Wer sich auf Einkaufstour für Flachwäscheartikel begibt, sieht sich sprichwörtlich der Qual der Wahl ausgesetzt. Denn schon längst wird die Wäsche für Tisch, Bett und Bad nicht mehr nur aus reiner Baumwolle in Weiß gefertigt, sondern die richtige Mischung aus Baumwolle und Polyester ist für Haltbarkeit, kürzere Trockenzeiten und ein gleichbleibendes Gewicht der Textilien verantwortlich.
Die Mischung der Gewebe macht’s
Das Angebot bei Tisch-, Bett- und Frottierwäsche ist vielfältiger und bunter geworden und umfasst neben der Naturfaser vor allem Mischgewebe aus Baumwolle und Polyester in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen. Bei der Küchenwäsche kommen zudem Gemische aus Baumwolle und Leinen hinzu, bei Tischwäsche fassen Gewebe aus reinem Polyester Fuß. Abgerundet wird das Angebot um Spezialitäten wie etwa Mischungen von Baumwolle mit Polyacryl oder Modal, die jedoch als Außenseiter betrachtet werden können.
Die Vielfältigkeit des Angebots lässt unmissverständlich die Frage nach den Vor- und Nachteilen der Materialien aufkommen. Denn ein professioneller Pflegebetrieb – sei es eine Lohn- oder Mietwäscherei, eine Krankenhaus- oder Hotelwäscherei – muss bei der Beschaffung Pro und Kontra abwägen, um eine bestmögliche Entscheidung treffen zu können. Je nach Branchenzugehörigkeit geben Kriterien zwischen Preis und Prestige den Ausschlag für die Kaufentscheidung. So etwa ist bei krankenhaus- und altenheimeigenen Wäschereien die Kostenseite der alles entscheidende Faktor für die Anschaffung von Bettwäsche. Nach den Erfahrungen der Gebrüder Heinemann, Hersteller für Krankenhaustextilien, Neuss, machen in diesem Fall Baumwolltextilien das Rennen. Denn weiße Laken oder Bezüge vergrauen auch nach vielen Wäschen nicht, da die Weißgradsteuerung dem Waschprozess unterliegt. Durch den Zusatz von bleichenden Substanzen lässt sich immer wieder ein frisches, klares Weiß einstellen. Baumwolle besitzt außerdem einen angenehmen Griff und ein hohes Feuchtigkeitsaufnahmevermögen, was gerade bei Bettwäsche angenehm wirkt und bei Frottierwäsche unabdingbar ist. Letztlich ermöglicht die Naturfaser im Pflegeprozess hohe Wasch- und Mangeltemperaturen. Das bringt nach den Erkenntnissen der Wäschefabrik Zollner, Vilsbiburg, Pluspunkte in Sachen Hygiene und ermöglicht zudem eine gute Entfernbarkeit von sehr unterschiedlichen Verfleckungen. Daher spielt Baumwolle auch bei Tischwäsche eine wichtige Rolle – unter anderem, weil die Faser widerstandsfähiger gegen Zigarettenglut ist als eine synthetische. Gleichzeitig eignen sich hochwertige, feine, merzerisierte Garne ganz besonders gut für die Herstellung edler Damastwäsche, wie sie nach den Erkenntnissen der Arnold Kock Textil GmbH, Steinfurt, in Hotels mit gehobenen Ansprüchen und individuellem Auftritt immer häufiger gefordert wird. Doch das Naturmaterial hat auch Schattenseiten. Zum einen knittert Baumwolle so stark, dass Tisch- und Bettwäsche einen Pflegebetrieb nicht ungemangelt verlassen kann. Bei knitterfrei ausgerüsteten Mischgeweben oder reinem Polyester hingegen kann dieser energieaufwändige und störungsanfällige Prozess unter Umständen auch durch einfaches Tumbeln ersetzt werden. Zum anderen ist Baumwolle empfindlich gegen Alkalien. Eine häufige Behandlung mit Waschlauge führt zum chemischen Abbau der Faserstruktur. Das kann im Laufe der Zeit eine Verringerung der Reißfestigkeit und eine unvorhergesehene Lochbildung beim Pflegeprozess oder bei der Benutzung zur Folge haben. Beides ist unschön und kann mitunter zu Beeinträchtigungen der Verfahrensabläufe in einer Wäscherei führen.
Vor allem beim Einsatz minderwertiger Baumwollqualitäten, die aus Preisgründen immer öfter im Krankenhaus und in der Pflege Einzug halten, muss mit einer raschen Zerstörung der Textilien gerechnet werden. Denn die billigen, kurzstapligen Fasern werden durch die Pflegemechanik wesentlich schneller aus einem Garnverband herausgelöst als ausgereifte, langstapelige. Die billige Baumwolle hat einen weiteren Nachteil: Die beim Anbau verwendeten Pflanzenschutzmittel und Pestizide können sich mitunter inden Geweben wiederfinden und möglicherweise Allergien auslösen.
Bei Fasern aus reinem Polyester hingegen ist von einer solchen Belastung eher nicht auszugehen, da es sich um einen synthetischen Herstellungsprozess handelt, bei dem definierte Chemikalien und Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Diese bestimmen die Eigenschaften und Echtheiten der Faser. So ist Polyester beispielsweise sehr maßstabil. Selbst bei häufigem Waschen und Trocknen bleibt das Textil in Form, denn es schrumpft weder in Länge noch in Breite. Außerdem tritt – anders als bei reiner Baumwolle oder Mischgewebe – trotz häufigen Waschens kein Gewichtsverlust ein.
Denn:In der Regel wird eine Kombination aus endlosen Filamenten und langstapeligen Fasergarnen zu Tüchern verarbeitet, denen die Mechanik in Waschmaschine und Tumbler nichts anhaben kann. Damit ergibt sich eine enorme Haltbarkeit der vor allem für Tischwäsche – und in schwer entflammbarer Ausführung als Bettwäsche – eingesetzten Polyesterqualitäten. Ein weiterer positiver Aspekt des Polyesters liegt in der grundsätzlich hohen Farbbeständigkeit. So bleiben Färbungen über einen langen Zeitraum farbgleich. Das ist vor allem für diejenigen Wäschereien von hohem Nutzen, die aus einem Pool arbeiten. Denn nichts ist unangenehmer, als einen Farbton in zwanzig unterschiedlichen Schattierungen an einen Gastronomiebetrieb auszuliefern, dessen höchstes Interesse in einer einheitlichen Eindeckung seiner Tische besteht. Auch die Waschbarkeit und die Knitterbildung des Polyesters bieten gegenüber anderen Fasern Vorteile.
So genügen nach Angaben der europäischen Vertretung von Milliken, Düsseldorf, geringere Wasch- und Trockentemperaturen, um einen der Baumwolle gleichen Effekt zu erzielen. Denn da Polyester wesentlich weniger Wasser bindet als etwa die Naturfaser, reicht eine geringere Energiemenge aus, dieses in der Wäsche benötigte Wasser wieder zu entfernen. Gleichzeitig können hochwertige, Schmutz abweisende Ausrüstungen dazu beitragen, die Auswaschbarkeit von Flecken zu verbessern und den Waschprozess hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Qualität zu optimieren.
Doch auch Polyester hat nicht nur positive Seiten. So neigt die synthetische Faser beispielsweise zu statischer Aufladung. Das geschieht vornehmlich bei Prozessen, in denen, wie etwa beim Trocknen im Tumbler, hohe mechanische Reibungskräfte auftreten. Diese Aufladung besitzt nicht nur eine hohe Attraktivität für Schmutzpartikel, sondern wirkt sich auch bei der Weiterverarbeitung unangenehm aus, nämlich dann, wenn die Beschäftigten in der Wäscherei einen elektrischen Schlag bekommen. Ein weiterer Nachteil des Polyesters liegt in dem höheren Preis für die Faser. Da die synthetischen Textilien jedoch länger halten als die natürlichen oder solche aus Mischgeweben, kann sich die Anschaffung in Abhängigkeit von der Einsatzdauer rechnen.
Ebenfalls negativ zu Buche schlägt die allgemeine Vergrauungstendenz von Polyestertextilien. Nur die Ausrüstung der Textilien mit einem speziellen Finish kann verhindern, dass die Farb- und Weißware im Laufe der Zeit einen Graustich bekommt. Doch eine solche Zusatzbehandlung wurde erst in den letzten Jahren möglich, so dass reines Polyester auch wegen seines seifigen Griffs lange Zeit nicht als reine Faser zu Tischwäsche verarbeitet wurde.
Um die positiven Eigenschaften des Polyesters dennoch nutzen zu können, kombinierte man die synthetische Faser mit Baumwolle und die inzwischen vor allem in Mietwäschereien und gewerblichen Lohnwäschereien beliebten Mischgewebe wurden geboren. Dazu werden Garne – meist innige Mischungen der beiden Faserkomponenten – zu Tischtüchern und Bettwäsche in verschiedenen Mischungsverhältnissen, unterschiedlichen Gewichtsklassen und Designs verarbeitet, wie der Hersteller HCH Kettelhack, Rheine, weiß. Am Markt erhältlich sind Mindermischungen mit geringerem Polyesteranteil, aber durchgesetzt hat sich die Mischung 50/50 Polyester/Baumwolle, die einen geschätzten Marktanteil von etwa 50Prozent besitzt.
Das hat Gründe: Das entsprechende Mischgewebe zeichnet sich dank seines Polyesteranteils durch eine hohe Haltbarkeit aus. Gleichzeitig reduziert die Synthesefaser das Wasseraufnahmevermögen der Wäsche, was sich positiv auf die Trockenbilanz auswirkt. Zusätzlich reduziert sie das Knitterverhalten, was dem Mangelprozess zugute kommt. Dank des Baumwollanteils bleibt der Griff dennoch angenehm und komfortabel. Auch beim Farberhalt schneiden Mischgewebe recht gut ab. Die Farben besitzen eine bessere Haltbarkeit als die auf reiner Baumwolle. Allerdings führen eine einsetzende Vergrauung und Überlagerungen des Farbtons durch optische Aufheller des Waschmittels im Laufe der Zeit zu Farbtonverschiebungen, die das Arbeiten aus dem Pool erschweren. Hinzu kommt, dass Mischgewebe im Laufe ihrer Nutzung an Gewicht einbüßen, denn die Baumwollstapelfasern werden aus dem Textil ausgewaschen.
Der zunehmende Polyesteranteil führt dann zu einer erhöhten statischen Aufladung der Wäsche beim Mangeln oder Trocknen. Und auch eine Pillingbildung, also die Entstehung von Knötchen an der Warenoberfläche, kann zu einer unangenehmen Nebenerscheinung beim Altern der Mischgewebe werden. Doch da die wenigsten dieser Nachteile bei Frottierwaren zum Tragen kommen, haben Mischgarne mittlerweile auch im Frottierbereich Einzug gehalten. So stellen die Betriebe Floringo, Obersöchering, und Dyckhoff, Rheine, objekttaugliche Bade- und Handtücher her, deren innen liegende Kette einen gewissen Anteil der synthetischen Faser enthält, während der außen liegende Flor aus reiner Baumwolle gefertigt ist. Durch diese Verbindung lässt sich die Feuchtigkeitsaufnahme im Inneren der Qualitäten verringern, was den Trocknungszeiten und auch der möglichen Nutzungsdauer zugute kommt.
Außen hingegen bleibt der positive Charakter der reinen Baumwolle erhalten. Für Wäschereien ist diese Weiterentwicklung durchaus lohnenswert, auch wenn der Preis für Hand- und Badetücher aus Mischgewebe über dem von reiner Baumwolle liegt. Doch wenn die Kosten bei der Anschaffung von Wäsche für Bett, Tisch und Bad das alleinige Thema sind, zählen ohnehin keine weiteren Argumente mehr. Was interessiert, ist der halbe Euro-Cent. Was nicht interessiert, ist der Kunde. Und der kann sich meist nicht wehren. Denn gespart wird vornehmlich an Kranken und Alten! Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach