Kaum zu glauben, aber wahr: Die ersten Reinigungsmaschinen bestanden aus Holz und wurden mit der Hand bedient. Maschinen, mit denen Textilreiniger vor 130 Jahren ihren Alltag bestritten, stehen heutzutage im Museum. Wie eine der ältesten noch erhaltenen Reinigungsmaschinen Europas nach Sasbach, Baden-Württemberg kam.
Frank Ziermann ist nicht nur Unternehmer, sondern auch leidenschaftlicher Sammler. Mittlerweile bilden verschiedene Exponate aus der Geschichte der Textilreinigung und Wäscherei ein kleines Museum in Sasbach.
Als Klaus Wunderlich vom Kauf der Böwe Textile Cleaning GmbH durch die Ziermann GmbH erfuhr, vermachte er eine alte Reinigungsmaschine an Ziermann. Der Unternehmer fühlte sich sehr geehrt, dass er dieses "Schätzchen" in seine Nostalgiesammlung aufnehmen durfte.
Älteste chemische Reinigungsmaschine
Die älteste chemische Reinigungsmaschine Europas ist im Jahr 1889 gebaut und an die Färberei Georg Bormann in Rostock geliefert worden. Der Hersteller ist nicht bekannt.
Mit der Holztrommel-Maschine wurden hauptsächlich Bauernwolle und Bauernleinen gefärbt. Aus dem Färben von zertrennten Kleidern entstand die Idee, Kleiderteile und ganze Bekleidungsstücke vor dem Färben der damals modernen, aus Frankreich kommenden "Trockenwäsche" zu unterziehen.
Bearbeiteten Textilreiniger anfangs die Textilen in Terpentinöl, wechselten sie später wegen des Geruchs auf das brennbare Benzol über. Um Explosionen zu vermeiden, wurde dem Benzol eine Oleinseife zugesetzt, die nebenbei einen guten Wascheffekt lieferte.
Als der Sohn von Georg Bormann im Jahre 1918 von Rostock in die sächsische Glauchau zog, nahm er diese Maschine mit, zum Glück, denn der Betrieb in Rostock wurde im Zweiten Weltkrieg ausgebombt.
Wie kam die Reinigungsmaschine nach Sasbach?
Um diese einzigartige Maschine für die Nachwelt zu erhalten, bestimmten die Eheleute Bormann in den 60er Jahren testamentarisch ihren langjährigen Bekannten Klaus Wunderlich zum Erben. Wunderlich war über Jahrzehnte Mitarbeiter bei der Böwe Textile Cleaning GmbH in Augsburg. Allerdings konnte die Übergabe wegen der DDR-Gesetzgebung erst im Jahr 1989 erfolgen. Nur ein Jahr später wurde die vom Erben selbst restaurierte und konservierte Reinigungsmaschine erstmals der Öffentlichkeit auf der EWC Messe in Frankfurt/Main am Messestand von Böwe präsentiert. Die Rarität stand in den letzten Jahren im Empfangsraum von Böwe in Augsburg.
