Den älteren Unternehmern im Deutschen Textilreinigungs-Verband (DTV) und Industrieverband Textilservice (Intex) ist er ein Begriff, hat er sich über 40 Jahre für die Belange der Textilreinigung eingesetzt. Seine Tätigkeit spiegelt zugleich die Branchengeschichte der zweiten Jahrhunderthälfte (1950–2000) wider. Am 26. Januar 2007 vollendet Helmut Hollmann sein 80. Lebensjahr.
Für die Belange der Textilreinigung
Anfang 1958 stieß der gebürtige Westfale als junger Syndikus nach Stationen in der Justiz zum damaligen Bundesfachverband Chemischreinigung-Färberei in Hannover, weil er sich für die Bereiche Wirtschaftspolitik, Arbeits- und Tarifrecht sowie Wettbewerbs- und Kartellrecht in der Verbandsarbeit besonders interessierte. Nach kurzer Einarbeitung übernahm er die Führung der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der Reiniger, die er neben seiner Syndikustätigkeit von Hannover aus besonders betreute.
Sein Start fiel in die Zeit zahllos aufkommender Schnellreinigungen und der damit verbundenen handwerks- und wettbewerbsrechtlichen Auseinandersetzungen. Als weitere Hauptaufgabe nahm er sich die Überarbeitung der betagten „Lieferungsbedingungen des Chemischreinigungsgewerbes“ vor. Er brachte sie auf zeitgemäß aktuellen Stand und meldete sie als einer der ersten Wirtschaftsverbände beim Bundeskartellamt in Berlin als „Konditionenkartell“ an.
Als das nach schwierigen Verhandlungen gelungen war, sponserte er einen jungen Doktoranden, der einen Spezialkommentar zum Kleidungsschadensrecht verfasste. Dieser wurde vom Verlag Bissinger gedruckt und dann auf Verbandskosten an alle Gerichtsbüchereien im Bundesgebiet gegeben. Das war sehr hilfreich für die Durchsetzung der Konditionen im Rechtsprechungsalltag. Das spätere Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (AGBG) machte zwar erneut Änderungen erforderlich. Im wesentlichen Kern konnten die Konditionen aber bis hin zur höchstrichterlichen Rechtsprechung erhalten bleiben.
Als Hollmann Mitte der 60er Jahre die Hauptgeschäftsführung von seinem Vorgänger Dr. Fritz Voss übernahm, war bereits ein starker Strukturwandel im Textilreinigungsgewerbe im Gange. Namhafte Wäschereien gliederten ihren Betrieben Chemisch-Reinigungsabteilungen an, Reinigungsbetriebe richteten Wäschereiabteilungen ein. Das diente sowohl dem Servicegedanken rund um die Gebrauchstextilien als auch der Kundenbindung zur besseren Auslastung der damals noch zahlreichen Filialen (Annahmestellen). Es bildete sich eine Vielzahl von „Gemischtbetrieben“, die mit einer Sparte beim Deutschen Wäschereiverband, mit der anderen beim Bundesverband der Reiniger organisiert waren. Hollmann war deshalb schon frühzeitig klar, dass die Zusammenführung beider Bundesverbände zu einem einheitlichen Spitzenverband notwendige Konsequenz dieser Entwicklung sein würde. Er engagierte sich mit seinem Vorstand (Präsident Wolfgang Fertsch-Röver) entsprechend intensiv. Anfang 1974 waren die Dinge zwischen den Verbänden spruchreif geregelt. Er schaffte in der Folge die rechtlichen Voraussetzungen für eine „Fusion“ dadurch, dass er einen dritten Verband gründete, in den beide Bundesverbände unter eigener Auflösung ihre gesamten Mitglieder überführten. 1975 wurde der DTV in Wiesbaden aus der Taufe gehoben. Von da an sprach das deutsche Textilreinigungsgewerbe mit einer Stimme und stärkerem Gewicht am Regierungsstandort Bonn.
Auf seine Anregung hin ging seinerzeit die TATEX-Konstruktion zurück. Ein Teil der Mitglieder legte Wert auf Tarifbindung, ein anderer nicht. Sie hat sich als Hilfskonstruktion lange bewährt, bis ein weiterer Strukturwandel durch die Branche ging, dem sie am Ende nicht mehr gewachsen war. Hollmann hatte frühzeitig klargestellt, dass er dem neuen Verband aus beruflichen und privaten Gründen nicht nach Bonn folgen würde, empfahl dies aber seinem gut eingearbeiteten Mitarbeiter Dipl.-Volkswirt Helmut Strohm, der – wie bekannt – erst kürzlich seine Verbandskarriere als Hauptgeschäftsführer des DTV beendet hat. Als Justitiar stellte sich Hollmann nach der Verbandsfusion als erfahrener Sachkenner dem DTV über zwei Jahrzehnte lang mit Rat und Tat zur Verfügung und wirkte in den wichtigsten Ausschüssen des Verbandes mit. Die Zeit war geprägt von einer vertrauensvoll effektiven Zusammenarbeit mit dem Hauptgeschäftsführer des DTV, Dr. Ralf Senf, und den jeweiligen Präsidenten des DTV, angefangen mit Ernst Neipp.
In Hannover begründete Hollmann 1975 eine spezialisierte Kanzlei, unter deren Dach er verschiedenen Wirtschafts- und Berufsverbänden Geschäftsführung und Betreuung bot, u. a. dem Landesverband Textilreinigung Niedersachsen/Bremen, der 2006 als ältester Landesverband nach dem zweiten Weltkrieg sein 60-jähriges Bestehen begehen konnte.
1975 engagierten ihn die aus seiner Verbandsarbeit gut bekannten Gründungsgesellschafter der Deutschen Berufskleider-Leasing GmbH als Generalbevollmächtigten ihres gerade aus den Startlöchern gekommenen Firmenverbundes für Miettextil-Service. Sie richteten eine Zentrale bei ihm ein mit der Aufgabe, den Verbund bundesweit zu komplettieren, ihn intern zu organisieren und rechtlich abzusichern (Mittelstandskartell) sowie einen ganz neuen ungewohnten Bereich – den Verkauf der Dienstleistung – zu entwickeln. Das alles gelang ihm mit Hilfe vorausschauender und entscheidungsfreudiger Unternehmer in wenigen Jahren. Achtzehn Verbundbetriebe unterschiedlicher Größenordnung wurden akquiriert. Die Service-Landkarte der Bundesrepublik hatte keine weißen Flecken mehr. Das Gründungsziel wurde nicht mehr aus den Augen verloren und bleibt bis heute im Fokus. Das zunächst von maßgebenden Wettbewerbern skeptisch belächelte Unterfangen hat sich sehr schnell in die Spitzengruppe der Mietdienstleister vorgeschoben und hält die Position trotz verschärfter Wettbewerbsbedingungen. Nach der Wende war Hollmann im Januar 1990 mit der DBL in Mecklenburg-Vorpommern sofort am Start. Einige DBL-Gesellschafter gründeten mit seiner Hilfe die „Mecklenburg Textil-Service GmbH“ in Parchim. Es dauerte dann nicht lange, da waren auch alle neuen Bundesländer mit leistungsfähigen Vertragswerken besetzt.
Bei seinem Abgang von der DBL 1993 hinterließ Hollmann einen stabilen Firmenverbund, in dem auch die inzwischen angetretene junge Unternehmergeneration die Initiative der Gründungsväter überzeugt weiterträgt. 1992 wurde Hollmann auf der DTV-Verbandstagung in Garmisch-Partenkirchen als Justitiar des DTV verabschiedet und ihm für seine Verdienste die DTV-Ehrennadel verliehen. Sein Nachfolger als Justitiar wurde der heutige Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmid.
In seiner Kanzlei in Hannover betreute Hollmann noch bis 1998 den Landesverband Textilreinigung Niedersachsen/Bremen, beschränkte sich anschließend aber auf die Beratung und Prozessvertretung einiger langjähriger Mandanten. Abseits von Juristerei und Betriebswirtschaft werkelt er intensiv auf seinem weitläufigen Park- und Wasserrefugium im Weserbergland und versucht dadurch die Feststellung mancher Altvorderen zu belegen: Nicht die Jahre – nur die Untätigkeit macht uns alt. ’RWTextilservice‘ liest er weiterhin mit viel Interesse und verfolgt den stetigen Wandel in der Branche. RWT
