Praxisseminar Nassreinigung wird erwachsen

Die Nassreinigung von Textilien hat sich durch verbesserte Technik als echte Alternative zu organischen Lösungsmitteln etabliert. Immer mehr Textilarten lassen sich bedenkenlos in Wasser reinigen. Experten von Büfa und Multimatic gaben auf einem Fortbildungsseminar Praxistipps für Profis und Einsteiger.

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    1Wie wasche ich Betten richtig? Textiltechnikingenieurin Pamela Krix (re.) gab neben Fachinformationen konkrete Praxisanleitung zum richtigen Waschen und Trocknen.Fotos: Rejschek-Wehmeyer
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    2Was darf in die Nassreinigung? Textilreinigermeister Peter Schwarz gab wichtige Informationen zur Vorsortierung der Ware.
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    3Andrea Hering beantwortete als Expertin im Bereich Bügelei alle Fragen rund um das Finish nass gereinigter Textilien.
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    4Teilnehmer/-innen und Veranstalter des Fortbildungsseminars zum Thema Nassreinigung in Melle.

Nassreinigung wird erwachsen

Dank ständiger Optimierung von Maschinen- und Verfahrenstechnik lassen sich heute weitaus mehr Textilien nass reinigen, als es die Pflegekennzeichnung erlaubt. Dennoch betonten Textiltechnikingenieurin Pamela Krix und ihr Kollege Textilreinigermeister Peter Schwarz: „Wer sich an die aktuelle Pflegekennzeichnung und die Empfehlungen von Verfahrens- und Hilfsmittelanbietern hält, ist garantiert auf der sicheren Seite.“ Während eines Fortbildungsseminars in der Multimatic-Servicezentrale in Melle vermittelten sie erfahrenen Praktikern und Neueinsteigern ihr Fachwissen zum Thema Nassreinigung. Im Bereich Bügelei wurden sie von Fachfrau Andrea Hering unterstützt. An der Organisation und Durchführung des Fortbildungsseminars beteiligten sich die Firmen Büfa und Multimatic.

Immer mehr Reiniger waschen bzw. reinigen Textilien auch nass. Zahlreiche Textilpflegebetriebe nutzen seit vielen Jahren die Vorzüge von Nassreinigungssystemen als Alternative zur Pflege im organischen Lösungsmittel. Sie gehören zu den Pionieren auf diesem Gebiet und viele bestätigen: Die Textilreinigung im Medium Wasser ist längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen und bietet heute ungeahnte Möglichkeiten. Die Schulung Ende November 2008 bot Gelegenheit, sich über Techniken auszutauschen und das eigene Wissen auf den aktuellen Stand zu bringen. Neulinge erhielten fundiertes Grundwissen in den Bereichen Technik, Verfahren, Hilfsmittel und Bügelei bzw. dem Finish von nass gereinigter Ware.

Das moderne Technikum im Multimatic-Stammhaus bot den Teilnehmern gute Lernbedingungen. „Ein praxiserprobtes, zuverlässiges Nassreinigungssystem, bei dem Wasch-, Trocknungs- und Verfahrenstechnik sowie Finishgeräte perfekt aufeinander abgestimmt sind, bildet die Basis des wirtschaftlichen Erfolgs mit der Nassreinigung“, unterstrich Multimatic-Geschäftsführer Dieter Kampmann. „Profis können Endverbrauchern gegenüber werbewirksam und überzeugend damit argumentieren, dass sie mit umweltfreundlichen, energiesparenden Maschinen und Geräten arbeiten, die mit der Haushaltstechnik eben nicht zu vergleichen sind.“ Dieter Kampmann und Jürgen Lindenkamp, neuer Mitarbeiter in der Multimatic-Geschäftsleitung, beantworteten technische und betriebswirtschaftliche Fragen. Die System- und Verfahrenstechnik, bestehend aus Girbau-Hochleistungs-Waschschleudermaschinen und -Trocknern, Multimatic-Finishgeräten und Büfa-Produkten, lasse sich an den individuellen Bedarf jedes Betriebes anpassen. Wie Pamela Krix machte Dieter Kampmann in diesem Zusammenhang auf den wirtschaftlichen Nutzen von Zusatzgeschäften – Bettenservice, Arbeits- und Schutzbekleidung, Sport- und Outdoorbekleidung, Heimtextilien, Pferdedecken, Leder- und Motorradbekleidung etc. – aufmerksam, die durch moderne Nassreinigungssysteme möglich werden. „Spannend waren diesmal vor allem die konstruktiven Diskussionen zwischen den alten Hasen und den Neueinsteigern“, resümierte Pamela Krix aus der Abteilung Forschung und Entwicklung im Hause Büfa. Die Referenten hatten für ein rundes und anspruchsvolles Fortbildungskonzept gesorgt: von der Warenkunde über die fachgerechte Sortierung, die richtige Befüllung und Programmierung der Maschinen und Trockner, bis hin zum perfekten Finish. Bei der Bügelei brachte die selbstständige Textilreinigerin Andrea Hering ihr wertvolles Fach- und Praxiswissen ein: „Mit dem richtigen Know-how und erprobter Technik lassen sich selbst schwierige Teile problemlos und einwandfrei bügeln.“ Sie demonstrierte am Saug-Blas-Bügeltisch ihr Fingerspitzengefühl, gab konkrete Anleitung und praktische Tipps. Die Praktiker zogen ein klares Fazit: „Nassreinigung ist eine wirtschaftlich attraktive Ergänzung zur Reinigung im Lösungsmittel und aus der Profipflege nicht mehr wegzudenken.“ Der Trend zur waschbaren Garderobe werde sich weiter fortsetzen. Außerdem könne sich die Branche damit von der Haushaltswäsche deutlich abgrenzen. „Wer beispielsweise die Hygienevorteile gezielt kommuniziert, hat beste Chancen, sich als Fachbetrieb zu profilieren“, sagte Pamela Krix. Andererseits werde es selbstverständlich weiterhin Textilien geben, die grundsätzlich im Lösungsmittel besser aufgehoben seien, beispielsweise Seidenbetten. „Um sichere Entscheidungen für das geeignete Verfahren treffen zu können, informieren und beraten wir die Seminarteilnehmer und ermöglichen ihnen, eigene, hautnahe Erfahrungen zu machen. Gleichzeitig wollen wir vermitteln, wie wichtig eine fachgerechte Vorsortierung der Textilien ist“, betont Peter Schwarz. Als Textilreinigermeister hat er einige Erfahrung, wie sich Reklamationen bereits im Vorfeld vermeiden lassen: „Wir wollen für den sorgsamen und bewussten Umgang mit Textilien sensibilisieren und bewusst machen, dass es sich um die persönlichen Bekleidungsstücke unserer Kunden handelt, an denen möglicherweise deren Herz hängt. Wenn wir unseren Kunden bereits bei der Warenannahme glaubhaft vermitteln, dass wir verantwortungsvoll damit umgehen, erhöhen wir das Vertrauen in unsere Dienstleistung.“ Eine sorgfältige Sortierung durch geschultes Personal sei eine immens sinnvolle Vorarbeit, die sich schließlich im Reinigungsergebnis auszahle.

Den Wert des kollegialen Fachaustausches bewerteten alle Teilnehmer/-innen zusätzlich zur eigentlichen Schulung als sehr positiv. Dafür hatten viele einen langen Weg zurückgelegt. Ein dänischer Textilpflegeunternehmer, der über die deutsche Fachpresse auf das Seminar aufmerksam gemacht wurde, fuhr mehr als 700 km und war am Ende des Tages absolut zufrieden. Seine Erfahrungen auf dem dänischen Markt erlaubten einen interessanten Blick über die Landesgrenze. So war es für viele nahezu unvorstellbar, dass der dänische Kollege 99,7 Prozent seiner Ware in der Nassreinigung behandelt. In Dänemark erhielt er dafür einen Umweltpreis. Maßgebend für den deutschen Markt, das unterstrichen Pamela Krix und Peter Schwarz, sei jedoch die Textilkennzeichnung. Sie garantiere, dass sich die Reiniger/-innen fachlich auf der sicheren Seite bewegen. Nur das „W im Kreis“ sei verbindlich. Einsteigern rät das Fortbildungsteam, sich grundsätzlich an die Pflegekennzeichnung, die Faserzusammensetzung und die Empfehlungen von Verfahrenstechnikern der Hilfsmittelindustrie zu orientieren. Damit könnten unnötige Risiken vermieden werden. rwt