Wie wuschen unsere Großmütter, bevor es elektrische Waschmaschinen gab und wie pflegten die alten Ägypter ihre Wäsche? Ab sofort werden wir Ihnen in loser Folge kleine Geschichten vorstellen, die zeigen, wie sich die Reinigung von Bekleidung entwickelt hat – eine Reise durch die Kulturgeschichte des Waschens der letzten 4.000 Jahre. Beginnen wollen wir in einer Waschhalle im Paris gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Wäschepflege anno dazumal
Trotz der zunehmenden Automatisierung ist Wäschewaschen für die Frauen noch immer eine mühsame Angelegenheit. In den Städten können sie die Wäsche nicht am Fluss waschen und müssen daher auf Häuser ausweichen. Wer keine eigene Waschküche im Keller hat, wie begüterte Familien, der bringt seine Wäsche in eigens eingerichtete Hallen.
Wir begleiten Madame Cathérine Dubois und ihre Cousine, die ihre Wäsche mit einem kleinen Leiterwagen zu der riesigen Waschhalle ziehen. Diese erinnert an die Pariser Markthallen, mächtige Balken auf gußeisernen Pfeilern tragen das Dach. Am Eingang bezahlen sie das übliche Eintrittsgeld von einem Franc pro Tag und Person bei der freundlichen Concièrge, die in einem kleinen, gläsernen Büro sitzt. Sie verkauft auch Waschmittel: sandfarbige Kernseifenriegel, blanke Waschblaukugeln und bunte Päckchen mit Stärke oder Waschmittel.
Heiße Dampfschwaden, Seifenaroma und muffige Gerüche nach schmutziger Wäsche durchziehen die hohen Räume, als die zwei Frauen sich einen freien Waschplatz an einer Reihe von Bottichen suchen. Die Fenster sind gegen das Sonnenlicht mit groben Leintüchern verhängt, nur fahl fällt das Licht in den Raum. Nach dem Sortieren der Wäsche weicht Cathérine die erste Ladung Weißwäsche in einem mit kaltem Wasser gefüllten Holzkübel ein. Heute muss sie die Wäsche nicht mit nackten Füßen treten, denn die nette Nachbarin reicht ihr einen Wäscheklopfer. Die gewellte Kupferblechglocke an seinem Ende presst das Wasser durch die Wäschestücke und löst den Schmutz an.
Wringmaschinen und glühende Bügeleisen
Inzwischen hat einer der Wäschereigehilfen für einige Sous einen Bottich mit der heißen Seifenlauge gefüllt, die am anderen Ende der Halle in einem Kupferkessel kocht. Nun legt Madame die einzelnen Wäschestücke auf ein Holzbrett mit geriffeltem Blech, reibt die Schmutzstellen mit Kernseife ein und schrubbt sie mit einer Wurzelbürste. Die bearbeiteten Stellen beklopft sie mit einem Wäschebleuel, bevor sie die Stücke in die heiße Lauge taucht. Eine mühevolle und schweißtreibende Angelegenheit: Um den Schmutz vollständig herauszulösen, muss sie die Prozedur mehrmals wiederholen. Ein Feuer unter dem Kessel erhitzt die Waschflotte, die mit einem großen Holzlöffel umgerührt wird. Zwischendurch wird die Seifenlauge gewechselt, in das letzte Bad gibt die junge Frau etwas Soda. In einem Spülbecken knetet Cathérine die Wäsche mit kaltem Wasser durch und legt sie zum Abtropfen auf zwei Holzstangen über dem Becken.
Die gespülte und abgetropfte Wäsche legt sie in Körbe und fährt sie in ihrem Handwagen zu den Wringmaschinen am Ende der Halle. Die nasse Wäsche wird mehrmals zwischen zwei Hartgummiwalzen geschoben, die mit einer Handkurbel gegeneinander bewegt werden. Was bei glatter Wäsche problemlos funktioniert, macht bei Knöpfen oder Manschetten Probleme. Diese Teile müssen weiterhin von Hand ausgewrungen werden.
Mühsam schleppen die Cousinen die feuchtschwere Wäsche über eine Treppe zum Trockenboden, wo sie sie auf nichtrostende Messingdrähte hängen. Erst am nächsten Morgen wird sie trocken genug sein, um im Bügelraum geglättet zu werden. In dessen Mitte steht ein großer Herd mit unterschiedlich geformten Bügeleisen auf einer heißen Platte, unter der ein Feuer bollert. Zunächst besprengt Madame die Weißwäsche mit Wasser und rollt sie zusammen. Auf einer mit Filz belegten Tischplatte bügelt sie die Tücher und Laken. Für größere Teile steht auch eine Mangel zur Verfügung. Das Bügeleisen muss zum Aufhitzen zurück auf die Herdplatte, bevor sich Cathérine an kompliziertere Teile wie Hauben und die Brusteinsätze der Männerhemden machen kann.
Gegen Mittag sind die beiden Frauen endlich fertig: Sie packen ihre gebügelte Wäsche in Körbe und verlassen mit ihrem Leiterwagen die stickige Waschhalle. Übrigens: Schon in den Pariser Waschhallen des 19. Jahrhunderts gab es professionelle Wäscherinnen. Die Frauen mit den nackten roten Armen und den hochgeschnürten Röcken, in Frankreich Savoneusen (von savon=Seife) oder Blanchisseusen (Bleicherinnen) genannt, übernahmen die beschwerliche Arbeit gegen entsprechendes Entgelt.
Die fiktive Erzählung beruht auf Texten von Joachim Naumann und Dieter Konopka.
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