Textilversorgung Wie nachhaltig lassen sich Textilien wirklich liefern?

Die Logistik steht besonders im Bereich Textildienstleistung im Fokus. Sie soll reibungslos und ­effizient laufen – und nachhaltig gestaltet sein. Weshalb Anspruch und Wirklichkeit nicht immer übereinstimmen und welche Bemühungen Dienstleister schon unternehmen, erklären die Experten Moritz Schäpsmeier (SITEX) und Sven Schöppe (LEO System GmbH).

Wie kommen Textilien von A nach B? Logistik ist besonders im Textilservice wichtig. - © Oleksandr – stock.adobe.com

Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen müssen mehrmals wöchentlich mit hygienischer Wäsche beliefert werden. Einige sogar täglich. Dabei versorgen in Deutschland professionelle Textilserviceunternehmen 60 Prozent der Pflegeheime und 95 Prozent der Krankenhäuser mit Flachwäsche und Dienstkleidung sowie medizinischen Textilien, beispielsweise Schutzkleidung, OP-Mäntel und ‑Abdeckungen.
Diese Textilien sind essenziell für die Pflege der Patienten und Bewohner und müssen mit absoluter Verlässlichkeit immer wiederkehrend ihren Weg an den Ort der Verwendung finden. Dabei greift der Textilservice auf regionale, in sich geschlossene Kreisläufe zur ­Wiederaufbereitung und erneuter Nutzung zurück. Dadurch entsteht eine hohe Unab­hängigkeit von globalen ­Lieferketten, man ist nachhaltig und ökonomisch effizient.

Warenstrom: 3,2 Milliarden Wäscheteile pro Jahr

In einer eng verzahnten Logistik werden so rund 3,2 Milliarden Wäsche­teile ­jährlich zwischen Wäschereien und Gesundheitseinrichtungen hin und her bewegt. Ein gigantischer Warenstrom, der in erheblichem Maße über die Straße transportiert wird. Dies funktioniert nur mit gezielter Planung und Steuerung damit die Wäscheartikel wie Kasack, Hose und Waschhandschuh teilweise mehrfache Nutzungszyklen in der Woche durchlaufen können. Der Transport der textilen Güter im Straßenverkehr ist dabei alternativlos. Doch gerade dort tut sich aktuell ein Spannungsfeld auf, in dem der Kostendruck auf die zumeist kleinen und mittelständischen Textilservicebetriebe durch stark gestiegene Abgaben für Maut und CO2 immens gestiegen ist.

Generell gilt es, den Transport, und das ist Gebot in der Branche, so effizient wie möglich und somit den ökonomischen Einfluss sowie ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. Durch die hohe Liefertaktung und den konstanten Bedarf an hygienischen Textilien in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, sind diese ständig in Bewegung und ein erheblicher Teil des Warengutes befindet sich im Transport zwischen Einsatzort und Aufbereitung in der Wäscherei.

Systematisch geplante Liefertouren

Die Dienstleister begegnen dieser Herausforderung mit umfangreichen Logistik-Konzepten. Systematisch geplante Liefertouren sind dabei unerlässlich, um Engpässe zu vermeiden und eine reibungslose Versorgung sicherzustellen. Jeder Schritt im Transportprozess wird sorgfältig geplant und koordiniert. Durch den Aufbau von Kooperationen und die Verdichtung von Filialnetzen wird zudem der steigenden Verkehrsbelastung begegnet und eine Verkürzung der Transportwege erreicht. Die Branche setzt dabei auf den Einsatz moderner und effizienter Lieferfahrzeuge, sowie auf Fahrtraining, die auf sparsames Fahren ausgerichtet sind und dadurch Treibstoffverbräuche und Luftverschmutzung minimieren.

Alternative Antriebe?

Darüber hinaus ist die Entwicklung von Fahrzeugen mit alternativen Antriebstechnologien für den Einsatz im Lieferverkehr auch von Textilversorgern im Fokus und wird bereits partiell getestet. Elektrische und Wasserstoff-betriebene Fahrzeuge bieten eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Verbrennungsmotoren und können dazu beitragen, den CO2-Fußabdruck des Transportes weiter zu reduzieren.

Trotz des Fortschritts im Bereich der Entwicklung alternativer Antriebstechnologien stehen Dienstleister mit logistischem Schwerpunkt vor verschiedenen Herausforderungen, die den breiten Einsatz bislang stark einschränken. Gründe dafür sind nach wie vor die begrenzte Reichweite und fehlende Lade- und Tankinfrastruktur für Elektro- und Wasserstofffahrzeuge. Zudem übersteigen die Anschaffungskosten für diese Fahrzeuge, trotz Förderprogrammen noch deutlich die von konventionellen Fahrzeugen.

Auch wenn die Umsetzung noch nicht überall Realität ist, ist ein gesteigertes Interesse vieler Textilserviceanbieter an den Fortschritten in der Batterie- und Wasserstofftechnologie und ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein zu verzeichnen. Sie halten die Einführung alternativer Antriebstechnologien im Wäschetransport für richtungsweisend perspektivisch für einen weiteren logischen Schritt.

Kreislauf vs. Kosten

Grundsätzlich erfüllen Kreislaufsysteme wie das des Textilservice zu einem hohen Grad die Anforderungen der europäischen Strategie für eine nachhaltige und kreislaufbezogene Wirtschaft. Was also eigentlich förderungswürdig ist, wird zunehmend auf eine harte Probe gestellt.
In den vergangenen Jahren führten eine Reihe von Faktoren zu erheblichen Schwankungen und letztendlich zu Kostensteigerungen. Höhere Kraftstoffkosten aber auch der Fahrermangel haben die Beförderung von Gütern per Lastwagen in den zurückliegenden beiden Jahren in Deutschland so stark verteuert wie nie seit dem Jahr 2006.

Die Preise für die Güterbeförderung im Straßenverkehr erhöhten sich 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 13,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Und die im Jahr 2023 eingetretene leichte Entspannung bei den Treibstoffpreisen wird nun wieder durch neue gesetzliche Einflussnahmen entkräftet.

Auch die am 20. Oktober 2023 beschlossene Ausweitung der Mautpflicht für Lastkraftwagen führte für die Textilserviceunternehmen zu neuen Belastungen durch damit weiter anfallende Kosten. Im Kern wurde die Lkw-Maut für die Benutzung von Bundesfernstraßen mit Wirkung zum 1. Dezember 2023 um eine CO2-Komponente erweitert und gilt seit dem 1. Juli 2024 auch auf Lastkraftwagen mit mehr als 3,5 Tonnen bis 7,5 Tonnen. In Summe ergibt sich aus diesem Beschluss eine Erhöhung der bestehenden Maut- und CO2-Sätze von 71,42 Prozent. Diese Kostensteigerungen haben direkte Auswirkungen auf die Betriebskosten der Unternehmen und erfordern eine sorgfältige Analyse und Anpassung der Transportstrategien. Gleichzeitig werden diese auf die Kosten für die Belieferung durchschlagen.

Fazit: Was braucht es?

Mit effizienten Transportprozessen, innovativen Technologien und einer nachhaltigen Transportstrategie tragen Textilserviceunternehmen nicht nur dazu bei, die Versorgungssicherheit von Einrichtungen im Gesundheitssystem zu gewährleisten – sie haben sie zudem als ein Vorzeigemodell der Kreislaufversorgung etabliert. Trotz dieser Vorbildfunktion sind sie von gesetzlich bestimmten Kostensteigerungen stark betroffen. Entscheidungsträger in der Politik müssen die Auswirkungen ihrer Maßnahmen auf die Kreislaufwirtschaft und auf die regionalen Wirtschaftsstrukturen besser berücksichtigen und ebensolche Systeme stärker fördern und wertschätzen.

Gesundheitswesen: Mobilität erzeugt die höchsten Emissionen

Die An- und Abfahrt von Patienten und Mitarbeitenden, die Wäscherei, Labore und die Abfallentsorgung – diese Bereiche
verursachen die meisten Treibhausgase in deutschen Krankenhäusern. Zu diesem Ergebnis kommt das Projekt „Klimaneutrale Sekundärprozesse im Krankenhaus“ (KlinKe) der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Der Gesundheitssektor trage mit rund fünf Prozent zum deutschen CO2-Fußabdruck bei.

Um CO2 in Wäschereien zu sparen, empfiehlt das Projektteam statt ­Standard-Textilien aus Polyester-Baumwoll-Gemischen klimafreundlichere Materialien (z. B. mit Tencel-Polyester-Gemischen) sowie Warentransporte zwischen Krankenhaus und Wäschereistandort mittels Eco-Driving und / oder batterie­elektrischen Lastkraftwagen.

projekt-klinke.hwr-berlin.de