Kundenansprache optimieren Schaufenster zum Anfassen

In Zukunft werden nicht Nasen, sondern Finger am Schaufenster plattgedückt. Ein neues, interaktives System ermöglicht es den Kunden, beim Schaufensterbummel die Informationen per Fingerdruck abzurufen, die gerade gewünscht sind – und das unverbindlich an der Scheibe. Was der Einzelhandel bereits praktiziert, ist auch für Textilreiniger interessant.

Freude beim Kunden und Verkäufer, denn Fingerabdrücke signalisieren Kundeninteresse.
Freude beim Kunden und Verkäufer, denn Fingerabdrücke signalisieren Kundeninteresse. - © Engram

Wer sich früher geärgert hat, weil Passanten ihre Finger auf die Schaufensterscheibe gedrückt haben, und dann mit dem Putzlappen die Spuren der Neugierde beseitigt hat, wird sich nun freuen. Jetzt ist das Fingern wieder erlaubt, zumindest in Bremen.

Ein Modehaus in der Innenstadt freut sich regelrecht über viele Tupser und Abdrücke, denn das signalisiert Interesse am Sortiment – oder zumindest an der Technik. Denn wer hier seinen Schaufensterbummel macht, kann beim sogenannten Windowtainment per Fingerdruck interaktiv shoppen, und das ganz unabhängig von den Ladenöffnungszeiten.

Das Prinzip ist ganz einfach: Scheibe berühren und schon werden die Neugierigen mit Wareninfos versorgt – ganz individuell nach Interesse. Dank der von Touchscreens bekannten Interaktionsoberfläche entsteht eine neue Form der Kundenansprache. Ohne bunte Pappschilder.

Digitalisierung in der Kundenansprache

Viele Unternehmen der Textilbranche setzen schon auf Digitalisierung in der Kundenansprache. Monitore zeigen Kurzfilme, die Produkte oder Verfahrenstechniken vorstellen. Allerdings laufen diese Filme meist in einer Endlosschleife und der „Zuschauer“ hat keine Möglichkeit, einzelne Sequenzen auszuwählen. Windowtainment scheint diese Probleme bewältigt zu haben. Der Betrachter "toucht" sich selbst durch die Präsentation – so lange und wohin er möchte – quer durchs virtuelle Angebot.

Unterstützt vom Wirtschaftsförderer BIG Bremen realisierte das Modehaus Meyer in Zusammenarbeit mit dem Bremer Softwareunternehmen Engram das futuristische Projekt mit dem Namen Windowtainment. Durch speziell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Unternehmen zugeschnittene Programmierung ist das System stets individuell, orts- und branchenunabhängig einsetzbar. Denkbar sind neben Modehäusern alle anderen Branchen wie Textilreinigungen, die derzeit oft ihre aktuellen Angebote und Aktionen allwöchentlich in Papierformat aushängen.

Das interaktive Schaufenster

Bei dem System befindet sich hinter dem Schaufenster ein Datenprojektor, der sämtliche Bilder auf die Rückseite der speziell beklebten Fensterscheibe überträgt. Ein hochkapazitives System erfasst die Bewegung des Fingers und rechnet diese in entsprechende Mausbewegungen um. Mittels dieser Bildauswertung und der Software wird so die Interaktion des Kunden mit dem Schaufensterbild möglich. Praktisch daran ist, dass es durch die Innenbereichinstallation vor Vandalismus geschützt und unempfindlich gegen Schmutz, Feuchtigkeit und Regen ist. Bauliche Maßnahmen sind laut Anbieter für die Realisierung kaum nötig.

"Klassische Präsentationen wie Printplakate bieten lediglich statische Informationen in einer Momentaufnahme", kennt Jens Wünderlich, Geschäftsführer von Engram, die Vorzüge der Entwicklung. Er schätzt, dass schon bald die Kunden direkt am Schaufens-ter eigene Bekleidungskombinationen zusammenstellen und bewerten lassen können.

Eine wahre Hilfe für Menschen ohne jegliches Gespür für die perfekte Kombination von Jacke und Hose. Schnitt, Farbe – der eigene Zeigefinger löst diese Probleme und das, ohne befremdliche Blicke von Ehegatt(inn)en oder Modeprofis zu ernten. Denkbar sind alle möglichen Erweiterungen. So könnten auch Waschanleitungen oder besondere Hinweise für die Reinigung verfügbar sein. Auch abrufbare Informationen zu den nächstgelegenen Reinigungen sind denkbar, damit der Kunde nach dem realen Modeshopping auch gleich weiß, wohin mit dem guten, perfekt sitzenden Stück, wenn’s bekleckert ist.

Lohnt sich das neue Schaufenster für Textilreiniger?

Für die Reinigungsunternehmen selbst bietet es sich an, den Kunden jeweils per Fingerdruck zu erklären, warum welche Textilien wie gereinigt werden müssen. Reinigungsverfahren können auf Abruf vorgestellt werden und Sonderangebote nicht mehr ans Fenster geklebt, sondern leicht veränderbar dorthin projiziert werden ...

Doch bei all diesen Möglichkeiten bleibt eine bedeutende Frage: Welches Mittelchen eignet sich am besten, die vielen Fingertupfen wieder wegzupolieren? ... Es lebe der Erfindungsgeist!