Jahrestagung der Gütegemeinschaft sachgemässe Wäschepflege in Bad Kissingen Berichte aus Forschung und Praxis

Vom 13. bis 15. September trafen sich die Mitglieder der Gütegemeinschaft in diesem Jahr in Bad Kissingen. Neben einem neuen Termin und Tagungsort gab es in diesem Jahr auch im Vortragsprogramm eine Neuerung: Außer den wissenschaftlichen Referenten aus Hohenstein konnten auch Fördermitglieder ihre neuesten Produkte vorstellen (siehe Kästen).

  • Bild 1 von 10
    © lin
    Führte durch die dreitägige Tagung:Karl-Rainer Dauer, 1. Vorsitzender der Gütegemeinschaft.
  • Bild 2 von 10
    © lin
    Prof. Meinhard Miegel sprach über die alternde Gesellschaft.
  • Bild 3 von 10
    © lin
    Dr. Jan Behringer sprach u.a. über die Chancen und Grenzen der Nanotechnologie.
  • Bild 4 von 10
    © lin
    Petra Klein, Leiterin des Kompetenzzentrums Wäscherei.
  • Bild 5 von 10
    © lin
    Ludger von Schoenebeck,Geschäftsführer der Gütegemeinschaft.
  • Bild 6 von 10
    © lin
    Frank Luther mahnte zur Einhaltung der Hygienepläne.
  • Bild 7 von 10
    © lin
    Dr. Helmut Mucha sprach über die viruzide Wirkung von Waschverfahren.
  • Bild 8 von 10
    © lin
    Dr. Stefan Mecheels, Leiter der Hohensteiner Institute.
  • Bild 9 von 10
    © lin
    Das Thema von Markus Beeh war die Reinigung in CO2.
  • Bild 10 von 10
    © lin
    Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow sprach überInfektionskrankheiten.

Berichte aus Forschung und Praxis

„Epochenwende – von Ende und Neuanfang“: Nicht jeder konnte sich vorstellen, über was Prof. Meinhard Miegel,B.A., wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft Bonn, in seinem so betitelten Vortrag sprechen würde. Sein Thema war das Altern:Nicht das individuelle des einzelnen Menschen, sondern das kollektive frühindustrialisierter Länder Europas, Amerikas, Japans und Australiens. Dieser wirtschaftspolitische Vortrag bildete nicht nur den Einstieg in die ansonsten technisch-wissenschaftlich geprägte Tagung, sondern lieferte auch Diskussionsstoff für Pausen und Tischgespräche. Ein- und Überblicke in bzw. über ihre wissenschaftlichen Forschungen gaben die Referenten der Hohensteiner Institute. Themen waren u.a.:

-Waschen von Textilien mit schmutzabweisender Ausrüstung,

-neue Produkte und Technologien für Wäschereien,

-hygienisches Waschen,

-Reinigung in CO2,

-Marketingstrategien.

Über das Trendthema Nanotechnologie sprach Dr. Jan Behringer, Leiter der Abteilung Textilhygiene und textile Innovationen an den Hohensteiner Instituten. Sein Fazit:Weder Nanokomposit- noch fotokatalytische Ausrüstungen von Textilien sind bisher für industrielle Waschzyklen geeignet, da beide Ausrüstungen auf dem „Aufkleben von Partikeln auf das Textil“ basieren. Wenn eine Aufbereitung künftig möglich wird (bisher liegt sie bei unter fünf Zyklen nach ISO15797), hat sie nicht mehr die Aufgabe, groben, sichtbaren Schmutz zu entfernen (dieser perlt aufgrund der Ausrüstung ab), sondern die Kleidung von Pigmentschmutz, pastösen Substanzen und Gerüchen zu reinigen.

Aus diversen Projekten der Hohensteiner Institute in Zusammenarbeit mit dem Güteausschuss der Gemeinschaft berichtete Petra Klein, Leiterin des Kompetenzzentrums Wäscherei. Hier wurde ein neuer Leitfaden zur Vergabe von Krankenhauswäsche erarbeitet, der Tipps zur Ausschreibung von Krankenhaus- und
OP-Textiliensowie Textilien aus Alten- und Pflegeheimen gibt. Der Arbeitskreis Benchmarking führt sein im vergangenen Jahr zum ersten Mal vorgestelltes Projekt weiter fort. Um die Teilnahmeschwelle zu erleichtern, können die Unternehmen ihre Zahlen jetzt auch online auf der Webseite der Gemeinschaft eingeben.

Neue Produkte und Technologien stellte Ludger von Schoenebeck, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft, vor. Diese wurden in
Praxistests auf ihre Leistungsfähigkeit getestet:

-Die Spül- und Entwässerungstechnik Power Trans Jet von Kannegiesser, Vlotho:Hier wird in der Zentrifuge gespült und entwässert, die Vor- und Klarwäsche erfolgt in der Waschröhre. Dadurch wurde der Frischwassereinsatz nach ersten Praxiserfahrungen auf bis zu 3 l/kg Trockenwäsche reduziert. Von Schoenebeck: „Die Finishqualität der begutachteten Berufskleidung konnte trotz des unterlassenen Cool Downs als gut bewertet werden.“

-Der Wärmetauscher Vent Optimiser der FirmaEcolab, Offenbach: Mit diesem Gerät konnte ein Gütesiegelbetrieb mit einer durchschnittlichen Tagesleistung von 14.000 kg Krankenhaus- und Hotelwäsche seinen Ölverbrauch von 0,15 l/kg Wäsche auf 0,12 l/kg Wäsche verringern. Bei einem angenommenen Literpreis von 50 Cent könnten jährlich 52.500 Euro eingespart werden. Zusätzlich zu dem Wärmetauscher müssen zwei Puffertanks installiert werden, die Wasserdruckschwankungen ausgleichen. Nach den bisherigen Erfahrungen habe sich das Gerät als sehr prozesssicher und wenig pflege- und wartungsbedürftig erwiesen, berichtete von Schoenebeck.

-Eine ebenfalls positive erste Bewertung konnte der Geschäftsführer über die Taktwaschanlage Universal Highline der Firma Jensen, Harsum, abgeben. Die Eintrommel-Doppeltrommel-
Konstruktion habe sich nach ersten Praxiserfahrungen als sehr
flexibel erwiesen, so von Schoenebeck: „Selbst bei extremem Farbwechsel war nur eine Leerkammer notwendig. Die Waschmechanik konnte an unterschiedlichste Warenarten und Verschmutzungsgrade angepasst werden.“

Mit dem Thema Hygiene befassten sich Frank Luther, Dr. Helmut Mucha und Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow. Luther machte darauf aufmerksam, dass bei Hygienekontrollen immer wieder die zulässigen Keimzahlen auf der trockenen Wäsche überschritten werden. Verursacht werde dies durch sogenannte aerobe Sporenbildner, d.h. durch Bakterien, die in der Lage sind, Sporen zu bilden. Die Empfehlung des Referenten: Hygienevorschriften müssen strikt eingehalten werden, da Sporen gegen die meisten Desinfektionsmittel resistent sind und sich im Prinzip nur durch eine mechanische Reinigung entfernen lassen.

Dr. Helmut Mucha berichtete über ein Forschungsvorhaben des Instituts für Hygiene und Biotechnologie, in dem Nachweismethoden für Viren erforscht werden. In diesem Zuge soll auch die viruzide Wirksamkeit von desinfizierenden Waschverfahren validier- und überprüfbar gemacht werden. Eine weitere Aufgabe sei es, die Virenbelastung im Prozesswasser, auf der Feucht- und Trockenwäsche zu prüfen.

Über Infektionserkrankungen der letzten Jahre und die Verantwortung der Wäscherei zur Begrenzung ihrer Ausbreitung sprach
Dr. Klaus-Dieter Zastrow. Das Severe Acute Respiratory Syndrome, besser bekannt unter seiner Abkürzung SARS, trat zum ersten Mal im November 2002 in China auf und wird durch sogenannte Coronaviren ausgelöst, die bei rund 80°C in wässriger Umgebung innerhalb weniger Minuten inaktiviert werden könnten. Da bisher jedoch wenige Daten der Erkrankung vorliegen, rät Dr. Zastrow im konkreten Fall die Wäsche als Infektionswäsche bei einer Temperatur über 93°C aufzubereiten. Eine ebenfalls aus Asien stammende Krankheit ist die seit 2003 immer wieder auftretende Vogelgrippe. Wäsche, die mit diesem Virus infiziert ist, müsse mit einem chemothermischen Waschverfahren bei über 60°C aufbereitet werden.

Sogenannte Norwalk- oder Noroviren breiten sich vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen aus und äußern sich in Magen-Darm-Entzündungen. Das infizierte Personal ist dabei die größte Infektionsquelle. Zastrow: „Die Verantwortung der Wäscherei liegt darin, dass die möglicherweise in der Wäsche vorhandene Viren abgetötet werden und dem Kunden Wäsche zurückgeliefert wird, die frei von Krankheitserregern ist.“ Salmonellen, wie sie in diesem Jahr im Klinikum Fulda auftraten, spielten hingegen in der Wäsche keine Rolle und könnten mit einem desinfizierenden Waschverfahren bei 60°C abgetötet werden.

Mit dem Reinigen in komprimiertem Kohlendioxid (CO2), einem intensiv diskutierten Thema aus der Textilreinigung, befasste sich Markus Beeh von den Hohensteiner Instituten: Für Wäschereibetriebe könnte das Reinigen in CO2 für die Vor- und Nachbehandlung interessant sein. „Wie die Ergebnisse der Forschungsarbeiten gezeigt haben, ist CO2 ein gutes Mittel zur Entfernung von Ölen und Fetten“, erläuterte Beeh. Da die Verfleckungen in der Praxis jedoch meist in Kombination mit Pigmenten auftreten, könnten diese im Vergleich zur Reinigung in Per nur zu 20 bis 50 Prozent entfernt werden. Abhilfe könnte hier ein neues Verfahren des amerikanischen Herstellers R.R. Street – der sogenannte Solvair-Prozess – schaffen. Hierbei wird die Charge in Polyglykolether gereinigt und anschließend mit flüssigem CO2 ausgespült. Hingegen habe sich die Annahme, Reinraumtextilien ließen sich besonders gut mit CO2 reinigen, nicht bewahrheitet. Weitere laufende bzw. beantragte Forschungsvorhaben stellten Dr. Jan Behringer, Markus Beeh und Dr. Dirk Höfer vor. Dazu gehören:

-Entwicklung eines Vorhersagemodells zur Glanzbildung von Corporate-Identity-Kleidung aus Wolle und Wollmischungen.

-Optimierung der Pflegbarkeit und Langlebigkeit flammhemmender Textilien mit dem Ziel, flammhemmende Textilien und die dazugehörenden Wiederaufbereitungsprozesse zu optimieren.

-Einfluss der Waschbedingungen auf die Mangelgängigkeit von Flachwäsche:Um Wäschereien einen Maßnahmenkatalog zur sicheren Vermeidung von Mangelproblemen an die Hand zu geben, sollen in empirischen Untersuchungen die Parameter Restfeuchtigkeit, Ablagerungen und Appreturen anhand eines repräsentativen Durchschnitts von Textilien erforscht werden.

-Entwicklung einer effizienten Desinfektionsmethode für sporenbelastete Prozesswässer in gewerblichen Wäschereien: Ziel dieses Vorhabens ist es, praxiserprobte Verfahren zur Sporenreduktion zu definieren.

Ebenfalls praxisnah gestalten sich die Marketingaktivitäten, die die Hohensteiner Institute für die Mitgliederbetriebe betreiben. Sie wurden von Dr. Stefan Mecheels und Rose-Marie Riedl vorgestellt. Dabei werden die Zielgruppen der Wäschereien direkt angesprochen und Veröffentlichungen in Fachzeitschriften forciert. 70 Betriebe haben seit dem vergangenen Jahr mit dem Flyer „Überwachte Hygiene und Qualität vonTextilien“ sowie „Individuelle Dienstleistungen für Hotel- und Gastronomie“ bei ihren Kunden geworben. Auf der Webseite der Gütegemeinschaft stehen außerdem Mustertexte und Checklisten für ein individuelles Direktmarketing bereit.

Eine Untersuchung zur Textilhygiene in Hotels soll die Basis für Vorschläge zum textilen Qualitätsmanagement bilden. Ein Textilhygienesiegel für Hotels werde kontrovers diskutiert, so Rose-Marie Riedl, da der Dienstleister lediglich die Qualität bei der Anlieferung garantieren kann, nicht jedoch zu dem Zeitpunkt, zu dem der Endverbraucher mit dem Textil in Berührung kommt. Auch die Zielgruppe der Alten- und Pflegeheime soll z.B. mit einem Flyer über die Vorteile des Outsourcings informiert werden. lin