Vollautomatische Textilverwaltung Schluss mit der Suche

Eine höchst unangenehme Situation für alle Textilreiniger: Der Kunde steht im Geschäft und wartet auf seinen Auftrag, doch der ist erst nach längerem Suchen auffindbar oder im schlimmsten Fall sogar falsch ausgegeben worden. Ein vollautomatisches Transport- und Speichersystem verspricht in solchen Fällen Abhilfe.

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    Oswald Nieberle in seinem Büro.
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    Auf einen Blick erfährt die Ladnerin, wo sich der Kundenauftrag befindet.
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    Das Label mit dem aufgepatchten Barcode enthält alle relevanten Daten.
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    Müssen größere Mengen Kleidung verwaltet werden, können auch mehrere Entnahmearme installiert werden. Über diese rutschen die benötigten Kleidungsstücke aus den Speicherbahnen.
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    Ein Transport- und Speichersystem ist auch die Voraussetzung für einen 24-Stunden-Service.

Schluss mit der Suche

Eine erfolgreiche Logistik sorgt dafür, dass Material- und Informationsfluss optimal funktionieren und so alle Ressourcen effizient eingesetzt werden können. Am Schluss dieser Logistikkette steht bestenfalls der zufriedene Kunde. Dieser soll, wie ein Lehrsatz der Logistik besagt, zur richtigen Zeit, mit der richtigen Menge und der richtigen Qualität am richtigen Ort versorgt werden.

„Gerade die Erfüllung der logistischen Aufgabe ist jedoch der schwache Punkt vieler Textilreinigungen“, weiß Oswald Nieberle, Geschäftsführer von Noex, Mindelheim, einem Hersteller von logistischen Systemen und Finishinggeräten für Textilreinigungen. Nachdem der Unternehmer diese Problematik in der Praxis immer wieder beobachtet hatte, entwickelte er mit einem Team aus Fachleuten vor drei Jahren ein Transport- und Speichersystem zur Textilverwaltung. Einsatz finden die Systeme, die bei der Installation den jeweiligen Anforderungen des Auftraggebers und den Gegebenheiten vor Ort angepasst werden, nicht nur in Textilreinigungen und Wäschereien, sondern auch überall dort, wo große Mengen Kleidung verwaltet werden müssen. So unterstützt z.B. ein Speicher- und Transportsystem des Herstellers seit vier Jahren die Berufskleiderverwaltung des Münchener Flughafens.

In welchen Betrieben lohnt sich eine vollautomatische Verwaltung? „Überall dort, wo immer wieder Probleme in der Logistik auftauchen und der Überblick fehlt“, sagt Nieberle. „Das kann auch schon der kleine Ein- bis Zwei-Mann-Betrieb sein. Denn sobald ein Kunde am Tresen steht und die Ladnerin erst einmal hinter dem Vorhang verschwindet, um nach dem Kundenauftrag zu suchen oder sich lautstark nach dem Verbleib des Auftrages erkundigt, hat der Kunde schon nicht mehr das Gefühl, kompetent und professionell bedient zu werden.“

Geht ein Kleidungsstück gar verloren, ist der Imageschaden umso größer. „Dass dem Personal auch einmal ein Fehler passiert, ist unvermeidbar. Aber selbst wenn die Fehlerquote durch eine hohe Aufmerksamkeit und Konzentration der Mitarbeiter auf zwei bis drei Prozent sinkt, ist das noch eine viel zu hohe Zahl“, sagt Nieberle. Abhilfe verspricht die Umstellung auf ein vollautomatisches Textilverwaltungssystem. Der Reiniger erfasst zunächst die einzelnen Kleidungsstücke. Der Thermotransferdrucker gibt ein textiles Kennzeichnungsticket mit Barcode aus, der dann auf das Reinigungsgut aufgebracht wird. Ein- und Auslesegeräte können an jedem Arbeitsplatz aufgebaut werden. „Alle Daten, die für den Betrieb an dieser Stelle und für diesen Arbeitsschritt relavant sind, können so erfasst bzw. abgerufen werden“, erklärt Oswald Nieberle. Sinnvoll ist das z.B., wenn ein Mangel oder eine Beschädigung entdeckt wurde. Kommt ein Kunde ins Geschäft, um sich über den aktuellen Stand seines Auftrages zu informieren, kann ihm der Textilreiniger nach einem Blick ins Computersystem sagen, welchen Arbeitsschritt sein Kleidungsstück im Augenblick durchläuft. „Auch wer welches Teil bearbeitet hat, lässt sich nachvollziehen, wenn dies vom Kunden gewünscht ist, so dass man sofort über den richtigen Ansprechpartner informiert ist“, sagt Nieberle. Statt lautem Rufen durch den Betrieb ist nur noch ein leiser Knopfdruck nötig. Zudem wird der Produktionsprozess nicht durch Unruhe und Hektik gestört.

Ist das Kleidungsstück fertig, kann es dem Kunden schnell und zügig ausgehändigt werden. „Besonders hilfreich in Stresssituationen der Rushhour“, meint Nieberle. Auf Knopfdruck (über das Display) lassen sich die gewünschten Kleidungsstücke abrufen und über den Entnahmearm aus den Transportbahnen des Speichermagazins entnehmen. Die Bahnen sind als Standardform erhältlich, können aber auch an die Räumlichkeiten angepasst werden, um die baulichen Gegebenheiten optimal auszunutzen.

„Wenn sich jemand für das System interessiert, sehen wir uns zunächst die Situation vor Ort an und analysieren die Anforderungen des Kunden. Er erhält so eine individuelle Lösung“, sagt Nieberle. Aber auch an vorhandene EDV-Lösungen könne das System angepasst werden. Möchte der Kunde z.B. sein bestehendes Kassensystems behalten, wird dieses eingebunden.

Gekennzeichnet werden kann die Ware auf verschiedene Arten. So ist neben der temporären Kennzeichnung mittels Barcode auch eine permanente Kennzeichnung mit z.B. RFID-Chips möglich – für Nieberle die Methode der Zukunft. „Wenn der Kunde erst einmal überzeugt ist, möchte er die Bequemlichkeit sicher nicht mehr missen. Vor allem Stammkunden könnten dann z.B. einfach ihre Wäsche bringen, ohne lange warten zu müssen. Auch für Bewohnerwäscher aus Seniorenheimen ist diese Art der Auszeichnung ideal und verhindert Missverständnisse.“ Ein solches Transport- und Speichersystem ist auch die technische Voraussetzung für 24-Stunden-Systeme, die mittlerweile immer mehr auch in kleineren Städten zum Einsatz kommen.

Vor Kurzem wurde in einer Filiale der Textilpflege Masser in Klagenfurt/Österreich ein Rund-um-die-Uhr-System installiert. Geschäftsführer Matthias Kolleger will seinen Kunden so einen besonderen Service bieten. Laut Kollegger ist die 24-Stunden-Reinigung die erste in Kärnten. Zugang erhält der Kunde mit seiner Kundenkarte. Auch der Kassenbon oder die Quittung über seinen Auftrag dienen ihm nach Ladenschluss als Zugangsberechtigung.

Nicht nur der Endkunde profitiert vom 24-Stunden-Service – auch der Reiniger soll rund um die Uhr betreut werden, wenn einmal ein technisches Problem auftritt. Daher bietet der Hersteller eine Hotline bzw. die Unterstützung über das Internet an: Damit am Ende der logistischen Kette der zufriedene Kunde steht. ve