Mechanische Hautreizungen
Bei der Nutzung von Berufsbekleidung reklamieren Kunden immer wieder Hautirritationen. Hautreizungen und Ausschläge werden dann vielfach den chemischen Substanzen in den Textilien zugeschrieben, ohne dass mechanische Einflüsse berücksichtigt werden. Wissenschaftler des Bekleidungsphysiologischen Instituts Hohenstein (BPI) und des Instituts für Textil- und Verfahrenstechnik (ITV) untersuchten im Rahmen eines Forschungsvorhabens die Ursachen mechanisch ausgelöster Hautirritationen durch textile Gewebe.
Neben etablierten bekleidungsphysiologischen Testsystemen verwendete man am BPI zusätzlich kombinierte biologische und textiltechnologische Analyseverfahren. Mit diesen so genannten textilen Bioassays können mechanisch bedingte Hautirritationen zweifelsfrei festgestellt werden. Solche Beschwerden entstehen beim Träger z. B. durch abstehende Textilfasern der benutzten Kleidung.
Daneben untersuchten die Experten chemisch-toxische Textileinflüsse auf die Haut (Zertifizierung nach Öko-Tex Standard 100, Zytotoxizität).
Die Analyse der Fasern mit einem Rasterelektronenmikroskop sollte schließlich die Faktoren für mechanischbedingte Hautirritationen deutlich machen. Drei Punkte mit hohem Irritationspotenzial wurden untersucht:
KAbstehende Fasern/lanzettartige Faserbrüche (oftmals Resultat der Beanspruchung im Lebenszyklus des Textils).
KFasertyp (Eigenschaften der Rohware, etwa minderwertige BW, Wolle, Reißfasern, Recyclingfasern).
KBindung (z.B. führen enge Bindungen und starke Garndrehungen an den Rändern der Kreuzungspunkte von Kett- und Schussfäden zu Faserbrüchen).
Faserbrüche mit lanzettartigen Bruchstellen seien im Ergebnis interessanterweise auch bei Baumwolle aufgetreten.
Grundsätzlich hätten die Untersuchungen ergeben, dass mechanisches Irritationspotenzial von Berufsbekleidung durch Materialauswahl, Qualität und Verarbeitung der Textilien verringert werden kann. Einen positiven Effekt übe auch die sachgemäße, den Verschleiß verzögernde Wiederaufbereitung aus.
Am ITV untersuchten Wissenschaftler in einem weiteren Schritt das Irritationspotenzial einzelner freier Faserenden und die Bedingungen, unter denen solche kritischen Faserenden entstehen und reizauslösend wirken.
Die Ergebnisse zeigen, dass kritische Faserenden vornehmlich durch Faserreibung entstehen. Diese Oberflächenabnutzung wurde bei den untersuchten Reklamationsfällen weniger durch technologische Abläufe als durch gebrauchsbedingte Beanspruchungen verursacht.
Die Ergebnisse wurden in Konstruktionsleitlinien zur Vermeidung von Hautirritationen umgesetzt. Der komplette Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben AiF-Nr. 14655 N kann über die Hohensteiner Institute angefordert werden.
Infos: www.hohenstein.de
