Wie können Flüchtlinge integriert und wie kann gleichzeitig der Bedarf an Arbeitskräften in Regionen mit Vollbeschäftigung gedeckt werden? Ein Integrationsprojekt im Raum Freiburg hatte genau das als Ziel. Beteiligt waren vier Textilpflegeunternehmen, die im Laufe des Projekts viel dazugelernt haben.
In vielen Regionen Deutschlands ist die Arbeitsmarktsituation angespannt. Noch nie gab es so viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze wie zurzeit – auch deshalb herrscht beispielsweise im Raum Freiburg weitgehend Vollbeschäftigung. Viele Unternehmen, auch aus der Textilpflegebranche, stellt diese Situation bei der Gewinnung von Arbeitskräften vor große Herausforderungen. Andererseits gibt es viele Flüchtlinge und Asylbewerber, die noch nicht in den Arbeitsmarkt integriert sind.
Ein speziell auf die Branche der professionellen Textilpflege zugeschnittenes Projekt für Flüchtlinge hat deshalb der Projektverbund Baden gemeinsam mit vier Textilpflegebetrieben aus Freiburg und Umgebung gestartet. Ziel: die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt.
Wer hinter dem Projektverbund Baden steckt
| Die Bundesregierung fördert die Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Europäischen Sozialfonds. Diese Fördermittel können sogenannte soziale Träger beantragen, die dazu geeignete Maßnahmen wie Beratung und Unterstützung von geflüchteten Menschen, Qualifizierungen für Geflüchtete und Schulungen, beispielsweise für Multiplikatoren, durchführen. Im Projektverbund Baden haben sich der Caritsverband Freiburg, das Deutsche Rote Kreuz Freiburg, das Diakonische Werk der Landkreise Karlsruhe und Lörrach, der Caritasverband Rastatt und für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald die Stadt Freiburg sowie die Volkshochschule Freiburg zusammengeschlossen. Ziel des Projektverbunds ist es, durch verschiedene Angebote und Maßnahmen die Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung bringen. www.projektverbund-baden.de |
Branche mit „Anlernarbeitsplätzen“
Besonders interessant für das erwähnte Förderprogramm ist die Textilpflegebranche, da es hier sogenannte „Anlernarbeitsplätze“ gibt, die auch von Menschen mit zunächst geringen Deutschkenntnissen besetzt werden können.
Annika Steinhauser vom Caritasverband Breisgau-Hochschwarzwald, und Christian Himmelsbach, Obermeister der Textilreinigerlandesinnung in Baden-Württemberg, koordinierten das Projekt, das sich an Flüchtlinge aus der Stadt Freiburg und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald richtete – also der Umgebung von Freiburg. Das Projekt sollte Flüchtlingen, die Interesse an einer dauerhaften Beschäftigung in der professionellen Textilpflege haben, eine berufliche Orientierung in diesem Arbeitsfeld ermöglichen.
Der Kurs bestand aus drei Elementen: Sprachkurs, Fachunterricht und Fachpraxis. Zunächst sollte eine Woche Sprachunterricht stattfinden, anschließend drei Wochen Unterricht und parallel dazu drei Tage, jeweils vier bis fünf Stunden Arbeit in den Betrieben. Die dritte Phase war zwei Wochen Erprobung von Vollzeitarbeit im jeweiligen Betrieb.
Ziele und Voraussetzungen des Projekts
Zielgruppe: Geflüchtete Menschen, die noch keinen verfestigten Aufenthalt, aber zumindest nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt haben.
Ziel der Maßnahme: nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt; Arbeitsvertrag in der professionellen Textilpflege.
Persönliche Voraussetzungen: Körperliche Fitness, Hitzeverträglichkeit, Grundkenntnisse der deutschen Sprache (mindestens Niveau A1, das heißt, der Teilnehmer kann vertraute, alltägliche Ausdrücke und einfache Sätze verstehen und verwenden; er kann sich auf einfache Art verständigen, wenn die Gesprächspartner langsam und deutlich sprechen und bereit sind zu helfen), Interesse an einem Arbeitsplatz in der professionellen Textilpflege.
Von den Teilnehmern zu erlernende Tätigkeiten:
- Sortieren von Wäsche und Bekleidung,
- Vorbereiten zum Waschen und Reinigen,
- Aufhängen von Bekleidung,
- Aufschlagen von Wäsche,
- Beladen von Reinigungsmaschinen, Waschmaschinen und Trocknern,
- Dämpfen und Finishen von Textilien,
- Einpacken und Eintüten von Textilien.
Vom ersten Treffen zum Probearbeiten
Zu einem ersten Informationstreffen kamen zwölf Teilnehmer des Projektverbunds Baden, die sich für einen der maximal acht Kursplätze interessierten. Um das berufliche Umfeld kennenzulernen, wurde eine Führung durch die Wäscherei Wolfsperger Textilpflege, Emmendingen durchgeführt, zu der zehn Personen kamen. An der Maßnahme selbst nahmen dann sechs Personen teil: Drei Personen bei Wolfsperger Textilpflege in Emmendingen und jeweils eine Person bei Gall Wäscheservice, Ruck Textile Dienstleistungen sowie Himmelsbach Reinigung Färberei in Freiburg.
Von den sechs Teilnehmern hatten drei nicht das als Voraussetzung genannte Sprachniveau A1. Das erschwerte die Unterweisungen in den Betrieben, stellte allerdings aus Sicht der Wäschereien nicht das Hauptproblem dar.
Zusätzlich gab es individuelle Hindernisse, die eine Beschäftigung erschwerten. So war die Anfahrt zur Frühschicht aus dem ländlichen Umland schwierig und für den betreffenden Teilnehmer auf längere Sicht unattraktiv. Eine andere Teilnehmerin hatte bereits einen Nebenjob, der mit den notwendigen Einsatzzeiten in der Wäscherei nicht vereinbar war. Eine Frau hatte Knieprobleme, also nicht die in der Ausschreibung aufgeführten körperlichen Voraussetzungen. Ein an sich fleißiger Mann wies überraschenderweise eine gravierende Sehbehinderung auf und konnte dadurch einige ihm übertragenen Aufgaben nicht durchführen. Dazu kam, dass ein Teilnehmer aufgrund einer akuten Erkrankung seiner Frau zu viele Fehlzeiten hatte, da er sich nebenher noch um die Kinder kümmern musste. So blieb noch ein Teilnehmer übrig, der nach seinem Sprachkurs im Sommer eventuell eine Probebeschäftigung antritt.
Auch mit der Maßnahme auf Seiten des Trägers mussten Kompromisse gefunden werden. Der Sprachlehrer erklärte sich zwar bereit, gleichzeitig auch die fachliche Seite, insbesondere Unterweisung in Gefährdungen etc., durchzuführen. Allerdings erkrankte er schwer, sodass weniger als die Hälfte des ursprünglichen Angebots durchgeführt werden konnte.
Fazit: Die Idee eines solchen Projekts halten die Beteiligten grundsätzlich für gut. Allerdings müsste bei der Vorbereitung und der konkreten Auswahl der Teilnehmer viel mehr „optimiert“ werden. Der Ausfall großer Teile des Unterrichts war ein weiterer, unglücklicher Faktor, der den Erfolg der Maßnahme beeinträchtigt hat, so die beteiligten Textilpflegeunternehmen.


