Veredlung durch Effektstick Mit Glanz und Gloria

Schmucklose Berufsbekleidung geht selten direkt in den Gebrauch. Vorher wird sie meist mit Unternehmenslogo, Mitarbeiternamen oder Werbebotschaften versehen. In jüngster Zeit kommen aber auch neue Aspekte hinzu. So glänzt und glitzert es ab und an auf der beruflichen Garderobe oder den textilen Ausstattungen von Hotels.

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    Metallisch schimmernde Stickgarne werden auch in der Wäschereibranche benötigt, um edle Dessins in einer hochwertigen Optik abzubilden.
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    Strassapplikationen finden z.B. bei Berufsbekleidung für Angestellte in Apotheken, Arztpraxen und in der Pflege Abnehmer.
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    Amann rät zu reinen Polyestergarnen in geeigneten Grau- oder Gelbtönen, um Silber und Gold nachzuahmen. Foto: Amann
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    Der Kristallschmuckstein-Spezialist Swarovski bietet in seiner Kollektion „Crystallized“ verschiedene Hotmelt-Elemente an.Foto: Swarovski

Mit Glanz und Gloria

In der Wäscherei- und Berufsbekleidungsbranche gehört das Veredeln von Textilien zu einer selbstverständlichen Aufgabe. Logos und Namenembleme werden auf die Garderobe der Mitarbeiter appliziert und auch so manche Bettwäschegarnitur oder Frottierware wird mit dem Markenzeichen des Gastronomen durch Sticken, Patchen oder Drucken versehen. Inzwischen ist aber auch das Kleben als Veredlungstechnik hinzugekommen. Kristallsteine, im Sprachgebrauch auch Strass genannt, werden zur optischen Aufwertung auf Berufsbekleidung aufgebracht. Allerdings sind die Einsatzbereiche für glitzernde Botschaften eingeschränkt, wie man bei CG Workwear aus Bad Aibling weiß. So können die Kristalle in der Gastronomie und Hotellerie im Grunde nicht eingesetzt werden. Denn obschon die künstlichen Brillanten auf der in der Branche getragenen dunklen Bekleidung hervorragend wirken, halten sie eine der Fleckenentfernung dienende Kochwäsche nicht aus. Die Transferkleber, mit denen die Steine auf die Bekleidung übertragen werden, lassen maximal eine 60-°C-Wäsche zu. Daher beschränkt sich ihre Verwendung in der Gastronomie meist auf Eventausstattungen. Vom Kunden gewünschte glitzernde Logos werden von CG Workwear etwa auf Schürzen, Shirts oder Blusen appliziert. Für diese Form der Veredlung müssen jedoch eine Mindestabnahme von etwa 30 Stück und eine Darstellbarkeit des gewünschten Markenzeichens in den Kristallsteinen gewährleistet sein.

Neben dem Veranstaltungsbereich finden Strassapplikationen aber auch in Berufsbekleidung im medizinischen Umfeld Abnehmer. Bei modisch bewussten Angestellten in Apotheken, in Arztpraxen und in der Pflege gibt es eine Nachfrage nach Arbeitsbekleidung mit Schick. Die österreichischen Solida Bekleidungswerke in Maiklauzhof führen daher eine kleine, über den Fachhandel vertriebene Kollektion im Programm, die mit Kristallen verziert ist. Die Linie wird meist von Personen gekauft, in deren Arbeitsumfeld nur geringfügige Verschmutzungen anfallen. Sie übernehmen die Pflege ihrer edel aussehenden Teile selbst und können die vorgegebenen Pflegehinweise des Herstellers beachten.

Für die glitzernden Applikationen setzt das Unternehmen Steine von Swarovski ein. Der in Wattens im Tirol ansässige Spezialist für Kristallschmucksteine hat eine eigene Reihe textilgeeigneter Produkte entwickelt. Die so genannten Hotmelt-Elemente aus der Serie „Crystallized“ sind auf ihrer Rückseite mit einem Schmelzkleber beschichtet. Dieser wird durch Hitzeeinwirkung aktiviert und verbindet sich unter Druck mit dem Trägermaterial. Beim Abkühlen verfestigt sich der Klebstoff und fixiert die Steine dauerhaft auf dem Untergrund. Dies gilt allerdings nur, so lange das Textil nicht wieder auf die Aktivierungstemperatur des Klebers aufgeheizt wird. Da diese bei höchsten 170°C liegt, darf ein Kristalltransfer nach der Wäsche nur mit reduzierter Wärmebelastung getrocknet werden. Einschränkungen gelten auch für die Wäsche selbst: Als Maximaltemperatur gibt der Hersteller 60°C an, eine Chlorbehandlung ist nicht zulässig. Für das Textilleasing ist die brillant funkelnde Veredlung also nicht geeignet. Soll es dennoch glitzern, sind metallische Nähgarne eine passende Alternative. Die meist in Gold, Silber oder Kupfer glänzenden Garne werden beispielsweise für Logos mit dem gewissen Etwas eingesetzt. So hat die Osnabrücker CJD Profashion eine schwarze Kochjacke mit einer Silberstickerei versehen, wodurch das Bekleidungsteil einen sehr hochwertigen Eindruck vermittelt. Walter Greif aus Augsburg wiederum erhielt die Aufgabe, für ein prunkvoll in Goldtönen ausgestattetes Hotel geeignete Bademäntel zu liefern. Das Logo des Hauses wurde mit entsprechenden Metallstickgarnen auf den Rücken des Frottiers aufgestickt. Und auch in klassischen Handwerksberufen gibt es eine Nachfrage nach den edlen Farbtönen. Sie werden gewünscht, um Metallteile wie Stoßstange, Rohre oder Werkzeuge mit silbernem Faden abzubilden. Für Anfragen dieser Art bieten die professionellen Stickgarnhersteller eine Palette unterschiedlicher Effektfäden an. Madeira aus Freiburg führt bereits seit langem kochwaschbeständige und chlorechte Metallstickgarne im Sortiment. Die FS-30-Palette umfasst nicht nur Silber und Gold, sondern auch Kupfer, Zink oder Bronze. Allerdings, so die Erfahrung des Unternehmens, werden diese ebenso wie die Garne mit Perlmuttschimmer erst seit wenigen Jahren in der Berufsbekleidungsbranche wahrgenommen. Dort werden sie vor allem von Stickern eingesetzt, die mehr als standardisierte Sticheleien anbieten wollen und nach neuen, effektvollen Lösungen suchen.

Die Umstellung verlangt jedoch Know-how, denn metallische Stickgarne brauchen andere Stickprogramme und -nadeln. Während klassische Stickgarne mit einer Stichdichte von 0,4 mm verarbeitet werden, muss bei Metallgarnen der Abstand zwischen zwei Stichen 0,5 mm betragen. Dadurch wird verhindert, dass sich die scharfkantigen Metallfäden bei einer dichten Stichfolge gegenseitig zerstören. Die Nadelstärke bei metallischen Effektstickgarnen wird mit 90 Nm (0,9 mm), empfohlen, während bei normalen Stickereien dünnere Nadeln ausreichen. Die Verarbeitung verschiedener Garntypen fordern vom Sticker also auch noch eine hohe Flexibilität, denn - je nach Stickaufgabe - muss er neue Punchprogramme für das Digitalisieren der Stickereien erstellen und seine Maschinen umrüsten.

Auch Amann & Söhne aus Bönnigheim weist auf die unterschiedliche Verstickbarkeit und Pflegeeigenschaften der Metallicfäden hin, da sich die Konstruktion von Metallicgarnen stark von der Konstruktion herkömmlicher Nähgarne unterscheidet. Silber- und Goldgarne sind sogenannte Umwindezwirne: Eine „Seele“, die meist aus Chemie-Endlosfasern besteht, wird mit einem beschichteten Film umwickelt. Die „Seele“ sorgt für die notwendige Stabilität, die Umwindung für die Optik und den Charakter des Garns. Sie müssen daher meist mit verringerter Maschinengeschwindigkeit und sehr sorgfältig justierter Fadenspannung verarbeitet werden. Außerdem ist darauf zu achten, dass bei der Pflege von Nähten und Stickereien mit Metallicfäden die maximale Waschtemperatur nicht überschritten werden darf, da es ansonsten zu einer Auflösung der Umwindung kommen kann. Metallicgarne sind zudem mechanisch weniger belastbar als die üblichen Näh- und Stickgarne. Deshalb ist eine Trocknung im Tumbler nicht ratsam. Das Trocknen im Tunnelfinisher und das Bügeln mit Starkdampf nehmen den Metallicgarnen zudem ihren Glanz. Die süddeutschen Spezialisten halten den Einsatz von Metallicgarnen aus diesen Gründen in der Berufsbekleidung nicht für sinnvoll. Sie raten zum Einsatz von reinen Polyestergarnen in geeigneten Grau- oder Gelbtönen, um Silber und Gold nachzuahmen.

Anders als Amamm & Söhne verarbeitet Gütermann aus Gutach im Breisgau feine Metallbändchen bei seinen Silber- und Goldtönen. Für Wäschereibetriebe ist jedoch der kochwaschbeständige Solareffektfaden interessanter. Hierbei handelt es sich um ein reines Polyestergarn, dessen Farbigkeit sich mit auftreffendem Licht verändert. Sobald die Lichtquelle entfernt wird, verblasst der Farbton wieder.

Auch Gunold aus Stockstadt am Main führt verschiedene Stickgarne mit effektvoller Wirkung im Programm. Solar ist ein Effektgarn, das zunächst weiß ist und beispielsweise auf Eventbekleidung oder auf der Oberbekleidung im Gastgewerbe eingesetzt werden kann. Ein weiteres Spezialstickgarn ist das fluoreszierende „Glowy“. Es nimmt die Energie des Tageslichts auf und gibt diese in Form eines Nachleuchtens in bis zu sieben Pastelltönen wieder ab.

Die Entwicklungen im Stickgarnbereich zeigen, dass sie bei der Veredlung von Berufsbekleidung viele neue Möglichkeiten bieten. Sie zwingen allerdings zu einer hohen Flexibilität - bei Stickern und den Wäschereibetrieben. Denn die Stickereien mit dem gewissen Etwas brauchen nicht nur eigene Stickprogramme, sondern wollen wie auch die Kristallsteine pfleglich behandelt werden. Das Besondere ist eben selten mit standardisierten Prozessen umzusetzen.Sabine Anton-Katzenbach