ISPI-Workshop in Düsseldorf PSA für die Feuerwehr: Richtig pflegen und instandhalten

Zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) der Feuerwehr gehören neben der Schutzkleidung auch Stiefel, Helme und Handschuhe. Wie andere PSA müssen diese Teile über die gesamte Tragedauer technisch funktionieren sowie hygienisch einwandfrei sein. Dieser Thematik hat sich der ISPI (Interessenverband für sachgerechte Pflege und Instandhaltung von PSA e. V.) in seinem 4. Workshop Ende November 2024 angenommen.

Flammen Panorama Feuer
Vanessa Truberg (Dräger Safety) referiert über Feuerschutzhelme. - © Foto: Cmon - stock.adobe.com

Die PSA dient der Sicherheit und der Gesundheit. Funktioniert sie nicht richtig, ist der Träger bzw. die Trägerin einer erhöhten Gefahr der Gesundheitsgefährdung ausgesetzt. Gerade bei PSA für Feuerwehren, die der Kategorie III (Schutz vor hohen Risiken) angehört, ist dies sehr schwerwiegend und kann schlimmstenfalls zum Tod führen. Aus diesem Grund ist es unverzichtbar, die PSA regelmäßig zu prüfen.

Für Stiefel, Helme und Handschuhe schreibt die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V.) folgendes vor: Vor einer Übung und nach der Benutzung ist eine Sichtprüfung durch die benutzende Person durchzuführen und des Weiteren mindestens einmal jährlich eine Funktions- und Sichtprüfung durch eine sogenannte befähigte Person. Die benutzende Person hat die notwendigen Informationen über den Inhalt der durchzuführenden Sichtprüfungen während ihrer Feuerwehraus-, -fort- und -weiterbildung zu erhalten. Befähigte Personen, die die jährliche Prüfung durchführen, hat die erforderlichen Kenntnisse während der Gerätewartausbildung nach der Feuerwehr-Dienstvorschrift 2 (FwDV 2) sowie entsprechender Fort- und Weiterbildungen sowie aus Herstellerangaben zu gelangen.

Hygiene ist gefragt!

Neben der Sicherstellung der Funktionsfähigkeit ist auch Hygiene gefragt. Mitte 2022 wurde die Arbeit von Feuerwehrleuten als höchst krebserregend eingestuft; die Sprache ist von Feuerkrebs.

Neben PAKs (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe), die bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material wie beispielsweise Holz oder Kohle entstehen, enthält auch besonders Brandrauch Schadstoffe, die gesundheitsgefährdend sind und zu Feuerkrebs führen können. Die Schadstoffe lagern sich auf der PSA ab. Die regelmäßige und sachgerechte Pflege bzw. Dekontamination der Schutzausrüstung spielt also eine wichtige Rolle und ist zwingend erforderlich.

Experten aus den Produktsparten Stiefel, Helme und Handschuhe referierten bei der 2-tägigen ISPI-Veranstaltung zu den Themen und standen für die Beantwortung von Fragen zur Verfügung. Es ging darum, was bei einer Prüfung dieser PSA zu berücksichtigen ist und um Möglichkeiten einer sach- und fachgerechten Pflege. Aktuell gültige Normen der jeweiligen PSA waren ebenfalls Thema.

Hautkontakt mit Gefahrstoffen

Die Aufnahme von Schadstoffen erfolgt durch Einatmen, Verschlucken und Hautkontakt, erklärt Dr. Jonas Schubert, Chemiker am Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden e. V. im Impulsvortrag der Veranstaltung. Grundsätzlich wirkt eine funktionsfähige PSA dem entgegen. Giftstoffe können jedoch dennoch durch eine Verunreinigung der PSA zu einem späteren Zeitpunkt zur Gefahr werden und das nicht nur für die Feuerwehrmänner und -frauen selbst, sondern durch Kontaminationsverschleppung auch für andere.

Der schutzlose Hautkontakt mit kontaminierten Oberflächen bzw. Gegenständen wie beispielsweise Stiefel, Helme und Handschuhe spielt dabei eine wesentliche Rolle und ist unbedingt zu vermeiden, erläutert Schubert. Da die Gefahrstoffe jedoch meist nicht sichtbar sind, wird dies häufig unterschätzt. Die Reinigung der Oberflächen zur Entfernung von nicht gefahrlosen Materialien, die Dekontamination zur Entfernung von biologischen oder chemischen Gefahrstoffen und die Desinfektion zur Inaktivierung von biologischen Gefahrstoffen stellt die Terminologie der richtigen Vorgehensweise dar, der Gefahr Herr zu werden, erläutert der promo­vierte Chemiker.

Feuerwehrstiefel

Simon Wuttke ist seit über 30 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv, als Sales Manager bei Atlas, einem der führenden Hersteller von Sicherheitsschuhen in Europa tätig und dort zuständig für den Bereich Fire & Rescue (Feuer und Rettung).

Für die Pflege und Wartung von Feuerwehrstiefeln aus Leder mit Gore-Tex Membrane empfiehlt Wuttke folgende Schritte durchzuführen:

  1. Reinigen: Entfernen von Schmutz und Staub mit einer weichen Bürste oder einem feuchten Tuch. Dabei ist darauf zu achten, nicht zu grob zu arbeiten, um das Material nicht zu beschädigen.
  2. Trocknen: Die Schuhe sollten an der Luft trocknen. Dabei sind direkte Hitzequellen wie Heizungen oder Sonnenlicht zu vermeiden, da dies das Leder austrocknen oder verfärben kann.
  3. Imprägnieren: Um die Wasserfestigkeit der Schuhe zu erhalten, sollten die Schuhe regelmäßig mit einem für den Schuhtyp geeignetem Spray imprägniert werden.
  4. Luftzirkulation: Zur Vermeidung von Schimmelbildung sollten die Schuhe an einem gut belüfteten Ort aufbewahrt werden. Es ist sicherzustellen, dass sie vollständig trocken sind, bevor sie ge­lagert werden.

Nach der Darstellung der Pflegehinweise wird diskutiert, ob dadurch sichergestellt werden kann, dass die gesundheitsgefährdenden Schadstoffe ausreichend entfernt werden und was sonst noch bei der Pflege zu beachten ist. Es wird klar, dass darüber bei den Einsatzstellen häufig gar nicht genug nachgedacht wird. Geschweige denn, dass hinreichende Konzepte zur Stiefelreinigung zur Verfügung stehen. Sind die Stiefel nicht ausreichend gepflegt, so besteht die Gefahr der Kontaminationsverschleppung. Auch besteht jedoch dieselbe Gefahr, wenn bei der Pflege nicht darauf geachtet wird, dass diese unter Vermeidung von Hautkontakt erfolgt.

Die Feuerwehrstiefel-Norm: Prüfverfahren

Über das Thema Pflege hinaus erläutert Wuttke in seinem Vortrag die sogenannte Feuerwehrstiefel-Norm, die DIN EN 15090:2012. Diese Vorschrift stellt die Mindestanforderungen und Prüfverfahren für Schuhe für Feuerwehrleute, die für die Brandbekämpfung und damit verbundene Aktivitäten bestimmt sind, dar. Sie legt spezifische Kriterien für Materialien, Konstruktion, Funktionalität und Sicherheit fest, um sicherzustellen, dass Feuerwehrstiefel sowohl Schutz als auch Komfort bieten. Sie beschreibt u. a. unterschiedliche Klassifizierungen, die sich auf das eingesetzte Material be­ziehen, die Schuhformen und legt Typen fest, in welchen Bereichen die jeweiligen Stiefel eingesetzt werden können. Auch Verfahren zur Überprüfung der Konformität, wie Tests hinsichtlich des Brennverhaltens, der Wärmeisolierung und der Festigkeit der Zehenkappe, werden von der Norm vorgeschrieben, erläutert Wuttke.

Um die durch die Anforderungen der Norm festgeschriebene Funktionalität und Sicherheit zu gewährleisten, ist die regelmäßige Überprüfung erforderlich und wie eingangs erläutert auch vorgeschrieben. Zu den Prüfungen gehört beispielsweise die Überprüfung des Obermaterials in Bezug auf allgemeine Beschädigungen und Deformationen sowie mögliche Defekte im vorderen Bereich, so dass die Zehenschutzkappe sichtbar wird und auch scharfe Kanten z. B. innen an der Zehenschutzkappe. Natürlich dürfen auch die Nähte nicht beschädigt sein. Wichtig ist des Weiteren die Laufsohle auf die Profiltiefe (min. 1,5 mm im Biegebereich) zu überprüfen, auszuschließen, dass die Sohle porös ist und keine Risse, die länger als 10 mm und tiefer als 3 mm sind, vorhanden sind.  Auch die Verschlüsse sind zu ­kontrollieren.

Weitere Fragen rund um sichere Feuerwehrstiefel

Als weitere Fragen stellen sich:

  • Sind die Schnürsenkel in einem einwandfreiem Zustand?
  • Lässt sich der Reißverschluss oder BOA-Verschluss leichtgängig öffnen und schließen?
  • Sind die Schuhe wasserdicht?
  • Ist weder die Membrane noch das Innenfutter beschädigt?
  • Wie sieht die Einlegesohle (falls vorhanden) aus?
  • Sind deutliche Verformungen oder Quetschungen vorhanden?

Durchführung und Ergebnisse von regelmäßigen Prüfungen sind zu dokumentieren. Dadurch wird ein Nachweis geschaffen, der Hinweise zu erforderlichen Instandhaltungsmaßnahmen enthält und die Planung der weiteren Prüfungen unterstützt. Dies ist wichtig und wird wie die Notwendigkeit der Pflege häufig unterschätzt.

Vanessa Truberg (Dräger Safety) referiert über Feuerschutzhelme.
Vanessa Truberg (Dräger Safety) referiert über Feuerschutzhelme. - © Birgit Jussen

Feuerwehrhelme

Beim Thema Feuerwehrhelme wurde ebenfalls deutlich, dass auch dabei die Erfordernis der Einsatzhygiene häufig nicht die ausreichende Beachtung geschenkt wird. Fast erschreckend war festzustellen, dass sich offensichtlich in der Praxis vielfach die Pflege der Helme lediglich auf die äußeren Helmkomponenten aus Kunststoff beschränkt und die inneren Textil-Helmkomponenten vernachlässigt werden.

Zu diesem Thema stand Vanessa Truberg, Spezialistin für Feuerwehrhelme und Regional Product Marketing Manager bei Dräger Safety, Rede und Antwort. Sie merkte an, dass die Gesundheitsrisiken im Zusammenhang des Transportes von kontaminierter PSA wie auch Helmen vom Einsatzort bis in die Werkstatt nicht selten unterbewertet werden. Sachgerechtes Auskleiden und Verpacken nach dem Einsatz ist zur Bekämpfung von Gesundheitsrisiken im Feuerwehrdienst unabdingbar. Der Transport von der Einsatzstelle und Annahme in der Werkstatt hat unter geeigneten Schutzmaßnahmen zu erfolgen, ebenso muss natürlich die Handhabung in der Atemschutzwerkstatt professionell erfolgen. Dazu zählt eine sachgerechte Vorbereitung und Durchführung der Reinigung- und Desinfektionsprozesse unter klarer Schwarz-Weiß-Trennung.

Sachgerechte Aufbereitung von Feuerwehrhelmen: Gebrauchsanweisung beachten!

Truberg weist daraufhin, dass zur sachgerechten Aufbereitung von Feuerwehrhelmen analog zu sonstiger PSA die jeweiligen Gebrauchsanweisungen der Helmhersteller zu beachten sind, da Prozesse und geeignete Reinigungs- und Desinfektionsmittel für einzelne Produktvarianten unterschiedlich sein können.

Auch wurde über die fach- und sachgerechte Durchführung einer Sichtprüfung – Wie können Verschmutzungen von Beschädigungen unterschieden werden? - und Funktionstests von Helmen gesprochen. In dem Zusammenhang wurde auch auf den möglichen Austausch von Verbrauchsmaterialien am Helm hingewiesen. Die jeweiligen Hersteller bieten dazu in der Regel einen entsprechenden Service an.

Feuerwehrhandschuhe

Last but not least ging es in dem Workshop auch noch um Feuerwehrhandschuhe.Darüber gab der Experte Dominik Hantke vom Handschuhhersteller Friedrich Seiz zunächst einen Einblick in die DIN EN 659, die die Mindestanforderungen und Prüfverfahren für Feuerwehrschutzhandschuhe festlegt. Er erläutert weiter den üblicherweise mehrlagigen Aufbau von Feuerwehrhandschuhen bestehend aus einer Außenhülle aus Leder oder Textil, einer Membrane und dem ­Innenfutter und kommt dann auch zum Thema Kontrolle und Pflege.

Wie bereits erläutert hat die PSA zum Einsatz bereit zu sein und muss daher vor einer Übung und nach der Benutzung einer Sichtprüfung durch die benutzende Person und mindestens einmal jährlich einer Funktions- und Sichtprüfung durch eine sogenannte befähigte Person unterzogen werden.

Bei Verdacht einer Beschädigung ist die PSA sofort der Benutzung zu entziehen und dem Service zuzuführen um die Möglichkeiten einer Reparatur auszuloten oder eine Aussonderung vorzunehmen, erklärt Hantke und führt Beispiele für im Rahmen ­einer Sichtkontrolle nachzuweisenden Beschädigungen auf, die die Funktion beeinträchtigen können:

  • Löcher und geschwächte Bereiche (Abrieb, vergrößerte Nahtlöcher),
  • offene Nähte und durchtrennte Fäden,
  • Schnitte in der Außenhülle,
  • verhärtete, karbonisierte Stellen durch Hitzeeinwirkung,
  • Schrumpfungen (Leder) durch Hitzeeinwirkung,
  • beschädigtes Innenfutter,
  • Materialveränderungen durch chemische Einflüsse wie Verfärbungen und Ausbleichungen sowie
  • Verfärbungen durch Hitzeeinwirkung.
Feuerwehrhandschuhe Tauglichkeitsprüfung
Hilfestellungen zur Sicht- und Tauglichkeitsprüfung von Handschuhen der ­Firma Seiz. - © Birgit Jussen

Pflege von Lederhandschuhen

In Bezug auf die Pflege wird insbesondere über das Verhalten von Lederhandschuhen gesprochen. Grundsätzlich sind die Herstellerangaben entscheidend (Seiz empfiehlt eine maximale Waschtemperatur von 40 °C); als problematisch wird jedoch eindeutig dargestellt, dass nasses Leder empfindlich ist und bei übermäßiger Mechanik reißen kann. Leder wird im Pflegeprozess Fett entzogen; dadurch kann es hart und brüchig werden. Laut Hantke sollten Lederhandschuhe für den Feuerwehrbereich jedoch niemals nachgefettet, geölt oder gewachst werden. Der Grund dafür ist, dass Fette und Öle die Hitze schneller in das Handschuhinnere leiten und darüber hinaus – wie ausgasende Wachse – brennbar sind, sagt er. Wichtig ist also, dass die sogenannte Kernfettung möglichst lange erhalten bleibt. Um dies zu erzielen spielen eingesetzte Waschhilfsmittel eine entscheidende Rolle.

Oben erwähnte Problematiken ver­leiten nahezu dazu, Feuerwehrhandschuhe aus Leder so wenig wie möglich zu waschen. Nach Kontamination ist dies jedoch aus eingangs erwähnten Gründen dringend erforderlich. Und auch wenn keine Kontamination vorhanden ist, sollten Handschuhe in gewissen Abständen gepflegt werden, um Verschmutzungen durch Schweiß zu entfernen, rät Hantke. Das genaue Wie stellt sich doch für viele Feuerwehren als schwierig heraus.

Fazit

Wie auch bei den vorherigen ISPI-Veranstaltungen wurde deutlich, dass es im Bereich Feuerwehr-PSA einen deutlichen Bedarf an Informationstransfer gibt. Über die Kontrolle und Pflege von Feuerschutzkleidung, also Textilien, konnte bereits durch die Zusammenarbeit mit spezialisierten Wäschereien ein guter Grundstock an Wissen aufgebaut werden.

Im Bereich anderer PSA für die Feuerwehr scheint es jedoch bei den ausführenden Personen noch vielfach an Grundkenntnissen zu fehlen, die schlimmstenfalls eine Gesundheitsgefährdung der Feuerwehrleute mit sich führen kann. So wird u. a. die Notwendigkeit der Einsatzhygiene in Bezug auf Stiefel, Helme und Handschuhe noch häufig unterschätzt bzw. vernach­lässigt. Aufklärungsarbeit und entsprechende Schulungen sind erforderlich um das Risiko des Kontaktes bzw. die Aufnahme von krebserregenden Stoffen zu reduzieren und das Krebsrisiko für Feuerwehrleute so gering wie möglich zu halten. Ähnliches gilt auch für die regelmäßig durchzuführenden Prüfungen. Auch hier ist in Bezug auf die Kenntnisse bzgl. der Relevanz der Notwendigkeit und die entsprechende Durchführung noch Luft nach oben.

Nächste Veranstaltung bereits geplant

Der ISPI hat mit diesem Workshop wieder ein Thema höchster Brisanz getroffen. Die Veranstaltung war mit knapp 50 Teilnehmenden ausgebucht. Viele Teilnehmer waren „Wiederholungstäter“, neue kamen dazu. Weiterhin ist der ISPI bestrebt mit allen Prozessbeteiligten wie PSA-Herstellern, Feuerwehren, Maschinenherstellern und Hilfsmittellieferanten gemeinsame Lösungen zur Sicherheit der Einsatzkräfte zu erarbeiten. Darüber hinaus bietet die ISPI eine Plattform für den persönlichen Austausch. Die nächste Veranstaltung ist für den 6. / 7. Mai 2025 angesetzt. Das Thema wird auf der Website der Interessenvertretung bekannt gegeben.

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