Eine erste branchenübergreifende Datenabfrage zu Herkunft und Verwertung textilähnlicher Abfälle ist gestartet. Sie richtet sich an alle betroffenen Akteure entlang der textilen Kette, auch an Textilreinigungen und Wäschereien.
Der Gesamtverband textil+mode hat gemeinsam mit führenden Branchenverbänden eine bundesweite Umfrage zur Herkunft und Verwertung textilähnlicher Abfälle gestartet. Ziel ist es, erstmals belastbare und branchenübergreifende Daten aus der Hersteller- und Inverkehrbringer-Industrie zu erfassen – ein entscheidender Schritt für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft im Textilbereich.
Hauptgeschäftsführer Uwe Mazura: „Die Umfrage ist industrieübergreifend angelegt und richtet sich an alle Akteure, die textilähnliche Abfälle erzeugen – von Herstellern über Handelsunternehmen bis zu Reinigungsbetrieben und Entsorgern. Die Resonanz auf unsere Initiative ist enorm. Wir erwarten uns deshalb umfassende Erkenntnisse.“
Erhebung entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Unterstützt wird das Projekt von Mitgliedsverbänden des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie und weiteren wichtigen Branchenverbänden, auch die Textilreinigung und der Handel haben ihre Teilnahme zugesagt.
Jede Branche hat ihre eigenen Kreisläufe. Bei der Textilreinigung oder Unternehmen, die Berufsbekleidung oder Wäsche für Krankenhäuser, Hotels und Gastronomie verleihen, bleiben viele Textilien durch Rücknahme und Wiederaufbereitung im Umlauf. Anders sieht es bei unverkaufter Neuware oder Produktionsresten aus – diese Vielfalt will der Gesamtverband textil+mode erstmals erfassen, um echte Potenziale zu identifizieren.
Welche Textilien können recycelt werden?
Gerade im Hinblick auf Abfallexporte ist es zudem entscheidend zu verstehen, welche textilen Materialien überhaupt in Deutschland und der EU verbleiben und potenziell recycelt werden können. Denn viele Alttextilien aus Sammelcontainern werden im Ausland sortiert – wodurch ein physischer Zugriff auf wertvolle Rohstoffe für das Recycling hierzulande oft nicht mehr möglich ist.
Jonas Stracke, Leiter Kreislaufwirtschaft beim Gesamtverband textil+mode: „Viele Alttextilien landen im Ausland – und damit auch potenzielle Rohstoffe. Ohne Überblick über das, was bei uns bleibt, ist echtes Recycling in Europa reine Theorie." Wichtig sei deshalb zu verstehen, was man habe und was daraus werden kann.
Mit KI und datenbasierter Analyse zu Verwertungslösungen
Mit künstlicher Intelligenz (KI) und wissenschaftlicher Begleitung sollen die Daten systematisch ausgewertet werden, um Szenarien für Wiederverwendung, Recycling und Verwertung zu entwickeln.
Stracke sagt: „Textilströme sind heute oft unsichtbar. Mithilfe digitaler Tools und KI wollen wir erkennen, wo künftig tatsächlich nutzbare Ressourcen vorhanden sind – und wie wir sie im Kreislauf halten können.“
Politik braucht belastbare Daten
Mit Blick auf bevorstehende Regulierungen – etwa das geplante Vernichtungsverbot im Rahmen der EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) oder die Reform des Abfallrechts – soll die Umfrage einen wertvollen Beitrag leisten. Nicht nur zur politischen Meinungsbildung und zur Entwicklung realistischer, wirtschaftlich tragfähiger Lösungen, so der Gesamtverband textil+mode.
Warum diese Umfrage laut Verband jetzt entscheidend ist:
- Viele textile Abfallströme – von Produktionsresten bis zu unverkaufter Neuware – sind unklar oder nicht dokumentiert.
- Unterschiedliche Branchen wie Textilreinigung, Modeproduktion oder Handel haben völlig verschiedene Verwertungslogiken.
- Eine verlässliche Datengrundlage ist Voraussetzung für wirtschaftlich tragfähige, zirkuläre Modelle.
Die Umfrage geht bis August. Erste Ergebnisse sollen im Herbst vorgestellt werden.
