Funktionalität und günstige Einkaufspreise sind wesentliche Anforderungen, die bei der Beschaffung von Flachwäsche gestellt werden. Doch mit der weltweit einsetzenden Verknappung der Rohstoffe muss ein Umdenken erfolgen, finden die Hersteller leasingfähiger Textilien für Bett, Bad und Tisch.
Flachwäsche – Diener vieler Herren
Leasingfähige Flachwäsche muss die unterschiedlichsten Anforderungen erfüllen. Einerseits soll sie extrem haltbar sein und muss weit mehr als 200 Waschzyklen aushalten. Dabei soll sie maßkonform bleiben, darf ihre Farbigkeit und ihr Gewicht möglichst nicht verändern und sollte selbst extremen Pflegebedingungen – etwa denen einer desinfizierenden Wäsche – trotzen. Stretchartikel wie Spannbettlaken müssen ihre Elastizität behalten und Bordüren von Frottiertüchern dürfen nicht zusammenschnurren wie ein Gummizug. Andererseits müssen die Textilien hautfreundlich, saugfähig und weich sein. Viele Wäschereien fordern zudem den Öko-Tex Standard 100 für gesundheitliche Unbedenklichkeit. Außerdem sollte die Ware zur Einrichtung des auszustattenden Hotels, Krankenhauses oder Heims passen. Und bei alldem muss auch der Preis für die Textilien stimmen.
Um den gestellten Forderungen gerecht werden zu können, werden für die Beurteilung und die eindeutige Beschreibung von Flachwäsche messbare Qualitätskriterien angelegt. Normgerechte Prüfungen, die je nach Wäscheart von der Ermittlung des Flächengewichts bis zur Bestimmung der Chlor- und Peressigsäure-Waschbeständigkeit reichen, liefern eindeutige Kennzahlen, mit denen Produkte bewertet und hinsichtlich ihrer Eignung für die Industriewäsche beurteilt werden können. Die wichtigsten Normen und Prüfungen wurden inzwischen vom Intex-Verband in Eschborn in Mindestanforderungen für die unterschiedlichen Flachwäsche-Arten zusammengestellt. Die Vorgaben für Frottiergewebe und Bademäntel, Tisch- und Bettwäsche sowie Spannbettlaken sind auf der Homepage www.intex-verband.de in der Rubrik Service eingestellt und können auch von Nichtmitgliedern kostenlos abgerufen werden. Allerdings handelt es sich dabei nur um eine Liste von Standards, die ohne die Prüfergebnisse der Hersteller wertlos ist. Erst die Erfüllung der Mindestvorgaben – nach Intex sind geringe Einschränkungen erst bei Prüfergebnissen mit der Kennzeichnung „***“ zu erwarten – garantiert ein leasingtaugliches Produkt. Zu diesen technischen Parametern kommen weitere Kriterien hinzu, die ein leasingtaugliches Produkt ausmachen. Die Kölner Brügelmann Objekt Service fasst diese unter langfristiger Verfügbarkeit der Textilien und einem guten Kundenservice zusammen. Hierzu zählen etwa kurze Lieferzeiten auch bei kundeneigener Ware und eine termingenaue Auslieferung der Wäsche. Doch Bett-, Tisch- und Badwäsche zeichnet sich nicht nur durch ihre Funktionalität aus, sondern sollte auch den Anforderungen des Marktes genügen. Mit dem Megatrend Wellness etwa ist der Bedarf an größeren Frottiertüchern und Bademäntelngestiegen. Floringo aus Obersöchering hat daher sein Badetuchangebot erheblich ausgeweitet und führt selbst Größen von100u200 Zentimetern im Programm. Zusätzlich wurde das leasingtaugliche Sortiment um dichtere und flauschigere Warenqualitäten in höheren Gewichtsklassen ergänzt. Für Hotels mit hohen Ansprüchen stehen inzwischen Waren mit bis zu 680 g/m2 zur Verfügung. Auch der in Rheine beheimatete Frottierwarenhersteller Dyckhoff reagiert mit hochwertigen Produkten auf die gestiegenen Ansprüche des Marktes. Mit einer 600 g/m2 schweren Warenqualität bietet das Unternehmen eine luxuriöse Alternative zu Frottierware in den Gewichtsklassen 400, 450 und 480 g. Gleichzeitig kommt auch mehr Farbe ins Spiel. So kommen Streifendesigns und bunte Unis in Mode. Lemon, Eisblau und Minze etwa werden mit Weiß kombiniert und gemeinsam mit unifarbigen Tüchern dekoriert. Auf der anderen Seite erfreuen sich aber auch Natur- und Terratöne zunehmender Beliebtheit.
Und auch Tischwäsche bekommt neue Kolorits und neue Strukturen. Zwar überwiegen, wie man bei Beirholms Væverier in Kolding beobachtet, noch immer dezente Töne wie Weiß, Champagner, Sekt, Gold, Sand und Elfenbein. Aber in der modernen und der Szenegastronomie setzen sich bunte Töne wie Terrakotta und Schoko, Coffee oder Violett durch. Allerdings wird bei solchen leuchtenden Farbtönen eine entsprechende Farb- und Waschstabilität der Textilien verlangt. Tischwäsche aus reinem Polyester – so die Erfahrungen von Milliken mit Sitz in Düsseldorf – gewinnt daher in diesem Bereich an Bedeutung. Gleichzeitig verändert sich die Dessinierung der Tischwäsche. Auf der anderen Seite steigt im Gastgewerbe die Nachfrage nach luxuriösen Qualitäten und runden Tischdecken für Bankette. Auf den Wunsch der Hotels nach edler Tischwäsche reagiert beispielsweise Arnold Kock Textil aus Steinfurt mit Decken im Damaststil, die florale Jacquardmuster in Weiß und Elfenbein, aber auch in barockem Dunkelrot tragen. Für Bankette hingegen setzen sich übergroße Tischdecken durch, die ohne störende Mittelnaht gefertigt sein müssen. Zu den Anbietern solcher Tücher zählt beispielsweise die Wäschefabrik Zollner aus Vilsbiburg. Das Unternehmen kann die geforderte Qualität in schlichtem Weiß bis zu einem Durchmesser von 320 cm anfertigen. Hochwertige Wäsche hat aber nicht nur Tisch und Bad, sondern auch die Bettwäsche erfasst. Vor allem die gehobene Hotellerie setzt auf Qualität und Design. Das erfährt aktuell der Wäschehersteller Damino in Großschönau, dessen superfeine Damastbettwäsche verstärkt nachgefragt wird. Ein weiterer Trend geht im Gastgewerbe zu großen Betten mit Zierkissen. So beobachtet der Bettwäschehersteller Kettelhack in Rheine, dass die Bettlaken immer größer werden, denn sie müssen zu den breiten Matratzen im Kingsize-Stil passen. Das Unternehmen fertigt daher in jüngster Zeit auch Laken für Matratzenbreiten von 180 bis 200 cm. Während die Kissenbezüge variieren und von 40u40 cm bis 80u60 cm reichen, stehen die Maße der Bettbezüge weiterhin fest; der Standard liegt bei 200u135 cm oder 200u145 cm. Während die Flachwäsche im Gastgewerbe einen Aufwärtstrend erlebt, scheinen Qualität und Design im Gesundheitswesen eine untergeordnete Rolle zu spielen. Zwar finden nach den Erfahrungen der Gebr. Heinemann in Neuss aktuell gestalterische Ansätze bei der Bettwäsche statt, aber dennoch wird der Einkauf in der Regel fast ausschließlich über den Preis entschieden. Bei dieser Entscheidung muss der Käufer jedoch Einschränkungen hinnehmen – und zwar in Bezug auf die Warenqualität. Denn eine geprüfte, leasingtaugliche Wäsche basiert auf einem hochwertigen Prozess. Mit sinkendem Verkaufspreis kann dieses Niveau nicht mehr gehalten werden. Bei der Herstellung der Textilien muss daher etwa am Garn, der Konstruktion, der Ausrüstung oder der Warenprüfung gespart werden. Und das wirkt sich auf die Haltbarkeit der Flachwäsche aus. Doch es ist fraglich, ob dieses Vorgehen in Zukunft einer kritischen Überprüfung standhält. Denn die zunehmende Rohstoffverknappung wird in Kürze zu einer Verteuerung der in der Wäschereibranche eingesetzten Baumwoll- und Polyesterfasern führen. Im vergangenen Jahr stieg allein der Preis für Baumwolle in Deutschland um etwa 15 Prozent! Ähnliches darf zukünftig auch für die an den US-Dollar geknüpften Synthesefasern erwartet werden. Aus diesem Grund wird eine langlebige Qualität immer wichtiger – und zwar auch im Zuge des Trendthemas Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein.
Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach