Optimierung der Betriebsabläufe Einsparpotenzial Intralogistik

Geht es um Einspar- und Optimierungsmöglichkeiten, lohnt es sich für Textilreinigungen und Wäschereien, die innerbetriebliche Logistik zu überdenken. Eine sinnvolle Intralogistik kann Einsparpotenzial, Mitarbeitermotivation und Kundenservice zugleich sein.

Logistik, die den Kunden freut: 24-Stunden-Annahmeservice, hier in der Textilreinigung Masser in Österreich.Foto: Noex - © Noex

Einsparpotenzial Intralogistik

Intralogistik umfasst alle innerbetrieblichen Vorgänge logistischer Material- und Warenflüsse. Sie setzt schon bei der Frage an, wie schmutzige Wäsche am schnellsten und einfachsten zur Wasch- oder Reinigungsmaschine gelangt. Dabei sollte der Transport keine anderen innerbetrieblichen Vorgänge stören oder gar aufhalten, wie es etwa der Fall ist, wenn beispielsweise sperrige Rollcontainer im Weg stehen. Logistik geht aber noch weiter: Die Zuordnung der Wäsche zum Kunden, Kassieren, innerbetrieblichen Abläufe – all das gehört zur Intralogistik. Um Abläufe aufeinander abzustimmen und zu optimieren, wenden viele Unternehmen mittlerweile spezielle Software an. Zahlreiche Wäschereie setzen auf die Unterstützung durch ERP (Enterprise Resource Planning)-Systeme. Dahinter verbergen sich oftmals komplexe Softwaresysteme, die den effizienten Einsatz aller Ressourcen des Unternehmens für den betrieblichen Ablauf planen. Für Großunternehmen unentbehrlich, rechnet sich die Anschaffung aber auch für Betriebe mittlerer Größe. Mit einem ERP-System hat beispielsweise auch die Wäscherei Büchele in Göppingen ihre logistischen Herausforderungen in den Griff bekommen. Wichtig ist dem Unternehmen gewesen, dass das System ausfallsicher gestaltet werden konnte, damit der Betriebsablauf nicht gestört wird. Die Wäscherei hat dabei auf Software zurückgegriffen, die durch Updates an den eigenen Betriebsablauf angeglichen werden konnte. Das ist wichtig, wenn der Betrieb wächst oder neue Unternehmensfelder erschlossen werden. In vielen Betrieben erhalten Mitarbeiter über Kennzeichnungssysteme wie RFID, Chips oder Barcodes Informationen über die einzelnen Textilien. Um damit effizient umgehen zu können ist wichtig, dass die Mitarbeiter an den jeweiligen Arbeitsstationen nur die Informationen erhalten, die sie für ihre Arbeit benötigen. Zur Verwaltung und Überwachung der betriebsinternen Abläufe über den Produktions-, Verpackungs-, bis hin zum Lieferprozess bieten zahlreiche Hersteller unterschiedliche Systeme an. Dabei sollten Sie darauf achten, dass es sich entweder um Systeme handelt, die so flexibel gestaltet sind, dass sie in verschiedenen Branchen eingesetzt werden können und somit auch für Wäschereien und Reinigungen problemlos angewandt werden können. Oder Sie entscheiden sich für eine individuelle Lösung, die sich an Ihren Wünschen orientiert, um spezielle innerbetriebliche Ansprüche zu befriedigen. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt die Be-wasch GmbH in Singen. Zunächst einmal können Kunden rund um die Uhr über einen Annahmeautomaten ihre Schmutzwäsche abliefern und diese dort auch wieder abholen. Das bedeutet, dass hier das Unternehmen mit Hilfe eines Logistiksystems auf Rundumservice setzen kann. Damit werden die Arbeitsbereiche Logistikmanagement und Kundenservice direkt miteinander verbunden. Ein weiterer Vorteil der hier angewandten Intralogistik ist für den Kunden nicht sichtbar. Es ist die Arbeit hinter den Kulissen, die hier von körperlich, geistig und psychisch behinderten jungen Menschen erledigt wird. Die einfachen und überschaubaren Aufgaben erfüllen dabei ihren Alltag, außerdem wirkt sich die Tätigkeit durch das „Gebrauchtwerden“ positiv auf das Selbstbewusstsein der jungen Menschen aus. Keine Waschstraße ist hier installiert, sondern die Mitarbeiter übernehmen die Aufgaben wie beispielsweise das Befüllen und Programmieren der Maschinen. Das vorhandene, innerbetriebliches IT-Logistiksystem mit Transportrobotern sorgt lediglich für die richtigen „Wege“ von einer Station zur nächsten, bis die Wäsche im Regalsystem landet. Per Knopfdruck kann der Kunde am Abholautomaten darauf zugreifen und seine saubere Wäsche abrufen. Ein Beispiel das zeigt, wie sinnvoll individuelle Intralogistik sein kann. Dieses Automatensysteme findet schon in zahlreichen Reinigungen Anwendung, wie auch im österreichischen Klagenfurt bei der Textilpflege Masser, wo der Kunde den Automaten mit einer eigenen Kundenkarte bedienen kann. Auch der Kassenbon oder die Quittung dienen darüber hinaus als Zugangsberechtigung. Wichtig für die Organisation der innerbetrieblichen Logistik ist aber nicht nur die Anwendung einer geeigneten Software, sondern auch die geeigneten Arbeitsmittel wie z. B. Rollcontainer. Anbieter gehen immer mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen Unternehmen ein und gestalten ihre standardisierten Produkte um oder erweitern das Portfolio. Bei der Produktgestaltung zeigen sich die Hersteller flexibel und ideenreich. So sind Rollcontainer mit und ohne Einlegeböden erhältlich, verschiedene Größen werden angeboten und es gibt sie mit und ohne Kleiderstange. Intralogistische Innovationen beschäftigen sich aber auch mit dem Arbeitsschutz, damit in Reinigungen und Wäschereien Mitarbeiter so wenig Kontakt wie möglich mit eventuell kontaminierter Krankenhaus- oder Pflegeheimwäsche haben.

Dass sich gerade in der letzten Zeit viel in der Intralogistikbranche getan hat, zeigen die Zahlen der Intralogistikbranche des vergangenen Jahres. Gegenüber dem Vorjahr sei der Umsatz um 17 Prozent auf 18,6 Milliarden Euro angestiegen. Nach Angaben des VDMA geht etwa die Hälfte der deutschen Intralogistikproduktion in den Export. Mit dem Umsatzgewinn ist auch die Zahl der Arbeitnehmer auf rund 95.000 gestiegen. Nach Christoph Hahn-Woernle, Sprecher des Forums Intralogistik im VDMA, hätte diese Wachstumrate noch höher ausfallen können, leide die Branche nicht unter einem starken Nachwuchsmangel. Iris Stelter

Infos: www.vdma.org/il