Die professionelle Textilreinigung mit allen ihren Chancen und Herausforderungen war Thema bei der Jahresmitgliederversammlung der Europäische Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege e. V. (EFIT). Die Teilnehmer trafen sich Ende September 2025 in Blankenfelde-Mahlow bei Berlin.
Im Rahmen der Hausmesse der Hans-Joachim Schneider GmbH am 26. und 27. September fand die diesjährige Jahresmitgliederversammlung des EFIT e. V. statt. Zwei Tage lang bot die Veranstaltung ein Programm aus Fachvorträgen, Praxisbeispielen und einer Panel-Diskussion. Im Mittelpunkt standen die Chancen der Künstlichen Intelligenz für den Mittelstand, die Veränderungen in der Bekleidungsindustrie und deren Auswirkungen auf die Textilpflegebranche sowie Möglichkeiten neuer Vertriebswege.
Tag 1: Künstliche Intelligenz als Entlastung im Alltag
Den Auftakt der Vortragsveranstaltung machte Alexander Krug vom Mittelstand-Digital Zentrum Berlin mit einem Impuls zu den Perspektiven und Einsatzmöglichkeiten von KI im Mittelstand. Er zeigte, wie Unternehmen durch KI Zeit gewinnen und Prozesse effizienter gestalten können – vom automatischen Erfassen von Rechnungen in der Buchhaltung über intelligentes Schichtplanen in der Personalplanung bis hin zu Marketinglösungen, die den Geschäftserfolg steigern. „Statt Belege sortieren – lieber Kunden bedienen“, lautete eine der Kernbotschaften.
Einen Erfahrungsbericht aus der Praxis brachte Christina Porges (Textilreinigung Trieb, Stuttgart) mit. Sie schilderte die Entwicklung der betriebseigenen KI „Tyson“, benannt nach dem „Firmen“hund. Ursprünglich als Antwort-Tool für Kundenanfragen gedacht, entwickelte sich die KI während der Pandemie mit Unterstützung moderner Sprachmodelle stetig weiter. Heute erkennt Tyson Verschmutzungen, unterstützt bei Qualitätskontrollen und kommuniziert nahezu in allen Sprachen – ein Beispiel dafür, wie digitale Technologien auch in traditionellen Branchen wie der Textilpflege neue Wege eröffnen.
Tag 2: Wandel in der Bekleidungsindustrie und innovative, smarte Vertriebskanäle
Der zweite Veranstaltungstag widmete sich zunächst den Herausforderungen und Chancen im Spannungsfeld zwischen Bekleidungsindustrie und Textilpflege. Birgit Jussen (EFIT e. V.) zeigte auf, wie vermeintlich einfache Kundenwünsche – etwa nach klaren Pflegehinweisen oder Ersatzteilen – zunehmend komplex werden. Ursachen liegen u. a. in globalisierten Lieferketten, digitalisierter Produktentwicklung und dem veränderten Konsumverhalten.
Anschließend gab Susanne Pass, Geschäftsführerin des DTB Dialog Textil-Bekleidung e.V., Einblicke in die digitale Produktentwicklung von Textilien. Statt vieler physischer Muster entstehen heute virtuelle Prototypen: Wo früher bis zu 24 Wochen benötigt wurden, reichen nun 24 Stunden. Diese Beschleunigung bringt Vorteile, erschwert jedoch den Zugang zu Detailinformationen oder auch Ersatzteilen, die für die Textilpflege entscheidend sein können. Ein von vielen Textilpflegeunternehmen gewünschter Ansprechpartner beim Bekleidungshersteller bleibt dabei leider mittlerweile ein frommer Wunsch.
Dialog zwischen Industrie und Textilpflege
In der anschließenden Panel-Diskussion mit Yvonne Tripp (Textilreinigung Schäfer) und Andrea Kuttner (Textilreinigung Kuttner, Amstetten, Österreich) wurde deutlich, dass ein engerer Dialog zwischen Industrie und Textilpflege nötig ist – etwa durch digitale Schnittstellen und bessere Informationsflüsse. Die EFIT versteht sich hier als Brückenbauer.
Weiter ging es damit, dass Textilpflegebetriebe zunehmend auf smarte Vertriebskanäle setzen. Drei Beispiele wurden von ihren Entwicklern dargestellt.
- Variocube: Die Abgabe- und Abholstationen, die Kundinnen und Kunden rund um die Uhr nutzen können. Betriebe profitieren dadurch von besserer Auslastung und niedrigen Kosten. Werner Schultes aus Linz in Österreich stellte sein einer Packstation ähnelndes System vor.
- Textilkurier.com: Judith Spycher aus Bern (Schweiz) bietet eine Onlinebuchungsplattform für die Branche an. Die Plattform ermöglicht es, online Aufträge zur Textilreinigung anzunehmen und übersichtlich abzuwickeln. Sie dient der Neukundenakquise und der effizienteren Nutzung des Fuhrparks.
- Bubble-Box: Ein Abhol- und Lieferservice, der in der Schweiz von Jack Hirzel ins Leben gerufen wurde. Bei dem Rundum-Sorglos-Paket kann zwischen Mix & Match, einer individuellen Reinigung und Easy, einem günstigen Alltagsservice, gewählt werden.

Die Vortragsveranstaltung zeigte, wie KI und smarte Lösungen die Textilpflege nachhaltig verändern. Praxisbeispiele verdeutlichten, dass digitale Technologien nicht nur Prozesse erleichtern, sondern auch neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Gleichzeitig wurde klar, dass die Branche stärkere Schnittstellen zur Bekleidungsindustrie braucht. Fazit: Zukunftssicherung gelingt nur durch Innovation, Kooperation und Mut zum Wandel.
Raum für Diskussionen und Austausch
Im Anschluss an die Vortragreihe fand die offizielle Sitzung der EFIT-Mitglieder statt. Es wurde über aktuelle Entwicklungen und anstehende Projekte informiert. Wie üblich stand u.a. auch die Entlastung des Vorstands, die Rechnungslegung auf der Tagesordnung. Die Sitzung bot zudem Raum für Diskussionen, Ideen und persönlichen Austausch. Damit unterstrich sie die Bedeutung einer aktiven Mitgestaltung durch die Mitglieder und stärkte zugleich das gemeinsame Engagement für die zukünftige Ausrichtung der EFIT.
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