Textilpflege GINETEX-Umfrage: So wäscht Europa

Wie sehen die Textilpflegegewohnheiten in Europa aus? GINETEX hat Verbraucher in sieben Staaten gefragt. Die Ergebnisse: Das Pflegeetikett spielt eine wichtige Rolle. Auch auf die Waschmitteldosierung wird geachtet. Der Digitalisierung gegenüber gibt es jedoch Vorbehalte.

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Das Pflegeetikett an Textilien ist nicht nur für Textilreiniger eine wichtige Informationsquelle. - © New Africa – stock.adobe.com

GINETEX hat die Ergebnisse der fünften Verbraucherumfrage zu den Textilpflegegewohnheiten in Europa veröffentlicht. Die aktuelle Umfrage betrachtet die Pflegegewohnheiten in sieben europäischen Staaten: Deutschland, Italien, Spanien, Schweden, das Vereinigte Königreich, die Tschechische Republik und Frankreich.

Neues Pflegekennzeichnungsmodell?

Das Pflegeetikett ist ein zentrales Instrument, um die Verbraucher bei der Pflege ihrer Kleidung zu unterstützen. Es wird ständig weiterentwickelt, um den veränderten Erwartungen der Europäer gerecht zu werden. Ob Vereinfachung, die Einführung neuer Symbole oder die Integration digitaler Tools – es gibt verschiedene Möglichkeiten, seine Wirksamkeit und Lesbarkeit zu verbessern.

In den sieben befragten Ländern halten 75 % der Befragten schriftliche Anweisungen neben den Symbolen für sehr nützlich. Bei empfindlichen Textilien ist dieser Bedarf noch ausgeprägter: Über 80 % der Europäer wünschen sich zusätzliche schriftliche Informationen zum Schutz ihrer Kleidung.

Während sich die Befragten mehr Klarheit und ein besseres Verständnis des Pflegeetiketts wünschen, zeigen sie sich gegenüber dessen Digitalisierung jedoch skeptisch. So glauben 58 % der europäischen Verbraucher, dass die Übertragung der Pflegehin­weise auf ein digitales Etikett deren Befolgung beeinträchtigen würde. Diese Beobachtung ist umso bedeut­ender, da jüngere Generationen, die stärker digital geprägt sind, dieser Entwicklung besonders kritisch gegenüberstehen.

Secondhand: Ein Trend der jüngeren Generation

Der Secondhand-Markt für Textilien ist ein schnell wachsendes globales Phänomen. Laut einer Tripartie-Umfrage ist dieser Markt mittlerweile weltweit mehr als 128 Milliarden Euro wert. Diese Dynamik ist Teil eines breiteren europäischen Trends: In den sieben befragten Ländern gibt mehr als die Hälfte der Verbraucher an, mindestens alle sechs Monate Secondhand-Kleidung zu kaufen.

Dieser Paradigmenwechsel wird vor allem von der jüngeren Generation vorangetrieben, die sich stärker für Umweltthemen und verantwortungsvollen Konsum interessiert. So sind 70 % der Secondhand-Käufer zwischen 18 und 24 Jahren alt, 65 % sind zwischen 25 und 34 Jahren alt. Ab 45 Jahren sinkt dieser Anteil deutlich: Lediglich 43 % der 45- bis 59-Jährigen folgen diesem Trend.

Die zunehmende Verbreitung von Plattformen und Apps für zirkuläre Mode trägt zu diesem Boom bei, indem sie den Kauf zugänglicher und attraktiver macht.

Obwohl Secondhand-Waren bei der jüngeren Generation zunehmend Anklang finden, stellt dies die Bedeutung neuer Waren im Konsumverhalten der Europäer nicht infrage: 96 % von ihnen kaufen mindestens alle sechs Monate neue Kleidung.

Kaufkriterien vor allem wirtschaftlicher Natur

Für 62 % der europäischen Verbraucher ist der Preis weiterhin ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl von Kleidung Im Jahr 2023 waren es 59 %. Darüber hinaus ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für 56 % der europäischen Verbraucher wichtig. Dies spiegelt den Wunsch wider, Kaufkraft mit nachhaltigen Produkten in Einklang zu bringen. In Deutschland (64 %) und Italien (60 %) ist dieser Wert sogar noch höher.

Während die Qualität der Kleidung in ganz Europa bei der Wahl der Kleidung immer wichtiger wird (55 % im Jahr 2025 gegenüber 52 % im Jahr 2023), ist dieses Kriterium für tschechischen (47 %) und französischen (50 %) Verbraucher weniger wichtig.

Dieser Trend lässt sich einerseits durch die Bedeutung des Preis-Leistungs-Verhältnisses bei den Kaufentscheidungen einiger europäischer Verbraucher erklären und andererseits durch den Aufstieg der Ultra-Fast-Fashion erklären. Letztere definiert die Erwartungen der Verbraucher hinsichtlich der Schnelllebigkeit von Kollektionen und der Verfügbarkeit von Produkten neu.

Onlinetipp: GINETEX App zum Pflegeetikett

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© GINETEX

Die GINETEX App soll auf ansprechende Art und Weise die Pflege von Textilien und Bekleidung erleichtern.

Um Verbraucher mit den Pflege­symbolen vertrauter zu machen, hat GINETEX diese mobile Anwendung entwickelt: MEIN ­PFLEGEETIKETT. Sie soll den Benutzern helfen, ihre Kleidung im Alltag richtig und nachhaltig zu pflegen. Neben der Erläuterung der Pflegesymbole bietet die App Tipps und Ratschläge zur Reinigung und Pflege von Textilien und gleichzeitig zum Schutz der Umwelt. Darüber hinaus liefert die MEIN ­PFLEGEETIKETT Tipps zur Fleckentfernung.

Zudem können Nutzer in der Funktion ­„Mein Kleiderschrank“ Pflegehinweise hinter­legen, falls das Etikett bei der Wäsche nicht mehr zur Hand ist.

Die App ist im Google Play Store und im App Store von Apple erhältlich.

Pflegehinweise und Materialangaben ­unter der Lupe

Das Etikett bietet wichtige Informationen, die Verbrauchern als Maßstab bei der täglichen Pflege ihrer Kleidung und Textilien helfen. Drei Informationen stechen bei den befragten besonders hervor: In den sieben untersuchten Ländern halten 82 % der Verbraucher Pflegehinweise für ein wichtiges Kriterium auf Etiketten. Dieser Wert ist seit 2023 (80 %) leicht gestiegen, vor allem in Italien (86 %) und Schweden (84 %).

76 % der Europäer achten auf die Zusammensetzung von Textilien. Dieser stabile Wert spiegelt den Wunsch nach einem besseren Verständnis der verwendeten Materia­lien und Fasern wider, Transparenz ist zu einem wichtigen Auswahlkriterium geworden.

Schließlich wächst auch das Interesse an Pflegehinweisen, die Nachhaltigkeit berücksichtigen. In Europa halten 63 % der Verbraucher diese Informationen für wichtig. In Deutschland (46 %) und der Tschechischen Republik (43 %) ist dieser Wert niedriger.

Lesetipp: Das bedeuten die Waschsymbole

Durchgestrichenes Dreieck? Ein "P" im Kreis? Ein Viereck mit Punkt? Ein Waschbottich mit zwei Strichen? Und was bedeutet "dry clean only"? Waschsymbole und Pflegekennzeichnung sind für viele ein Buch mit sieben Siegeln. R+WTextilservice hilft mit einer Übersicht über die Wäschezeichen und ihre Bedeutung.

Richtige Waschmitteldosierung, um Geld zu sparen

Schließlich beeinflusst auch der wirtschaftliche Kontext die Wasch-, Trocknen- und Bügelgewohnheiten der Befragten. Manche Praktiken werden heute eher aus wirtschaftlichen Gründen als aus Umweltgründen übernommen: 86 % der Verbraucher achten zwar auf die richtige ­Dosierung des Waschmittels, doch mehr als die ­Hälfte tut dies vor allem, um Geld zu sparen, während 33 % dies aus ökologischen Gründen tun.

Eine sehr große Mehrheit (84 %) bevorzugt das Waschen bei niedrigen Temperaturen, 55 %, um ihre Energie­kosten zu senken (im Vergleich zu 29 %, die dies tun, um ihre ­Umweltbelastung zu reduzieren).

Beim Trocknen lassen 65 % der Europäer ihre Wäsche draußen trocknen, 42 % tun dies, um Geld zu sparen, und 23 % aus Umweltgründen.

Die Gewichtung wirtschaftlicher Aspekte ist in der Tschechischen Republik am ausgeprägtesten, während Um­weltaspekte in Deutschland und Schweden wichtiger sind.

Über die GINETEX-Umfrage

Die Umfrage führte Ipson im Auftrag von GINETEX durch. Vom 2. bis 11. Dezember 2024 nahmen 7.000 Personen aus den sieben Ländern online teil. Pro Land jeweils 1.000 Befragte.

Über GINETEX: Die im Jahr 1963 gegründete internationale Vereinigung für die Pflegekennzeichnung von Textilien hat ein weltweit anwendbares System zur Pflegekennzeichnung für Textilien entwickelt. Die verwendeten Piktogramme sind eingetragene Waren­zeichen und gemeinsames Eigentum von GINETEX und COFREET. GINETEX fördert die Verwendung der Symbole und stimmt ihre technischen Inhalte weltweit ab. Heute zählt GINETEX 22 Mitgliedsländer.