Auszeichnung des Umweltclusters Bayern für CHMS, Rödental Viel Verwendung für heiße Luft

Energiesparen rechnet sich nicht nur für die Umwelt, sondern erhöht auch die Wirtschaftlichkeit des Betriebs: Mit dieser Motivation setzt der Coburger Handtuch- und Mattenservice seit vielen Jahren konsequent auf innovative Technologien zur Verringerung des Ressourceneinsatzes. Der Umweltcluster Bayern hat die Wäscherei jetzt als „Leuchtturmprojekt“ ausgezeichnet.

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    Betriebsbesichtigung im Anschluss an die Preisverleihung: vor dem Brüden-Wärmetauscher Joachim Krause in der Mitte, links davon Gerold Gebhard, Hauptgeschäftsführer IHK Coburg; rechts neben Krause Manuela Wimmer und Peter Herzog vom Umweltcluster Bayern.Fotos: Sandra Rauch
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    Die Mitarbeiter des CHMS bearbeiten jeden Tag 11 bis 14 t Handtuchrollen.
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    Im patentierten Flusensieb mit gefächerten Schaufeln werden Feststoffe aus der Lauge gefiltert.
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    RechtsBei der Preisverleihung: Krause mit Manuela Wimmer vom Umweltcluster Bayern.

Viel Verwendung für heiße Luft

„Es geht immer noch ein bisschen besser!“ Nach diesem Motto führt Joachim Krause, Textilreinigermeister, REFA-Fachmann und Energieberater, seit 1989 den Coburger Handtuch- und Mattenservice (CHMS) im oberfränkischen Rödental. Seine Ehefrau Claudia unterstützt ihn seit fast 25 Jahren im Betrieb. Die Wäscherei ist auf textile Mietdienste für Handtuchrollen, Schmutzfangmatten und Mopps spezialisiert. Jeden Tag bearbeiten die insgesamt 43 Mitarbeiter 11 bis 14 t Handtuchrollen, 0,8 bis 1 t Mopps und 3 bis 4 t Schmutzfangmatten. „Besser“ bedeutet damit natürlich auf jeden Fall, den Kunden höchste Sauberkeit und Zuverlässigkeit zu bieten. Doch „besser“ heißt für Joachim Krause gleichzeitig auch „viel weniger“: Seit nahezu 20 Jahren verringert er konsequent den Verbrauch an Energie, Wasser und Waschchemie in seiner Wäscherei. Der Umweltcluster Bayern, ein Netzwerk zur Förderung innovativer Umwelttechnologie, hat Krauses Engagement deshalb diesen Februar als „Leuchtturmprojekt“ ausgezeichnet. Speziell wurde mit dem undotierten Preis die „Prozessoptimierung des Waschprozesses unter Nutzung der Abwärme einer gewerblichen Mangel“ gewürdigt. Wie viel Einsparpotenzial die Wäscherei- und Reinigungsbranche bietet, zeigt die Verbrauchsstatistik des CHMS: Seit 1991 hat Joachim Krause den Gasverbrauch pro Tonne behandelter Ware um 77 Prozent gesenkt, den Stromverbrauch konnte er um rund 32 Prozent auf 86,9 kW/t mindern. Der Wasserbedarf reduzierte sich von ehemals 24 m3/t auf 2,1 m3/t im Jahr 2009. Darüber hinaus deckt die Wäscherei zehn Prozent des Gesamtwasserbedarfs mit Regenwasser ab, weitere acht Prozent werden durch die Rückgewinnung von Kondenswasser bereitgestellt. „Die im Vergleich zu 1991 insgesamt reduzierte Gasmenge reicht, um 297 Wohneinheiten ein Jahr mit Energie zu versorgen“, veranschaulichte Manuela Wimmer, Geschäftsführerin des Umweltclusters, bei der Preisverleihung die Menge der eingesparten Energie. „Hochgerechnet auf die gesamte Branche könnte man damit eine gesamte Großstadt versorgen“, führte Heike Fritsche vom Deutschen Textilreinigungs-Verband (DTV) den Gedanken weiter, „und man darf nicht vergessen, dass dabei auch noch Wäsche gewaschen wird.“

Im Mittelpunkt der ausgeklügelten Energiewirtschaft der Wäscherei Krause stehen die ganzheitliche Betrachtung aller Prozesse des Waschverfahrens, die Erfassung der Verbrauchsdaten und die Optimierung jedes einzelnen Schritts als Teil eines großen Gesamtkreislaufs. Dazu gehören einerseits technische Verbesserungen an Maschinen, die eine höhere Leistung bei gleichem Ressourceneinsatz ermöglichen. Zum anderen nutzt die Wäscherei jeden Tropfen Wasser und jeden Kubikzentimeter Dampf für verschiedene Prozesse. So wird die Waschlauge zum Beispiel mehrfach verwendet und mit Hilfe eines eigens entwickelten und patentierten Flusensiebs gefiltert.

Beim Mangeln entsteht in Rödental wie in jeder Wäscherei, sehr viel hochtemperierte Abluft. Doch während diese Energie andernorts„einfach in die Luft geblasen“ wird, nutzt der Coburger Handtuch- und Mattenservice diese Wärme für andere Prozesse: Joachim Krause setzt seit 2005 einen selbstreinigenden Wärmetauscher mit Reinigungsfunktion zur Steigerung der Energieeffizienz einer Mangel ein. Anstoß für die Umsetzung dieses Projekts war die Kooperation der Wäscherei mit dem Lehrstuhl für Facility Management der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg, bei der ein Diplomand des Lehrstuhls zusammen mit Krause Energieeinsparpotenziale durch die mögliche Nutzung eines Brüden-Wärmetauschers ermittelte. Krause entschied sich für den Einsatz dieser Technik und passte sie auf die individuellen Gegebenheiten an: Heute wird durch den Wärmetauscher der ca. 100 °C warmen Mangelabluft in drei Stufen Energie entzogen. Diese Wärme nutzt die Wäscherei zum Vorwärmen von Lauge und Frischwasser sowie für den Betrieb der Fußboden- und Ladenzonenbeheizung. Pro Jahr lassen sich damit 246.000 m3 Gas einsparen. Gleichzeitig sinkt der Ausstoß von CO2 um 850,8 t.

Darüber hinaus wird im Wärmetauscher Kondenswasser gewonnen. Dieses wird nach einer Filterstufe sofort wieder in den Waschprozess zurückgeführt. Pro Jahr gewinnt die Wäscherei so 1,35 Millionen Liter Kondenswasser. Dadurch verringert sich der Bedarf an Frischwasser erheblich: Die eingesparte Wassermenge entspricht dem Jahresverbrauch von 1.455 Personen.

„Die Energieeinsparpotenziale standen anfangs nur auf dem Papier“, sagte Michael Deichsel, Professor für Maschinenbau an der Fachhochschule Nürnberg, auf der Preisverleihung des Umweltclusters, „um sie zu realisieren, brauchte es den Mut und die Initiative eines Unternehmers wie Joachim Krause.“ Die Verknüpfung von Theorie und Praxis habe seinen eigenen Bemühungen neuen Schwung gebracht, erinnert sich Joachim Krause. „Vor Beginn der Kooperation war ich an dem Punkt, wo ich nicht wusste, wie ich noch etwas verbessern kann.“ Mit den gemeinsamen Messungen habe er seine selbst erfassten Daten spiegeln können und letztendlich auch den Anstoß für die Umsetzung des Wärmetauschers bekommen. „Ich bin begeistert, was aus so einer Zusammenarbeit alles entsteht“, sagt Krause.

Hinter dem Gedanken des Energiesparens steht bei Joachim Krause vor allem die betriebswirtschaftliche Komponente: Dem immer höheren Kostendruck können Betriebe seiner Meinung nach nur standhalten, wenn sie den Einsatz von Ressourcen entsprechend sparsam gestalten. „Der effiziente Energieeinsatz kann über die Wirtschaftlichkeit von Betrieben, über rote oder schwarze Zahlen entscheiden“, sagt Krause, „Voraussetzung dafür ist natürlich, dass sich die dafür getätigten Investitionen rechnen.“ Im Falle des Wärmetauschers habe die realisierte Kostenersparnis bereits nach zweieinhalb Jahren zur Amortisation der Investition geführt.

Sein Wissen zur erfolgreichen Medienoptimierung möchte Joachim Krause jedoch keinesfalls für sich behalten. Im Gegenteil: Die Erfolge seines Betriebs sollen Ansporn für die gesamte Branche sein. Die dafür notwendigen Voraussetzungen hat Krause bereits geschaffen: Beim DTV hat er die Energiesparseminare mit ins Leben gerufen, außerdem steht der Unternehmer als Energieberater anderen Betrieben zur Seite. Die Vermarktung seiner Patente in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Industrie soll seine Ideen und Erfahrungen für andere Wäschereien nutzbar machen. „Natürlich lässt sich keineswegs alles eins zu eins übertragen“, sagt Krause. „Jeder Betrieb ist anders, was bei mir funktioniert, muss sich in anderen Wäschereien nicht unbedingt rechnen.“ Der entscheidende Punkt jedoch sei, dass man es anpacke. Außerdem komme es auf die Vernetzung innerhalb der Branche an, Ideen und Lösungen müssten untereinander ausgetauscht werden. Für diesen Austausch im Netzwerk engagiert sich Joachim Krause seit Jahren. Seine Vorträge und Beiträge in Workshops bieten immer wieder Diskussionsstoff und Anregung für eine intensive Beschäftigung mit diesem in der Wäschereibranche immer noch vernachlässigten Thema. „Ich habe selten jemanden mit solch einer Begeisterung reden hören“, sagt Manuela Wimmer vom Umweltcluster Bayern. „Leuchttürme wie sein Engagement sind wichtig für unsere Branche, ergänzt Heike Fritsche vom DTV.“Sandra Rauch