besonderheiten ernst zu nehmen. Was in Wien, Kairo oder Dhaka funktioniert, kann sich im Detail deutlich unterscheiden.

Für OETI bedeutet das: Wir brauchen eine gemeinsame strategische Klammer – also klare Vorstellungen davon, wofür wir als Marke weltweit stehen – und zugleich starke lokale Teams, die nah an ihren Kunden sind und eigenverantwortlich agieren. Ich möchte den internationalen Austausch gezielt fördern, etwa durch bereichsübergreifende Projekte, gemeinsame Produktentwicklungen und regelmäßige Besuche vor Ort. So entsteht ein echtes Miteinander und nicht nur ein Organigramm mit vielen Standorten.

Entscheidend ist für mich außerdem, kulturelle Vielfalt als Stärke zu verstehen. Unterschiedliche Perspektiven helfen uns, bessere Entscheidungen zu treffen und die Bedürfnisse globaler Kundinnen und Kunden besser zu verstehen. Meine Aufgabe sehe ich darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen diese Vielfalt wirken kann.

Wie beurteilen Sie die derzeitigen Stärken von OETI, wo möchten Sie Veränderungen vorantreiben, und welche Führungsprinzipien sind Ihnen dabei persönlich wichtig?

OETI verfügt über mehrere klare Stärken: eine hohe fachliche Kompetenz, langjährige Erfahrung in Textil-, Leder- und Fußbodentechnikprüfungen, einen starken Ruf als verlässlicher Partner und nicht zuletzt engagierte Mitarbeiter*innen, die ihre Kunden sehr gut kennen.
Die Rolle als Gründungsmitglied der internationalen OEKO‑TEX‑Gemeinschaft und die Einbettung in die TESTEX‑Gruppe mit ihrem globalen Netzwerk geben uns zudem eine solide Basis für weiteres Wachstum.

Außerdem möchte ich die Digitalisierung unserer Services vorantreiben, interne Abläufe vereinheitlichen und die Zusammenarbeit zwischen Standorten und Geschäftsbereichen intensivieren. All das soll dazu beitragen, dass wir als Organisation schneller, lernfähiger und noch kundennäher werden.

In meiner Führung sind mir drei Dinge besonders wichtig: Transparenz, Vertrauen und klare Verantwortung. Ich möchte Entscheidungen nachvollziehbar machen, offene Diskussionen ermöglichen und gleichzeitig den Mut fördern, Themen aktiv anzupacken. Menschen leisten ihr Bestes, wenn sie wissen, wohin die Reise geht, warum etwas wichtig ist und welchen Beitrag sie persönlich dazu leisten können. Genau dieses Umfeld möchte ich gemeinsam mit dem Team bei OETI gestalten.

Über OETI

Seit 1967 ist OETI ein international anerkanntes Institut für Prüfungen und Zertifizierungen, das sich auf folgendes spezialisiert:

  • Sicherheit, Nachhaltigkeit und Sorgfaltspflichten entlang der textil- und lederverarbeitenden Lieferkette.
  • Zertifizierung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA): Gewährleistung der CE-Kennzeichnung und Marktzugang in der Europäischen Union sowie in der Schweiz, Liechtenstein, Island, Norwegen und der Türkei.
  • Prüfung und Zertifizierung von Bodenbelägen und Innenausstattungen.

Als Gründungsmitglied der internationalen OEKO-TEX-Gemeinschaft bietet OETI das vollständige OEKO-TEX -Produktspektrum an und hilft Unternehmen dabei, höchste Anforderungen an Qualität und Produktsicherheit zu erfüllen.  

Mit globaler Präsenz und der Unterstützung des Schweizer Mutterunternehmens TESTEX AG (rund 45 Standorte weltweit auf mehreren Kontinenten) ist OETI ein verlässlicher Partner, der Unternehmen weltweit dabei unterstützt, Marktfähigkeit zu steigern, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.