Hygiene und Biotechnologie Bessere Patientenversorgung dank moderner Medizintextilien

Seit seiner Gründung im Jahr 1992 hat sich das Leistungsspektrum des Instituts für Hygiene undBiotechnologie an den Hohenstein Instituten erweitert. Besonders intensiv forscht das Team von Prof. Dr. Dirk Höfer, Leiter des Instituts für Hygiene und Biotechnologie, in den Bereichen angewandteHygiene, biologische Sicherheit und medizinische Entwicklungen.

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    © Hohenstein Institute
    Prof. Dr. Dirk Höfer ist Leiter des Instituts für Hygiene und Biotechnologie am internationalen Textilforschungszentrum Hohenstein Institute in Bönnigheim.
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    An den Hohenstein Instituten wurde die Freisetzung von Wirkstoffen aus den Nanosol-modifizierten Wundauflagen u.a. auch an Probanden (in vivo) untersucht. Fotos: Hohenstein Institute
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    Bei den neuartigen Wundauflagen wurden die Wirkstubstanzen (grüne Fluoreszenz) mit Hilfe der Nanosol-Technik in eine Matrix aus inertem Siliziumoxid (SiO2) eingebunden.

Bessere Patientenversorgung dank moderner Medizintextilien

Wenn Textilien nicht nur praktischen oder schmückenden Nutzen haben, sondern direkte Anwendung im Gesundheitswesen finden oder sogar zur Bekämpfung von Krankheitserregern eingesetzt werden, ist ein hohes Maß an Innovation gefragt. RWTextilservice hat bei Prof. Dr. Dirk Höfer nachgefragt, welche Ziele für die Zukunft gesetzt werden.

RWT: Welche Berührungspunkte gibt es beim Thema Hygiene zu Textilien?

Prof. Dr. Dirk Höfer: Über Textilien können bakterielle und virale Keime verbreitet werden, deshalb sind z.B. die hygienische Aufbereitung von Wäsche, die antimikrobielle Ausrüstung von OP-Textilien und deren hohe Barrierewirkung gegenüber Krankheitserregern wichtige Bausteine der Infektionsprophylaxe.

RWT: Textilien können auch aktiv helfen, die Gesundheit zu erhalten oder Krankheiten zu heilen.

Prof. Dr. Dirk Höfer: Genau, in diesem Bereich haben wir beispielsweise die Entwicklung einer Antimilbenmatratze für Allergiker oder Projekte wie persönliche Schutzausrüstung (PSA) mit integriertem Insektenschutz, Wundauflagen mit Wirkstoffdepots und antiadhäsiver Beschichtung vorangetrieben. Gleichzeitig haben wir neue Prüfmethoden etabliert, mit denen die Wirksamkeit und biologische Sicherheit solcher Ausrüstungen untersucht und belegt werden kann.

RWT: Stichwort „biologische Sicherheit“ was ist darunter zu verstehen?

Prof. Dr. Dirk Höfer: Mit den bei uns etablierten Prüfsystemen schließen wir bekannte Risiken für die menschliche Gesundheit aus: zellschädigende und DNA-schädigende Substanzen sowie allergene Potenziale und mechanische Irritationen. Unsere Untersuchungen finden dabei zum Großteil invitro zum Beispiel an menschlichen Hautzellen statt aber auf jeden Fall immer komplett ohne Tierversuche!

RWT: Bei welchen Produkten ist der Nachweis der biologischen Sicherheit besonders wichtig?

Prof. Dr. Dirk Höfer: Generell darf entsprechend der Bedarfsgegenständeverordnung von keinem Produkt eine Gefahr für den Nutzer ausgehen. Entsprechend verstehen wir unsere Sicherheitsprüfungen als biologische Warenprüfung für textile Produkte aller Art. Explizit vorgeschrieben sind Sicherheitsnachweise bei Medizinprodukten. Seit Kurzem sind wir von der ZLG (Zentralstelle der Länder für Gesundheitsschutz bei Arzneimitteln und Medizinprodukten) als Prüflabor auditiert.

RWT: Als dritten wichtigen Arbeitsbereich haben Sie medizinische Entwicklungen genannt. Welche aktuellen Beispiele gibt es dafür?

Prof. Dr. Dirk Höfer: Neben den bereits genannten Wundauflagen mit Wirkstoffdepots oder antiadhäsiver Beschichtung gehören dazu u.a. Spezialtextilien für Dekubitus- und Inkontinenzpatienten, antimykotische Socken oder Fensterbänder. Besonderes Aufsehen haben wir auch mit unseren Projekten zur Biotherapie erregt, wie z.B. Wundauflagen, bei denen Bakteriophagen oder der Extrakt der Goldfliege die Heilung chronischer Wunden beschleunigen. Um diese doch sehr unterschiedlichen Themengebiete erfolgreich bearbeiten zu können, bedarf es natürlich eines interdisziplinären Ansatzes. Am IHB arbeiten Textilspezialisten eng mit Medizinern, Chemikern und Biologen zusammen. Hinzu kommen natürlich die Kollegen aus den anderen Hohensteiner Fachbereichen, die ihre Kenntnisse zur Optimierung des Tragekomforts von Textilien, der Funktionalisierung von Materialien oder auch Aspekte der klassischen Warenprüfung bis hin zu chemisch-analytischen Schadstoffprüfungen in die gemeinsame Arbeit einbringen.

RWT: Wie sieht Ihre Kundenstruktur aus?

Prof. Dr. Dirk Höfer: Bei seiner Gründung im Jahr 1992 wurden vom IHB in erster Linie Wäschereien, Einrichtungen des Gesundheitswesens, Veredler sowie Garn-, Textil- und Bekleidungshersteller betreut.

Dazu sind in den vergangenen Jahren beispielsweise Hersteller von Medizinprodukten und Hilfsmitteln, die Kunststoff-, Papier- und Automobilindustrie sowie Hersteller von Sanitär- und Dentalprodukten, Farben und Lacken sowie Produzenten aus der Kunststoff- und Metallbranche hinzugekommen.

RWT: Prof. Dr. Höfer, vielen Dank für das Gespräch.