Leasingfähige Textilien aus Fasern mit Schutzfunktion Hohe Sicherheit und leichte Pflege

Nach europäischem Sicherheitsstandard gefertigte PSA sind auch außerhalb der EU mehr und mehr begehrt. Das Leasinggeschäft ist indessen nur in Ländern attraktiv, in denen die Infrastruktur stimmt. Indien, Brasilien, die Türkei oder Russland – Dr. Peter Funke, Inhaber Inventex Spezialtextilwerk Funke, Hof/Saale, spricht über den weltweiten Leasingmarkt sowie die Trends in Deutschland.

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    LinksDr. Peter Funke präsentiert eine PSA-Jacke für die Schweizerischen Bundesbahnen.
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    In der Weberei.
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    Der Handschuh ist ein Textil der Zukunft.

Hohe Sicherheit und leichte Pflege

Der Blaumann ist out, die PSA von heute orientiert sich eher am Design der Freizeitkleidung: „Für Leaser und Wäscher ergibt sich daraus, dass sie statt eines Overalls in der Regel ein ganzes Set zusammenstellen und professionell pflegen müssen“, unterstreicht Dr. Peter Funke. Berufskleidung von heute sei sportlich geschnitten und bestehe z.B. aus einer Cargohose, einem langärmeligen Polohemd und einer Jacke, so der Inhaber des Inventex Spezialtextilwerks Funke in Hof/Saale.

Die PSA solle das Unternehmen repräsentieren, insbesondere aber die Träger vor berufsspezifischen Risiken schützen. Dr. Funke weiß, dass Deutschland in puncto Vorschriften und Normen Vorreiter ist. Nicht immer zum Vorteil der Anwender von PSA: „Für Feuerwehren z.B. gibt es hierzulande eine Übervorschrift. Europaweit gilt für Feuerwehrbekleidung die EN 469, in Deutschland muss aber zusätzlich die Herstellungs- und Prüfvorschrift erfüllt werden.“

Dieses Beispiel sei jedoch eher die Ausnahme. Die europäischen Sicherheitsvorschriften für PSA würden neuerdings auch in Staaten außerhalb der EU immer interessanter: „In Ländern wie Brasilien und Indien nimmt das Interesse an Arbeitsschutz und Sicherheit spürbar zu. Deshalb werden dort nach europäischen Normen hergestellte PSA angewandt.“ Ebenso weiß Dr. Funke vom Omnibusbauer Daimler-Benz in der Türkei zu berichten, dass sich dort die Sicherheitsingenieure an den europäischen Arbeitsschutzvorschriften orientieren.

Der Grund: „In Indien und zahlreichen anderen sich rasch entwickelnden Staaten werden die Beschäftigten mehr und mehr qualifiziert. Je höher aber die Qualifikation, umso mehr setzt sich auch die Erkenntnis durch, dass dieses Know-how nicht leicht zu ersetzen ist. Deshalb müssen die Mitarbeiter ausreichend vor Risiken geschützt werden“, erläutert Dr. Funke. Am krassesten verlaufe diese Entwicklung in Russland: Dort haben die Arbeiter in der Stahlindustrie früher Wollbekleidung getragen. Mittlerweile gäbe es aber in Wladiwostok den russischen Systemanbieter Trakt, der den Unternehmern komplette und maßgeschneiderte Pakete für Arbeitsschutz anbietet.

Das Interesse am Leasing für PSA halte sich in vielen Ländern allerdings noch in Grenzen. Noch längst nicht überall auf der Welt ermögliche die Infrastruktur die für einen gut funktionierenden Leasingkreislauf notwendige Logistik. So etwa in Russland: „Stellen Sie sich vor, ein Moskauer Wäschereibetrieb soll einen 2.000km entfernten Kunden regelmäßig und pünktlich mit professionell gepflegten PSA beliefern“, gibt der Unternehmer zu bedenken. Weil dies unter den gegenwärtigen Bedingungen kaum möglich sei, würden in Russland und auch zahlreichen anderen Flächenstaaten mit wenig entwickelten Verkehrswegen die Unternehmer ihre Berufskleidung lieber noch einkaufen. Natürlich gäbe es aber auch kleinere Länder mit modernen Straßennetzen wie etwa Tschechien oder die Slowakei, in denen der Aufbau eines logistischen Netzes innerhalb kurzer Zeit sehr gut möglich sei.

Die Entwicklung einer allen Normen entsprechenden PSA in enger Kooperation mit dem Konfektionär dauert mindestens ein Jahr. Mitunter vergehen sogar zweieinhalb Jahre, bis die kundenspezifische Berufskleidung endlich zertifiziert werden kann. „Die Auftraggeber möchten das Beste und Modernste haben, aber gleichzeitig werden die Budgets gekürzt“, so Dr. Funke. Ein Spagat, der häufig nur durch Kompromisse gemeistert werden kann. Dennoch müssen länderspezifische Farb- und Ausrüstungspräferenzen erfüllt werden. Hinzu kommen die klimatischen und branchenspezifischen Bedingungen vor Ort, unter denen die PSA eingesetzt werden soll. „Die beste Schutzkleidung nützt nichts, wenn sie nicht getragen wird“, weiß der Unternehmer. Welche Lösung auch immer gefunden wird: Ein Optimum an Arbeitssicherheit, das den jeweiligen Normen gerecht wird, muss stets ganz oben stehen.

Neue Märkte für PSA sieht Dr. Funke unter anderem in Nordafrika, dort insbesondere in der Dienstleistungsbranche. In Indien wachse aber die Nachfrage nach PSA – auch im Bereich des Leasings – wohl am stärksten: „Dort entsteht ein Riesenmarkt, aber das notwendige Know-how fehlt“, schätzt der Unternehmer die Chancen für europäische Anbieter positiv ein. Die USA seien aufgrund anderer Normen und dem damit verbundenen zusätzlichen Kostenaufwand für europäische Exporteure kaum interessant: „Für die Lieferung über den Großen Teich müssten die Produkte nach NFPA (National Fire Protection Association) zertifiziert werden. Es gibt aber aus den gleichen Gründen auch umgekehrt nur wenige amerikanische Hersteller, die an einer Produktion nach europäischen Normen interessiert sind“, so der Unternehmer.

Auf dem Leasingsektor sieht er gute Zukunftschancen für Schutzhandschuhe: „Handschuhe sind Verschleißteile und somit kostspielig. Deshalb müssen strapazierfähigere Einlagen entwickelt werden, die auch nach fünf Reinigungen noch den geforderten Schnittschutz gewährleisten.“ Unter anderem seien solche langlebigen Produkte auch für die Glas- und die Bauindustrie interessant. Erst kürzlich habe sogar die Österreichische Bundespost für die Postzusteller Handschuhe mit Schnittschutz geordert, um sie vor Verletzungen an nicht entgrateten Metallbriefkästen zu schützen.

Bei der Neuentwicklung solle man sich stets daran orientieren, dass Textilien mehrfach gewaschen oder gereinigt werden müssen und irgendwann verschlissen sind. „Viele Smart Textiles erfüllen diesen Anspruch nicht“, kritisiert der Unternehmer den gegenwärtigen Trend. Für das Leasing geeignete PSA sollte ein Maximum an Wasch- und Reinigungszyklen aushalten: „Feuerwehranzüge aus flammfester Baumwolle sind nach zehn Reinigungen verschlissen. Ein adäquates Produkt aus Nomex hält hingegen fünfmal so lange und ist somit wirtschaftlich“, vergleicht Dr. Funke.

Ein weiterer Vorteil: Nicht eine Oberflächenbeschichtung, sondern die Nomexfasern selbst gewährleisten einen dauerhaften Schutz. Daher ist nach der Reinigung keine Imprägnierung erforderlich. Schließlich können ausgemusterte Nomextextilien noch zu flammfesten Dämmmatten für Pkw recycelt werden. Allenfalls die PTFE-Membranen müssen als Sondermüll entsorgt werden.

Reinhard Wylegalla