Was passiert mit aussortierten Heimtextilien und Bekleidung? Wiederverwenden, weiterverwenden, wegschmeißen? Textilrecycling ist ein Thema, das immer wichtiger wird. Das Recycling von Alttextilien ist allerdings ein Geschäft mit Haken und Ösen.

Eine Saison getragen und weg damit – so scheinen es viele mit ihren Klamotten zu handhaben. Und so fallen jährlich riesige Mengen Textil- und Bekleidungsabfälle an. Schätzungen zufolge werden alleine in deutschen privaten Haushalten 750.000 t Haus- und Heimtextilien sowie Bekleidung aussortiert. Statistisch hingegen nicht weiter aufbereitet sind die aus dem Textilservice und der gewerblichen Nutzung ausgeschleusten textilen Güter. Zusammengenommen stellen auch sie einen riesigen Abfallberg dar, in dem das Potenzial zur Weiterverwertung, also dem klassischen Recycling, schlummert.
Zwischen dem Wunsch der Kreislaufführung und der Wirklichkeit liegen jedoch noch Welten. Denn die in Deutschland installierte Anlagenkapazität für das Zerreißen von Alttextilien und der Aufbereitung zu Reißfasern beträgt nach einer groben Schätzung höchstens 85.000 t im Jahr (bei einem ganzjährigen Drei-Schicht-Betrieb). Damit liegt das Bearbeitungsvermögen der Recyclingbranche deutlich unter den Mengen, die der Reißfaserverarbeitung theoretisch zugeführt werden können. Allein aus den privaten Haushalten sind dies über 150.000 t. Gebrauchte Berufsbekleidung, Hoteltextilien und Wäsche aus dem Gesundheitswesen sind in diesen Zahlen noch gar nicht erfasst.
Knapp die Hälfte wird Secondhandbekleidung
Das so genannte Textilrecycling dient, obschon man dies vermuten kann, allerdings keineswegs und ausschließlich dem Aufschluss textiler Waren bis auf Faserebene und der Weiterverarbeitung von Reißfasern zu Vliesstoffen. Schätzungen zufolge geht höchstens ein Fünftel der dem Recycling zugeführten Textilien und Bekleidung in eine solche Weiterverwertung. Der Großteil, nämlich knapp die Hälfte aller an Recyclingbetriebe abgegebenen Alttextilien, wird wiederverwendet, d.h. als Secondhandbekleidung im In- und Ausland verkauft. Ein weiteres Sechstel wird zu Putzlappen zerrissen, etwa zehn Prozent werden verbrannt, der Rest als Abfall entsorgt (Quellen: Vortrag „Recycling in der Bekleidungswirtschaft“, 4. HTW-Symposium, Berlin am 28. Oktober 2011; Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.).
Maschinenbau gibt für die Zukunft Hoffnung
Soweit die Theorie. In Wirklichkeit lassen sich die jährlich anfallenden textilen Abfälle nicht vollständig verwerten. Hierfür fehlen die Kapazitäten. Immerhin geben die jüngsten Entwicklungen des Maschinenbaus für die Zukunft Hoffnung. So erlauben kompakte, für die innerbetriebliche Nutzung vorgesehene Anlagen das Zerkleinern von Produktionsabfällen (diese fallen von der Flächenerzeugung bis zum Zuschnitt an) und deren direkte Weiterverarbeitung zu Vliesstoffen. Deutlich schwieriger gestaltet sich hingegen das Recycling gebrauchter Bekleidung. So machen Fasermischungen die Identifizierung und Zuordnung eines Produkts kompliziert. Accessoires und Zubehörteile wie Schnallen, Knöpfe, Klett- oder Reißverschlüsse stören den Zerkleinerungsvorgang im Reißprozess. Dennoch entwickelt sich der Maschinenbau für das Textilrecycling weiter, wie ein Autorenbeitrag von Bernd Gulich (Sächsisches Textilforschungsinstitut) zeigt.
Trotz aller Weiterentwicklungen im Maschinenbau sind die Möglichkeiten einer Aufbereitung von Abfall-„Stoffen“ noch stark begrenzt. Daher bekommen weniger Textilien als nötig die Chance auf ein zweites Leben. Sie enden stattdessen in der Müllverbrennung, deren Wärme zur Energiegewinnung genutzt wird. Das ist ein schwacher Trost.