Ende vergangenen Jahres hat die Textilpflege F. Lehleiter GmbH in Wendelsheim bei Alzey in die Zukunft des Betriebes investiert: Ein Hochleistung-Waschsystem von Girbau wurde installiert. Die neue Waschstraße sowie Presse und Trocknerbatterie bewähren sich bei der Bearbeitung des heterogenen Wäschesortiments.
Von der Waschbütt zum Betrieb der Zukunft
Neu ist bei Lehleiter nicht nur die Waschtechnik. Im Jahr 2008 zog ein Teil der Wäscherei in einen neu errichteten, großzügigen Hallenbau in Wendelsheim. Dieser knapp 1.500 Einwohner zählende Ort gehört zur Verbandsgemeinde Wöllstein im Kreis Alzey-Worms, der wiederum Teil der (dem Bundesland Rheinland-Pfalz zugehörigen) Region Rheinhessen ist. Vor allem Wein wird in dieser waldarmen, hügeligen Landschaft angebaut, die bezeichnenderweise „Land der 1.000 Hügel“ genannt wird. Neben Weinanbau und -produktion kann die Region mit einer gut ausgebauten Touristikwirtschaft glänzen Wendelsheim kann als Sehenswürdigkeiten immerhin die „Schinderhanneshöhle“ und den „Teufelsrutsch“ aufweisen.
Friedel Lehleiter, Meister des Wäscher- und Plätterhandwerks und heutiger Chef der Wäscherei, ist „in der Waschbütt“ aufgewachsen, wie er schmunzelnd erzählt. Sein Vater, Eugen Lehleiter, hat das Unternehmen in Alzey gegründet und im Wesentlichen Wäsche aus Privathaushalten sowie in zunehmendem Maße auch Ware aus der umliegenden Hotellerie und Gastronomie bearbeitet. Bereits 1963 übernahm Friedel Lehleiter den väterlichen Betrieb, der gerade einmal seine zwei Waschschleudermaschinen mit je 10 kg Kapazität auslasten konnte. Da der Standort in Alzey keinerlei Expansionsmöglichkeiten bot, verlagerte der junge Unternehmer den Betrieb in das 1969 erworbene Anwesen in der etwa 8 km entfernten Gemeinde Wendelsheim.
Dank hoher Zuverlässigkeit und Qualitätsarbeit konnte die Wäscherei Lehleiter in den folgenden Jahren und Jahrzehnten ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen. Im Laufe der Zeit verschoben sich die Tätigkeitsschwerpunkte stark in Richtung Hotellerie, der Privatbereich nahm anteilsmäßig ab. Außerdem ist es Friedel Lehleiter gelungen, neue Segmente zu akquirieren. Heute fließen etwa 60 Prozent der Wäschereileistung in den Sektor der Hotellerie und Gastronomie. 20 Prozent der Wäsche kommen aus Seniorenheimen und zu je zehn Prozent wäscht man in Wendelsheim für Privathaushalte und Gewerbe sowie für Krankenhäuser. Für die Logistik stehen derzeit sechs Lkws zu Verfügung, die Kunden in einem Umkreis von etwa 100 km, u.a. in den Städten Frankfurt/Main, Ludwigshafen, Wiesbaden, Mainz und Worms, anfahren. Mit der zunehmend höheren Leistung wurde bald die Umstellung der Waschtechnik erforderlich, die Anschaffung einer Continueanlage wurde geplant. 1979 entschloss sich Friedel Lehleiter für den Kauf einer „Archimedia“, der in Fachkreisen sehr geschätzten Eintrommel-Waschstraße mit Medienversorgung durch die Mittelachse des Herstellers Voss, der später in die Passat-Gruppe integriert wurde. Diese Maschine wusch zuverlässig jeden Arbeitstag von 5 bis 22 Uhr, bis sie durch die neue ersetzt wurde. Spätestens ab dem Jahr 2005 stand Friedel Lehleiter schließlich mit zunehmender Dringlichkeit vor der Frage, wie er sein Unternehmen für die Zukunft fit machen sollte. Die Tagesleistung von gut 13 t Wäsche, die von etwa 70 Beschäftigten erbracht wird, stellte bei den gegebenen Platzverhältnissen ein absolutes Maximum dar. Mehr war beim besten Willen in den doch sehr beengten Räumlichkeiten nicht zu leisten. Sollte er die Entwicklung seines Wäschereiunternehmens beim derzeitigen Stand kappen? Nicht zuletzt in Anbetracht der Tatsache, dass die Nachfolge durch Tochter Sabine Lehleiter, die als Textilreinigermeisterin und Dipl.-Betriebswirtin bereits in starkem Maße in die unternehmerische Verantwortung eingebunden ist, als gesichert gelten kann, hat Friedel Lehleiter beschlossen, den Betrieb zukunftssicher zu machen. Durch den Neubau einer Halle und der Investition in neue Technik wurde eine Leistungsexpansion möglich. 2006 wurde der Erweiterungsbau geplant und im darauf folgenden Jahr realisiert. Die Betriebsfläche hat sich mit den zusätzlichen 2.400 m2 nahezu verdoppelt. Bezogen wurde die neue Halle schließlich im Herbst vergangenen Jahres. Der neue, großzügige Anbau hat die Voraussetzung dafür geschaffen, ein komplett neues Waschsystem zu installieren. Die Wahl von Familie Lehleiter fiel auf die Technik des Herstellers Girbau S.A. Aufgrund des vielschichtigen Textiliensortiments, das Lehleiter zu bearbeiten hat, kam eine Waschstraße „von der Stange“ nicht in Frage. Außerdem war dem Wäscher aus Wendelsheim daran gelegen, mit der Investition möglichst hohe Einsparungen an Wasser und Energie zu realisieren. So ließ Lehleiter insgesamt drei Flusenfilter in die Wasserkreisläufe der Zwölf-Kammer-Waschstraße integrieren, um ein hohes Wiederverwendungspotenzial an Wasser zu erzielen. In Verbindung mit einem in Kooperation mit den spanischen Experten ausgetüftelten neuen Wasserlaufplan verbraucht die Girbau-Waschstraße 2,5 l bis maximal 3 l Wasser pro Kilogramm Wäsche.
Ein Wärmetauscher wurde nicht integriert durch Wiederverwendung bereits temperierten Wassers wird das Temperaturgefälle sehr niedrig gehalten, was sich im geringen Aufheizaufwand niederschlägt. Dies und die verringerte Maschinenlaufzeit durch die nunmehr um 40 Prozent höhere Kapazität bringen Einsparungen von bis zu 50 Prozent Energie, das macht pro Jahr bis zu 50.000 Euro, wie Lehleiter äußerst zufrieden vorrechnet.
Pünktlich Anfang September 2008 wurde die neue Girbau-Waschtechnik angeliefert. Montage und Installation besorgten die Spezialisten des Service- und Vertriebsunternehmens Neumann & Medel, Hannover, der österreichischen Servicefirma Limbach Warumatic, Amstetten, sowie dem Serviceunternehmen R.I.K H. Rattay, Dortmund. Hinzu kamen außerdem zwei Elektronikspezialisten aus Spanien, denen die endgültige Programmierung der Gesamtanlage oblag. „Sie alle haben ein Riesenlob verdient“, berichtet Lehleiter, „meine Vorgaben wurden 100-prozentig umgesetzt.“
Der Auftrag umfasste nicht nur die Waschstraße;Peripheranlagen kamen natürlich auch dazu. Der Waschstraße nachgeschaltet arbeitet eine Girbau-Taktentwässerung-Presse mit einer Kapazität von 50 kg Wäsche. Über ein vollautomatisches Transport-, Hub- und Beladesystem, den Conveyor, werden schließlich die vier Takttrockner angesteuert, die über eine Beladefähigkeit von jeweils 100 kg verfügen. Je nach Ware werden sie als Schüttler bzw. als Volltrockner eingesetzt. Lehleiter begrüßt die rein mechanische Entladung der Trockner: Die Trockner sind in einem leicht gekippt montiert. Fordert das Programm den Entlademodus an, erfolgt bei reversierender Drehrichtung der Trommel über schräge Rippen das Ausladen nach dem archimedischen Prinzip. „Bis zum letzten Taschentuch“, wie Lehleiter feststellt. Ein Ausblasen der Teile aus der Trocknertrommel kann so entfallen.
Die Steuerung sorgt für den reibungslosen Betrieb der kompletten Anlage. Die Programmvielfalt von 99 Programmen ist neben der technischen Modifizierung der Waschstraße eine der Voraussetzungen dafür, dass Lehleiter sein heterogenes Textilsortiment wirtschaftlich bearbeiten kann.
Die neue Halle beherbergt derzeit ausschließlich die komplette Waschstraße einschließlich der Trocknerbatterie. Den Abtransport der Wäsche zur Weiterbearbeitung im alten Betriebsteil, der unterschiedlichen Finishabteilungen beherbergt, besorgt ein Saugzugsystem mit zwei getrennten Rohrsystemen eines transportiert Mangelwäsche, das zweite Trockenwäsche. Seine Investitionen in die Zukunft hat Friedel Lehleiter nicht bereut: „Ich würde immer wieder diesen Schritt gehen.“kpl