Der engagierte Nachwuchs der Branche hat jedes Jahr die Gelegenheit, sein Können im Rahmen des Bundesleistungswettbewerbs unter Beweis zu stellen. Drei junge Textilreiniger reisten Ende November nach Frankfurt am Main, um den begehrten Titel zu holen.
Mit Konzentration und Können
Konzentriert gibt Caroline Drechsler zwei Tropfen Methylorange in einen Messbehälter mit Waschflotte. Mit Salzsäurelösung titriert sie bis zum zwiebelbraunen Farbumschlag. Aus dem Verbrauch der Salzsäure schließt sie auf die Gesamtalkalität und notiert den errechneten Wert auf ihren Block. Außerdem müssen Ätzalkalität, Sauerstoffgehalt, Anfangs- und Endwert sowie die Wasserhärte bestimmt werden. Dafür sind eine gute Konzentration und eine ruhige Hand nötig. Und die haben Caroline Drechsler und ihre beiden Mitstreiter Arthur Berg und Marcel Fischer trotz Wettbewerbssituation.
Die drei sind in der Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung zusammengekommen, um sich dem diesjährigen Bundesleistungswettbewerb der Textilreiniger zu stellen. Zugelassen werden jeweils die besten Gesellen der Bundesländer. Wer hier teilnimmt, muss seine Abschlussprüfung mindestens mit der Note gut bestanden haben. Um die Leistungen der Teilnehmer miteinander messen zu können, müssen die Gesellen einen Waschplan sowie ein Reinigungsprogramm erarbeiten und ihr Können auch in der Praxis unter Beweis stellen. Parallel durchlaufen sie verschiedene Stationen, vom Vorsortieren bis zum Bügeln und Mangeln.
Die drei erfahrenen Prüfer Udo Nagelschmidt, Gerd Hanisch und Horst Becker schauen den Gesellen mit wachsamen Augen über die Schulter. Schließlich müssen sie die Leistungen der drei Titelanwärter an den insgesamt neun Stationen bewerten und Punkte vergeben. „Der Wettbewerb ist außerdem schon eine gute Übung für die Meisterprüfung“, sagt Horst Becker, der sich bereits seit 1981 als Prüfer engagiert. Er ist überzeugt, dass Leistungsnachweise wie die des Bundesleistungswettbewerbs und der Meistertitel in der Branche immer noch eine große Bedeutung haben.
Im Eingangsbereich des gut ausgestatteten Technikums der Frankfurter Schule türmen sich in einem Rollcontainer Berge verschiedenster Wäschearten. Darunter finden sich Seidenbluse und Kaschmirpulli ebenso wie Malerkluft, Blaumann oder eine bestickte Tracht und das alles mal mit und mal ohne Material- und Pflegekennzeichen.
An der Bewertungsstation „Sortieren von Wasch- und Reinigungsgut“ zeigt sich, wie fit die Gesellen in ihrem Wissen über Farben, Faserarten, Empfindlichkeiten, Verschmutzungsgrad und Waschtemperatur sind. Routiniert sortiert Caroline Drechsler unterschiedliche Posten und erkennt auch Vorschäden. „Dieses Teil wurde schon einmal falsch behandelt, das ist an der Verfilzung zu erkennen“, sagt sie. Prüfer Gerd Hanisch fragt genau nach: „Bei welchen Teilen würden Sie mit dem Kunden Rücksprache halten? Wie würden Sie den Eintrag ins Schadensbuch vornehmen?“ Caroline Drechsler kann souverän antworten: „Auf jeden Fall auf Papier. Würden die Listen am PC geführt, könnte nachträglich etwas verändert werden.“ Inzwischen hält Arthur Berg an der Station „Detachur“ ein Gewebe in Händen, das in zehn Felder aufgeteilt wurde. Jedes Feld ist durch eine Verfleckung verunreinigt, wie z.B. Saft, Tee oder Lippenstift. Arthur Berg prüft Griff und Geruch, sieht sich Farbe und Form genau an und stellt so die Art des Flecks fest. Anschießend markiert der Prüfer vier Verfleckungen, die Arthur Berg am Detachiertisch mit den geeigneten Hilfsmitteln entfernen muss. Souverän geht er mit Spatel, Detachierbürste, Pressluft- und Wassersprühpistole um und wählt die richtigen Detachiermittel.
An der nächsten Station ist Marcel Fischer schon am Bügeln. Jeweils eine Hose, ein Sakko und ein Rock müssen nach 30 Minuten perfekt aufbereitet auf der Stange hängen. Marcel Fischer richtet die Bekleidungsstücke am Saug-Blas-Bügeltisch akkurat aus und bügelt mit flinken Händen. Für die nächste Station, das Plätten der obligatorischen Rüschenbluse, haben alle Gesellen eine Stunde Zeit. An der Mangel müssen die drei Titelanwärter Laken, Tischdecken, Bezüge und Servietten mangeln und legen. Dabei müssen sie geschickt und flink arbeiten und entscheiden, wo eine offene und wo eher eine geschlossene Faltung geeignet ist. Auch das technische Verständnis wird geprüft. Prüfer Gerd Hanisch fragt die Gesellen nach den einzelnen Komponenten der Reinigungsmaschine und lässt die Funktionsweise erläutern. Am Ende des Tages lassen die drei jungen Textilreiniger den Wettbewerb Revue passieren, schätzen sich selbst ein, werfen einen Blick zurück auf ihre Lehrzeit und tauschen sich über ihr Tätigkeitsfeld aus. „Der Beruf hätte viel mehr Öffentlichkeit verdient“, sagen sie. Alle drei sind ihrem Handwerk treu geblieben und arbeiten auch nach der Gesellenprüfung in der Branche. Caroline Drechsler und Arthur Berg als Textilreiniger und Marcel Fischer bei einem Maschinenhersteller der Branche.
Lange werden die drei nicht auf die Folter gespannt, bis Udo Nagelschmidt die Ergebnisse bekannt gibt. „Hier sind die Besten zusammengekommen, das Niveau der Leistungen war bei allen drei Teilnehmern hoch“, lobt er. Den ersten Platz erreicht Caroline Drechsler (Ausbildungsbetrieb Wäscherei-Reinigung Sterr in München), gefolgt von Arthur Berg (Ausbildungsbetrieb Johannesanstalten in Mosbach) auf dem zweiten und Marcel Fischer (Ausbildungsbetrieb Textilpflege Kasch in Schlangen) auf dem dritten Platz. Heike Fritsche vom DTV gratuliert und überreicht den Siegern Urkunden sowie einen Büchergutschein. Die drei profitieren auch, wenn sie später den Meister machen möchten, denn der DTV fördert die Gewinner bei der späteren Weiterbildung.
Vanessa Ebert