Der Einsatz von Baumwollrollen in Handtuchspendern belastet die Umwelt geringer als adäquate Produkte aus Papier. Das ergab eine Studie des Öko-Instituts e. V., Freiburg. Beim umweltschonenden Einsatz von Waschraumhygiene gibt es jedoch noch Spielraum. Die Ergebnisse sind allerdings nicht unumstritten (siehe Interview).
Gute Noten für textile Handtücher
In der von der European Textile Services Association (E.T.S.A.), Brüssel, initiierten Untersuchung wurde der Lebenszyklus von Endlosbaumwollrollen aus sieben E.T.S.A.-Wäschereien in sechs europäischen Ländern nach der DINENISO 14040 analysiert. Um auszuwerten, wie Papierhandtücher die Umwelt belasten, wurden aktuelle europäische Durchschnittswerte der Zellulose- und Papierindustrie herangezogen. Da die Untersuchung mit einem Life Cycle Assessment (LCA, Ökobilanz)überprüft wurde, ist die Übereinstimmung mit den ISO-Standards gewährleistet.
„Baumwollhandtücher gewährleisten nicht nur exzellente Hygiene und Funktionalität sowie Komfort und Kosteneffizienz. Sie sind auch in sechs von sieben umweltrelevanten Aspekten den Alternativen aus Papier überlegen“, resümiert Robert Long, Generalsekretär der E.T.S.A in Brüssel/Belgien. Die Studie habe aber auch gezeigt, dass es beim umweltschonenden Einsatz von Waschraumhygiene noch Spielraum gäbe. Deshalb solle die Idee des Lebenszyklus in künftige Planungen integriert werden. Konkrete Ansätze seien niedrigere Waschtemperaturen und eine verlängerte Lebenszeit der Baumwollgewebe, so Robert Long.
In der Untersuchung wurden die Belastungsfaktoren durch Baumwollhandtücher mit den Umwelteinflüssen durch den Einsatz von Altpapier verglichen. Letzteres wurde in solches aus reinem Neupapier und in solches, das zu 50 Prozent aus Altpapier hergestellt wurde, unterteilt. Zudem gingen die Wissenschaftler davon aus, dass zum Händetrocknen durchschnittlich einmal an der textilen Endlosrolle gezogen wird bzw. zwei Papierhandtücher benutzt werden.
In jeder der drei Versuchsgruppen wurde die Umweltbelastung nach den jeweiligen Emissionsmengen von Treibhausgasen (CO2), der Säuerung und Nährstoffanreicherung von Böden und Gewässern sowie der Verursachung von Sommersmogbildung verglichen. Die Ergebnisse:Die Umweltbelastung durch die Produktion und den Einsatz von Papierhandtüchern mit Recyclinganteil ist doppelt so hoch wie bei der Herstellung und Nutzung von Baumwollprodukten. Handtücher aus Neupapier belasten die Umwelt laut Studie sogar um 500 Prozent mehr als textile Produkte.
Produktion und Einsatz textiler Rollensysteme erfordern somit nur 37 Prozent der Energiemenge im Vergleich zu adäquaten Papierprodukten. Es würden zudem 48 Prozent weniger Treibhausgase emittiert, ermittelten die Wissenschaftler. Weiterhin betrage bei Baumwollprodukten der Müllanteil nur 21 Prozent der bei Papiersystemen zu entsorgenden Menge.
Weitere Ergebnisselauten:Der geschlossene Kreislauf von Textilprodukten sei der wichtigste Aspekt für deren Umweltfreundlichkeit. Nach 100 Zyklen könnten sie vor der endgültigen Entsorgung sogar noch als Putztücher verwendet werden, stellte die Studie fest. Zudem sei der Bedarf an Verpackungsmaterial für die Rollen gering und der Energiebedarf für das Waschen der Handtücher werde nahezu ausschließlich aus Biogas gedeckt.
Allerdings gibt es auch einen negativen Aspekt: Für die Lebenszyklen sowohl von Textil- als auch Papierhandtüchern wurde der Zeitraum vom Anbau der Baumwolle bzw. des Holzeinschlags bis zur Entsorgung bzw. zum Recycling berücksichtigt. Somit ergab sich für das textile Segment ein bis zu 40 Prozent höherer Wasserbedarf. Für das Waschen der Baumwollhandtücher werden indessen nur 16 Prozent der Gesamtmenge gebraucht. Der Schmutzwasseranteil beim Waschen gegenüber dem Herstellungsprozess von Papierprodukten betrage sogar nur zehn Prozent, so die Wissenschaftler. Reinhard Wylegalla