Logistik im Textilleasing Fahren oder fahren lassen?

Der Transport der Wäsche vom Betrieb zum Kunden und wieder zurück gehört nicht zu den Kernkompetenzen einer Wäscherei. Daher lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob man einen Fuhrpark selbst organisieren oder fremdvergeben möchte. Beide Varianten bieten Chancen und bergen Risiken.

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    Ein Auslieferungsfahrzeug aus den 50er Jahren.
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    Heute verfügen Textilleasing-Unternehmen über Fuhrparks mit mehreren Fahrzeugen.Foto:DBL

Fahren oder fahren lassen?

Wäschereien und Textilleasing-Unternehmen sind Dienstleistungsbetriebe, die ihren Kunden Leistungspakete anbieten, die für den Kunden aus dem Abholen, Aufbereiten und Zurückbringen der gekauften oder gemieteten Wäsche bestehen. Komplettangebote werden immer beliebter und verstärkt nachgefragt. Dabei ist die Kernkompetenz einer Wäscherei – das sachgemäße Aufbereiten der Wäsche – neben Beratung, Logistik und Management nur noch ein Teil des breiten Aufgabenspektrums der Geschäftsführung.

Outsourcing ist schon lange nicht mehr ausschließlich das Erfolgskonzept von großen, international agierenden Unternehmen. Auch Mittelständler nutzen die Angebote von Agenturen und Dienstleistern und lagern aus: IT, Personalwesen, Rechnungsstellung oder Services wie die Gebäudereinigung oder die Wäschebearbeitung. Für textile Dienstleister selbst, die ihren Kunden externe Leistungen anbieten, könnte die Verlagerung der Logistik an einen externen Partner interessant sein. Dies lohnt sich, wenn dadurch z.B. bei gleicher Kundenzufriedenheit Kosten eingespart werden können. Wer die Situation in seinem Fuhrpark überdenken möchte, sollte dieses Projekt mit einer Istanalyse beginnen. Denn die Frage „Pro oder contra Outsourcing?“ ist ausschlaggebend für die strategische Unternehmensführung und hat langfristige Folgen – egal, ob man sich dafür oder dagegen entscheidet.

Wenn der Kunde dem Wäscher seine Textilien überlässt, spielt das Vertrauen in die Leistung der Wäscherei eine große Rolle. Der Kunde fragt sich, ob die Dienstleistung von A wie Abholen bis Z wie Zurückbringen professionell und sorgfältig erfüllt wird. Kann dies jeder Dienstleister garantieren? Da die Geschäftsführer vor allem von kleinen und mittelständischen Unternehmen oft Textilreiniger(meister) sind, gehört das Fuhrparkmanagement nur selten zu den Kernkompetenzen einer Wäscherei. Zwar werden in Ausbildung und Meisterschule auch betriebswirtschaftliche Grundlagen erlernt, da die Logistik jedoch immer anspruchsvoller und komplexer wird, kann es sinnvoll sein, den Fuhrpark an einen externen Dienstleister zu vergeben.

Wer einen Projektleitfaden erstellt, beginnt mit der Istanalyse seines Unternehmens. Neben der Auswertung von Daten und Fakten, die aus der EDV für die Analyse verwendet werden können, helfen folgende Fragen dabei, die logistische Leistungsfähigkeit sowie das Differenzierungspotenzial der Logistik herauszufinden:

-Welche Logistikprozesse habe ich in meinem Unternehmen?

-Wie sieht die Logistikstruktur aus (intern, extern)?

-Welche Technologien setze ich ein (Tourenplaner, -software)?

-Welchen Aufwand und welche Kosten habe ich im Fuhrpark (Personal, Zeit)?

-Wie funktioniert die Zusammenarbeit an den Schnittstellen zwischen Fuhrpark und Wäscherei?

-Wie stark ist der Fuhrpark ausgelastet?

Auch wenn es schwierig ist, sollte auf diese Frage möglichst genau und ehrlich geantwortet werden. Ausreden wie „Das war schon immer so“ oder „Da kann man sowieso nichts ändern“ gelten nicht. Die Haltung eines externen Beraters einzunehmen, kann für eine solche Betrachtung förderlich sein. Gelingt dies nicht, können professionelle externe Berater hinzugezogen werden (z.B. TÜV Süd oder BW Fuhrparkservice GmbH, Troisdorf).

Von der Istanalyse führt der Weg direkt zum Sollkonzept. Welche Benchmarks (Leistungsmaßstäbe) sollen bei Bestand, Kosten und Leistung gesetzt und erreicht werden? Wird eine externe Vergabe angedacht, muss die Dienstleistung des Speditionsbetriebes der Qualität der Eigenleistung entsprechen und in weiteren Aspekten wie Pünktlichkeit oder Kostengünstigkeit überzeugen. Dabei können die Größen- und Spezialisierungsvorteile eines Transportunternehmens genutzt werden.

Die Wissenschaft warnt hier jedoch vor diversen Kosten, die auftreten können: Vertragskosten, bestehend aus Informations-, Anbahnungs- und Vereinbarungskosten, sowie Kontroll- und Anpassungskosten bei der Zusammenarbeit mit dem externen Dienstleister.

Wer sich vorstellen kann, den Fuhrpark an einen externen Dienstleister zu vergeben, stellt sich weitere Fragen, mit denen er die Chancen und Risiken des Outsourcings bewertet:

-Gibt es Kostensenkungspotenziale und/oder Leistungsvorteile für meinen Betrieb?

-Wie könnte ich das Know-how eines Logistikdienstleisters für mich nutzen?

-Welche Wettbewerbs- und Kostenvorteile könnten sich für mich bei einer Zusammenarbeit mit einem externen Logistikdienstleister ergeben?

-Was geschieht mit den Mitarbeitern meines Fuhrparks?

-Wer könnte in meinem Betrieb die Planung, Steuerung und Kontrolle des Dienstleisters übernehmen?

Die Risiken des Outsourcings sind neben den harten Faktoren wie Kosten und Schadensquoten auch weiche Faktoren wie das Ansehen des Unternehmens, der Verlust der Identität und die Mitarbeitermotivation.

An diesem Punkt trennen sich die Wege derjenigen, die den Fuhrpark weiterhin im Unternehmen lassen wollen und derjenigen, die sich für Outsourcing entschieden haben. Erstere halten die Zügel ihres Fuhrparks weiterhin selber in der Hand und haben die Möglichkeit, ihre Touren mithilfe von Software und den Ortskenntnissen ihrer Fahrer weiter zu optimieren.

Die Wahl des passenden Dienstleisters ist für eine Wäscherei eine Aufgabe, bei der man sehr sorgfältig vorgehen sollte. Um zu erfahren, ob ein Dienstleister verlässlich ist, kann die Wäscherei u.a. die wirtschaftliche Lage des Unternehmens überprüfen. Außerdem sollte es ein Unternehmen aus der Gegend sein. Wurde ein Dienstleister ausgesucht, ist die Wäscherei nicht mehr nur Dienstleister für ihre Kunden, sondern auch selbst Kunde eines Dienstleisters. Zur Umsetzung des neuen Konzeptes gehören:ein Dienstleistervertrag, ein Dienstleistermanagement, ein proaktives Risikomanagement sowie Logistik- und Projektcontrolling. Die Entscheidung pro oder contra Outsourcing muss jedeWäscherei für sich treffen. Egal, wie die Entscheidung ausfällt, sie sollte auf keinen Fall ohne genaue Analyse getroffen werden. lin