Die Textilpflege Hebestreit bietet textile Dienstleistungen für Geschäfts- und Privatkunden an. Da sie in der Innenstadt Münchens liegt, ist ihre Produktionsfläche eingeschränkt. Dennoch bearbeitet der Familienbetrieb oft 2 t Objekt- und Privatwäsche täglich. Für beide Bereiche hat Joachim Hebestreit eine neue Plättmaschine angeschafft, die per Flugzeug aus Japan geliefert wurde.
Tokio–München nonstop
Die Kundenliste der Textilpflege Hebestreit ist lang und prominent. „Diesen Kundenstamm haben wir seit Anfang der 90er Jahre“, sagt Joachim Hebestreit, Inhaber des Familienbetriebes mit neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Corneliusstraße im Ausgehviertel am Gärtnerplatz in München.
Die Liebe hat den Westfalen einst in die bayerische Hauptstadt geführt. Seine Frau Margarethelernte er im Urlaub kennen und übernahm schließlich vor 34Jahren den Betrieb der Schwiegereltern. Keine leichte Aufgabe: Die Wäscherei, die sich auf die Wäsche von Privatkunden spezialisiert hatte, war in keinem guten Zustand. Das Geschäft lief nicht gut, Personal musste entlassen werden bis nur noch das Ehepaar Hebestreit und zwei Angestellte übrig waren.
Diese Geschichte kann man heute kaum glauben. Selbst an einem Freitagnachmittag steht in der Wäscherei nichts und niemand still. Die Waschmaschinen laufen, die Mitarbeiterinnen stehen an der Mangel, an der Kragenmanschettenpresse oder am neuen Finisher. Der Sohn von Joachim Hebestreit, Christian, rollt einen Container mit Wäsche durch den Betrieb und beläd die Maschinen. Gerade ist ein Fahrer durch die schmale Einfahrt in den Hof gefahren und hat Ware gebracht, die noch heute gewaschen und so schnell wie möglich ausgeliefert werden muss.
Die passende und zündende Idee Hebestreits in der schlechten Zeit war, sich mit der Gastronomie und Hotellerie einen scheinbar endlos großen Markt zu erschließen. Die Ansprüche seiner exklusiven Kunden sind jedoch hoch. Immerhin wusste der Inhaber, auf was er sich einlässt: Er hat in der Gastronomie gelernt. So baute er sich nach und nach einen festen Kundenstamm auf. Auch kurzfristige Aufträge nimmt er an, wie z.B. die Versorgung des Tennisturniers BMW Open, das wie jedes Jahr vom 28. April bis 6. Mai im renommierten Münchener Tennisclub Iphitos stattfand.
Am Anfang seiner Tätigkeit in der Wäscherei habe er wertvolle Unterstützung von den Textilingenieuren verschiedener Hersteller erhalten, mit denen er zusammenarbeitet. Heute hat er sein eigenes Konzept, wie die zum Beispiel weiße Tischwäsche strahlend sauber wird:„Die Tischwäsche waschen wir hochalkalisch nach eigenen Rezepturen“, berichtet Hebestreit. So schafft er es schon einmal 2 t Flachwäsche pro Tag zu bearbeiten. Dann sind zwar für die Mitarbeiterinnen ein paar Überstunden fällig, aber die Kunden sind zufrieden.
Seit vier Jahr steht in der Wäscherei auch eine KWL-Reinigungsmaschine. Als damals ein Um- und Anbau anstand, ergriff die Familie die Chance und kann nun auch eine eigene chemische Reinigung anbieten und die Privatkunden selbst bedienen. Zuvor arbeitete man mit einem Partnern zusammen. „In der Textilreinigung ist der Kundenstamm in den vergangenen Monaten stetig gewachsen“, berichtet Hebestreit zufrieden. Immerhin hat er für die Detachur ein Ass im Ärmel, das er gerne ausspielt: „Eine meiner Mitarbeiterinnen ist eine Chemikerin aus dem ehemaligen Jugoslawien“, sagt er und fügt hinzu:„Sie kann detachieren wie ein Weltmeister.“ Dadurch müssen in der Textilreinigung kaum Fleckenzettel vergeben werden, was bei den Kunden gut ankommt.
Sowohl für die Textilien aus der Hotel- und Gastronomie als auch für die Hemden der Privatkunden aus der Textilreinigung hat Hebestreit Anfang des Jahres einen neuen Finisher angeschafft. Dieser ist in zweierlei Hinsicht etwas Besonderes:Zum einen kommt er aus Japan und ist zurzeit einer der ersten seiner Art in Deutschland. Eine schnelle Installation war dem Hersteller Y.A.C. aus Tokio so wichtig, dass er die Maschine per Flugzeug einfliegen ließ. Der Lastwagen, der vom Flughafen in die Münchener Innenstadt kam, sei so groß gewesen, dass er kaum in die enge Corneliusstraße gepasst hätte, berichtet Reinhard Cordes von Cordes Bügeltechnik, Versmold, Vertriebspartner des japanischen Herstellers inDeutschland.
Die zweite Besonderheit der Maschine:Sie ist einerseits Puppe, andererseits Presse. Reinhard Cordes, der sich bereits seit vergangenem Herbst mit dem Produkt befasst, nennt den Vorgang, den die Maschine ausführt, daher gerne Plätten. „So wie früher der Plätter“, erläutert er, „ich habe nach etwas Besonderem gesucht und nenne den Finisher jetzt gerne Plättmaschine.“
Die Textilien werden mit einer Restfeuchte von 40 bis 50 Prozent auf den Body aufgezogen. Drückt die Bedienung beidhändig die Startknöpfe, fahren die zwei vorderen Heizplatten zusammen. Es folgt der Pressvorgang vorne und hinten am Körper und der Finishvorgang mit heißer Luft in den Body und die Ärmel. Das Ergebnis ist ein stabiles Oberhemd, wie es nach einem Pressvorgang typisch ist. Über die elektrische Steuerung kann sowohl die Länge des Pressens – bei Hemden normalerweise 25 Sekunden – als auch einStundensoll eingegeben werden. Letzeres heißt:Erreicht die Mitarbeiterin nicht das erwünschte Volumen, leuchtet der Bildschirm rot;grün, wenn sie ihr Stundensoll erfüllt hat.
Der Maximalwert einer klassischen Hemdenpuppe liegt – bedient sie eine Person – bei 40 Hemden in der Stunde. Hierzu Cordes:„Man kann noch so viel Geld für eine Puppe ausgeben, mehr geht einfach nicht. Vielen Betrieben sind diese Leistungen zu gering, also haben wir nach Alternativen Ausschau gehalten.“
Bedient eine Mitarbeiterin die Plättaschine, schaffe sie 50 Hemden in einer Stunde, berichtet Hebestreit. Heute erreiche er mit zwei Bedienerinnen inklusive Sortieren eine Leistung von über 60 Hemden pro Stunde. Nach Aussage von Cordes kann der Finisher Oberbekleidung von Größe 38 bis 5XLbearbeiten – Hemden, Kochjacken, Kurzkittel, kurz:alles, was höchstens bis zur Hüfte geht. Außerdem sagt er:„Als Techniker kann ich einschätzen, dass dies ein hochwertiger japanischer Maschinenbau ist.“ Für Hebestreit als Anwender ist vor allem wichtig, dass er mit dem neuen Finisher seine Ware nur noch waschen und kurzschleudern muss, um dann gleich zu plätten. Für Baumwolle ist eine Restfeuchte von 50 Prozent auf der Maschine ideal, Mischgewebe sollte etwas trockener sein. Hebestreit:„Bei 23 Sekunden Presszeit kommen wir auf insgesamt eine Minute.“
Dass es in der Textilpflege Hebestreit etwas Neues gibt, hat der Inhaber in verschiedenen Münchener Stadtteilzeitungen beworben. Gelockt hat er dabei mit günstigen Preisen, von der Qualität konnten sich die Kunden vor Ort überzeugen. Viele sind laut Hebestreit wiedergekommen und er fügt nicht ganz ohne Stolz hinzu:„Ohne uns selbst loben zu wollen, glauben wir doch, dass wir eine gute Arbeit machen.“ lin