Seit Anfang des Jahres 2007 hat die Zentralwäscherei Liestal/Schweiz eine neue Transpondertechnologie eingeführt. Eine Software sorgt dafür, dass die unterschiedlichen Programme an den Schnittstellen miteinander kommunizieren können.
Der Schnittstellen-Dolmetscher
Die Zentralwäscherei des Kantons Basel-Land/Schweiz ist ein übersichtlicher Betrieb – und das in mehrerer Hinsicht: Zum einen hat Betriebsleiter Andreas Krieg einen guten Überblick über die Produktionshallen, da sein verglastes Büro im ersten Stock der Wäscherei liegt. Zum anderen sind die Maschinen übersichtlich aufgestellt, sodass der Produktionsablauf leicht nachzuvollziehen ist. Der Wäschereileiter: „Wenn ich irgendwo ein Wäscheteil sehe, weiß ich sofort, von welchem Kunden es ist.“ Einen noch detaillierteren Überblick über die einzelnen Wäscheteile erhält er seit Anfang des Jahres 2007, wenn er einen Blick in seinen Computer wirft. Hier sieht er, in welcher Maschine sich welche Wäsche befindet, da bereits 3.000 Berufskleidungsstücke mit RFID-Chips ausgestattet sind.
44 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Zentralwäscherei in Liestal. Das Wäschevolumen beträgt rund 6 t pro Tag. Hauptkunden sind Institutionen der Kantonsverwaltung wie z.B. vier Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Feuerwehr und Polizei, die 70 Prozent der Produktion ausmachen. Für Bewohnerwäsche betreibt die Wäscherei eine chemische Reinigung – und ist damit Komplettanbieter. Auch private Unternehmen gehören zu den Kunden. Da die Betten im Gesundheitswesen zurückgehen, schätzt Andreas Krieg, dass Letztere künftig immer wichtiger werden. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, hat der Wäschereileiter vor einigen Jahren den Maschinenpark der Wäscherei erneuert und einen neuen Sacklifter, zwei Waschstraßen und einen Tunnelfinisher angeschafft. Dem Kauf der Maschinen ging ein streng reglementierter Prozess der Kantonalverwaltung voraus: In der Mehrjahresplanung, die über zehn Jahre reicht, musste Krieg zunächst eine Budgetierung vornehmen. Als der Kanton seine Investitionswünsche genehmigte, wurden die Aufträge ausgeschrieben. Schließlich konnte die Wäscherei neue Maschinen kaufen und installieren lassen. Auch wenn dies ein langwieriger Prozess ist, findet Krieg ihn gut, da das „hart erarbeitete Geld“ sinnvoll eingesetzt werde.
Für die Transpondertechnologie erstellte die Thermotex Nagel GmbH, Schutterwald, gemeinsam mit Krieg ein Konzept. Daraufhin wurde auch dieser Teil der Investitionen ausgeschrieben. Der Anbieter aus dem Badischen konnte sich durchsetzen und erhielt den Auftrag. Zu dem System gehören mehrere Antennen, Decoder und Transponder, die vom Thermotex-Partner Siemens kommen. Ist ein Wäschestück einmal gechipt – d.h., wurde einmal ein Chip aufgepatcht –, wird das Textil bei der Wäschesortierung während der Kontrolle auf dem Lichttisch automatisch gescannt und in das Softwaresystem aufgenommen. Die Antenne befindet sich in einem schwarzen Kasten (Abmessung 400 u 220 u 40 mm) mit Metallboden, auf den die Antennenspule abgestimmt wurde. Dadurch ist das Lesefeld der Antenne gegen äußere Beeinflussungen, wie z.B. Metallkonstruktionen, unempfindlich. Ist die Wäsche eines Kunden aufgenommen, gibt die Mitarbeiterin dies in das System ein und die Charge wird dem Waschprozess zugeführt.
Was in der Praxis laut Krieg „so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben“, ist das Ergebnis vieler Gespräche und Programmierungen. „Unsere Stärke ist es, dem Kunden zuzuhören, um zu
erfahren, was er möchte“, sagt Helmut Czichon, Geschäftsführer Verkauf und Marketing bei Thermotex. Die Herausforderung: Der Anbieter muss seine Produkte immer wieder an die Gegebenheiten, z.B. die Software in einem Betrieb, anpassen. Diese haben sich über Jahre entwickelt, der Betriebsleiter ist von seinem Ablauf überzeugt und möchte ihn beibehalten – wie auch Andreas Krieg. Dann müssen so genannte Schnittstellen zwischen vorhandener Software und neuer Transpondertechnologie verknüpft werden. Dietmar Nagel, Geschäftsführer Technik und Entwicklung bei Thermotex, vergleicht dies mit der Überwindung von Sprachbarrieren: Möchten beispielsweise ein Brite und ein Franzose miteinander sprechen, muss einer von beiden die Sprache des anderen beherrschen. Der Brite sei in diesem Fall Thermotex, der Franzose das Unternehmen, das die Software an die Wäscherei geliefert hat. Nun muss entweder der Brite französisch oder der Franzose englisch lernen. Soll heißen: Entweder das Softwareunternehmen passt seine Programmierung an oder die Badener müssen einen Decoder programmieren, der zwischen Transponder und Software übersetzt.
Zurück in die Schweizer Wäscherei: Hat das Wäschestück den Wasch- und Finishprozess durchlaufen, wird es von einer automatischen Faltanlage zusammengelegt. Bevor es für die Auslieferung fertig gemacht wird, nimmt eine Mitarbeiterin einen ganzen Stapel in die Hand und führt ihn zum Ausscannen über eine Antenne, die unter dem Tisch angebracht ist. Der Ausleseplatz ist durch einen roten Rahmen gekennzeichnet. Da die Antenne mehrere Chips auf einmal erkennt, muss ein Wäschestapel lediglich über das Feld gezogen werden. Ein mehrmaliges Auslesen ist nicht möglich, dann erscheint ein grüner Schriftzug auf dem Display: „Ware bereits gescannt.“
Für Krieg liegen die Vorteile der Technologie in der Kommunikation mit dem Kunden. Er kann genau angeben, welches Wäschestück sich in der Produktion befindet, wie viele Waschzyklen es bereits hinter sich hat und wie oft es repariert wurde. Auch für den Einkauf liefert das System Informationen: Wie viele Kleidungsstücke habe ich? Welche Größen werden besonders oft geordert? Für Dietmar Nagel hat Multiread folgende Vorteile: Zum einen geht die Fehlerquote beim Einlesen gegen null, zum anderen können mehrere Teile auf einmal eingelesen werden. Für den Projektleiter handelt die Zentralwäscherei wie viele andere Wäschereien, da auch sie von einem Produktionsablauf ohne Kennzeichnung direkt zur Transpondertechnologie übergegangen ist und die händische Vorgehensweise mit Barcode übersprungen hat.
Der Modernisierungsprozess in der Zentralwäscherei ist noch nicht abgeschlossen. Um den kantonalen und privaten Kunden genaue Auskunft über ihre Wäsche geben zu können, möchte Krieg im Laufe des Jahres 2007 von Kilo- auf Stückwäsche umsteigen und die Stückwäscheabrechnung einführen. Linda Quadflieg