Der Textileinkauf im Gesundheitswesen wird vor allem von einem rigorosen Sparzwang dirigiert. Dabei sollten die Einkaufsabteilungen auf die Qualität achten, denn ein billiger Einkauf hat hohe Kosten zur Folge und geht zu Lasten der Patienten und Bewohner.
Einsparpotenzial Qualität
Das Gesundheits- und Pflegewesen wird seit Jahren vom Rotstift regiert. Er wird allerorten angesetzt und macht auch bei der textilen Ausstattung für Betten und Bäder keinen Halt. So finden Einkaufsverhandlungen in der Regel ausschließlich unter Kostengesichtspunkten statt.
Frottiertücher und Bettwäsche, Kissen und Einziehdecken sowie die für ein angenehmes Wohnumfeld eingesetzte Tischwäsche werden nicht mehr ihrer Qualität wegen verhandelt, sondern über den billigsten Stückpreis. Als Richtschnur für den Einkauf werden dabei oftmals die Technischen Beschreibungen Deutscher Krankenhausdirektoren e.V. (TB) zugrunde gelegt, deren letzte Aktualisierung 15 Jahre zurückliegt und die damit hoffnungslos überaltert sind. Kriterien, die einen Rückschluss auf die Beständigkeit der Textilien gegenüber der industriellen Pflege zulassen, bleiben dabei meist auf der Strecke. Für eine Bewertung der Ware spielen weder die Maß- und Dimensionshaltigkeit nach der Wäsche noch die Farbechtheit, die mechanische und chemische Belastbarkeit von Farben und Fasern, das Pillingverhalten oder der Griff eine Rolle. Das einzig wahre Argument scheint der Preis zu sein, der durch möglichst langjährige Abnahmeverträge zusätzlich gesichert werden soll.
Doch die ausschließlich auf Euro und Cent begrenzte Beschaffungspolitik des Gesundheitswesens kommt alle Beteiligten teuer zu stehen. Denn der Druck auf den Preis wirkt sich unmittelbar auf die Qualität der eingesetzten Produkte aus. Um die vom Krankenhaus oder Altenheim geforderten Abgabepreise erfüllen zu können, müssen die Anbieter zwangsläufig auf Importe aus Billiglohnländern zurückgreifen. Doch die meist in Fernost hergestellten Produkte entstammen in der Regel keiner durch ein Quality Management-System zertifizierten Produktionsstätte. Der Anteil der 1B-Artikel fällt entsprechend höher aus. Außerdem besteht die Gefahr, dass eine Lieferung nicht den in einem Kontrakt beschriebenen Parametern entspricht und sich deshalb die Lebensdauer eines Textils erheblich verkürzt. Eine Veränderung der Warenqualität kann zudem auch weitreichende Konsequenzen für die Aufbereitung haben, wie man bei Arnold Kock in Steinfurt weiß. Ein ungeplanter Wäscheschrumpf etwa wirkt sich nachhaltig auf den gesamten Mangel- und Legeprozess aus. Abgesehen davon müssen zu kleine Laken oder Bezüge vorzeitig aus dem Wäschekreislauf ausgesondert werden. Das alles führt zu höheren Folgekosten, die schnell durch geringe Einkaufspreise aufgezehrt werden können.
Echte Einsparpotenziale hingegen liegen in Produkten, die speziell auf die Bedürfnisse der Wäschereien im Krankenhaus- und Pflegebereich zugeschnitten sind, und deren Qualitätsparameter schriftlich garantiert werden können. Löning Hospitex hat dies an einer beispielhaften Rechnung ermittelt. Das Unternehmen hat die Anschaffungs- und Waschkosten eines der TB 21 entsprechenden, 175 g/m² schweren Baumwoll-Kappenlakens ermittelt. Diese Werte wurden mit denen eines Spannbettlakens aus einer 150 g/m² schweren 60/40 Polyester-Baumwoll-Mischung verglichen. Dabei stellt sich heraus, dass trotz der erheblich höheren Anfangsinvestition das Spannbettlaken dennoch die wesentlich günstigere Lösung ist. Ursache hierfür ist dessen geringes Gesamtgewicht – ein Produkt aus der leichteren Grundware und der auf Bedienerfreundlichkeit ausgelegten Konfektion. Während ein Kappenlaken über 800 Gramm auf die Waage bringt, wiegt das Spannbettlaken der Norddeutschen nur 480 Gramm. Dieser Gewichtsunterschied wirkt sich direkt auf die Waschkosten aus: für denselben Aufwand lassen sich anstelle von sechs Kappenlaken zehn Spannbettlaken industriell aufbereiten. Doch da die wenigsten Krankenhäuser noch über eine eigene Wäscherei verfügen, werden die Auswirkungen der Textil-Beschaffung auf die nachfolgenden Prozessstufen kaum noch in die Überlegungen einbezogen. Daher bleibt es den Wäschereien überlassen, ob sie sich für eine ungewisse Warenqualität aus Billiglohnländern oder für die teureren, aber hoch funktionellen, leasingtauglichen Produkte mit Qualitätsgarantie entscheiden. Grundsätzlich bieten die Hersteller und Großhändler beides an, denn auch sie müssen den Ausschreibungen der Krankenhäuser und Pflegeheime entsprechen können. Doch es sind oft die funktionellen Textilien, die einen Mehrwert schaffen – und zwar für die Wäscherei und den Patienten, um dessen Wohl es eigentlich gehen sollte. Hier ein Beispiel: Die Gebr. Heinemann in Neuss etwa führen zwar ein Kappenlaken der TB 21 im Programm, doch für die beste Lösung hält das Unternehmen ein Spannbettlaken aus einem plattierten Gewirk. Dieses ist wie ein Sandwich aufgebaut. Die dem Patienten abgewandte Seite besteht aus einem reinen Polyestergewirk, das für eine hohe Haltbarkeit, Maßstabilität und Maschenzugfestigkeit sorgt, die Trocknungsgeschwindigkeit verbessert und das Gewicht reduziert. Die dem Patienten zugekehrte Seite wiederum wird aus einem Gewirk aus reiner Baumwolle gebildet, das ein gutes Saugvermögen besitzt und einen hohen Liegekomfort ermöglicht. Durch diese Verbindung entsteht ein Laken, das die vielfältigen Anforderungen der Wäschereien erfüllt. Gleichzeitig bietet es ein hohes Maß an Annehmlichkeit für den Patienten, zumal ein Spannlaken glatt und faltenfrei auf dem Bett aufliegt und damit die Bildung von Druckstellen verhindert.
Noch ein Stück weiter geht die van Clewe Vita Tex aus Hamminkeln. Das Unternehmen hat mit Vita Trend Bi-Stretch einen elastischen Stoff entwickelt hat, der eine von den Hohensteiner Instituten nachgewiesene antimikrobielle Wirksamkeit gegen MRSA-Keime (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) besitzt. Das für Bettwäsche, Bettlaken, Matratzenbezüge und Spannbetttücher geeignete schwer entflammbare Textil kann damit die Gefahr von MRSA in Krankenhäusern sowie in Alten- und Pflegeheimen verringern helfen. Den Nutzen haben das Pflegepersonal, der Patient und die Wäscherei, denn das Material ist zudem industriell waschbar und Allergikergeeignet.
Hygienische Aspekte standen auch bei Dyckhoff aus Rheine im Vordergrund, als das Unternehmen sein Konzept vom hygienischen Krankenhausbett entwickelte. Der Hersteller bietet Handtücher, Bademäntel, Bettwäsche und Mehrwegunterlagen aus antimikrobiellen Frottierqualitäten an. Die Wirksamkeit der Wäsche gegen Mikroorganismen wird durch die Verwendung von Trevira Bioactiv, einer antimikrobiellen Polyesterfaser, erzielt. Bei den meisten Artikeln wird diese mit Baumwolle gemischt, wodurch sich ein Hautsympathisches, saugfähiges, weiches und industriell waschbares Textil einstellen lässt.
Im Krankenhaus und der Altenpflege spielen aber noch weitere textile Produkte eine wichtige Rolle: Kissen und Einziehdecken. Auch sie unterliegen einem harten Preisdruck und auch hier stellen sich die Hersteller auf eine große Bandbreite von Artikeln ein. Sie reicht von preiswerten Standards bis zu hochwertigen Spezialprodukten. Dabei variieren Hersteller wie Lück aus Bocholt verschiedene Qualitätsmerkmale. Während Allergikereignung und Kochwaschbarkeit, die Möglichkeit des Autoklavierens und eine gute Beständigkeit bei vielen Waschzyklen zur allgemeinen Grundausstattung von Kissen und Einziehdecken zählen, bestimmt die Füllung die Güte von Kissen. Denn ein für das Gesundheitswesen geeignetes Kissen sollte weich sein und eine hohe Stützwirkung haben. Das Füllmaterial darf trotz häufigen Waschens nicht klumpen und es sollte sich gut aufschütteln lassen. Um eine Hitzebildung zu verhindern, muss es außerdem eine hohe Luftzirkulation ermöglichen. Bei Einziehdecken hingegen gehören eine ausgezeichnete klimatisierende Wirkung, eine gute Anpassung an die Körperkontur, ein angenehmes Volumen und ein weicher, geschmeidiger Griff zur Kür.
Um dieses Problem zu lösen, bietet Löning Hospitex seit einiger Zeit ein so genanntes Betten-Audit an. Diese Untersuchung eines Krankenhaus- und Altenheimbetts bezieht das gesamte Umfeld ein. Sie umfasst Matratze, Inkontinenzunterlage und Schonbezug, Lagerungshilfe und Bettwäsche, Kissen und Einziehdecken. Dabei wird auch die jeweilige Pflegesituation der Patienten und Pflegebedürftigen bedacht, denn deren Gesundheitszustand verlangt zum Teil sehr verschiedene Ausstattungen eines Bettes. Am Ende sprechen die Hamburger eine Empfehlung aus, von der alle profitieren: das Krankenhaus und das Altenheim, die Wäscherei, die Pflegekräfte und der Patient.
Einer langfristigen Erhöhung der Pflegequalität sollte damit nichts mehr im Wege stehen. Und wenn doch, sollten sich die Verantwortlichen einmal kritisch fragen, wie sie in Folge einer Krankheit oder des Alters gebettet werden wollen.
Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach