Event in Lübeck Jahrestagung Gütegemeinschaft Verantwortungsvoller Textilservice e.V.

Zur diesjährigen Jahrestagung hatte die Gütegemeinschaft unter anderem ökologische Schwerpunkte wie Kreislaufwirtschaft, den Sinn optischer Aufheller, aber auch Brandschutz auf die Agenda gesetzt. In Summe durfte die Veranstaltung vor allem als Motivationskick verstanden werden, der durch den Keynote-Vortrag der mehrfachen Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn seine Wirkung nicht verfehlt hat.

Anlässlich der Jahrestagung der Gütezeichengemeinschaft kündigte Geschäftsführer Dr. Timo Hammer verschiedene Best-Practice-Beispiele für die Kreislaufwirtschaft im Textilservice an.
Anlässlich der Jahrestagung der Gütezeichengemeinschaft kündigte Geschäftsführer Dr. Timo Hammer verschiedene Best-Practice-Beispiele für die Kreislaufwirtschaft im Textilservice an. - © Anton-Katzenbach

Die Gütegemeinschaft Verantwortungsvoller Textilservice e.V. (Bönnigheim) hat bereits vor vielen Jahren von Bad Mergentheim als stetigem Austragungsort ihrer Jahrestagung und Mitgliederversammlung abgesehen. Statt­dessen findet die Veranstaltung an wechselnden Orten statt. Dieses Jahr war Lübeck an der Reihe, wo sich in der Zeit vom 22. bis 24. Oktober 2025 etwa 250 Teilnehmer in der Musik- und Kongresshalle der Hansestadt einfanden.

Neben einem Vortragsprogramm, das von branchenaktuellen Themen bestimmt war, erwarteten die Besucher ein anregender Gastvortrag, ein inspirierender Workshop, eine umfassende Begleitausstellung sowie ein Gewinnspiel für die mit ihren Lehrerinnen angereisten Auszubildenden der Berufsbildende Schule 7 der Region Hannover.

Umdenken im OP gewünscht

Mit der Präsentation von vier aktuellen Projekten griff die Jahrestagung die allgegenwärtige Herausforderung einer textilen Kreislaufwirtschaft auf. ­Katharina Fastenau stellte die Ergebnisse einer von der Deutschen Bundesumweltstiftung geförderten Vergleichsstudie an Einweg- und Mehrweg-OP-Textilien vor. Das Projekt "CirculTex" fußt auf der Tatsache, dass 4,4 Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen im Gesundheitswesen entstehen. Dort werden vielfach Einweg-Produkte eingesetzt (hierzulande sind es 70 Prozent aller Artikel), die massive ökologische Auswirkungen haben. So fallen allein in Deutschland und je nach Art einer Operation bis zu 17 Millionen Mal im Jahr durchschnittlich zwischen 2 bis 8 kg Abfall an. Darüber hinaus gehen mehr als zwei Drittel der freigesetzten Kohlendioxid-Emissionen (CO2) auf das Konto der Lieferkette; bei einer Einwegnutzung entstehen diese immer und immer wieder neu.

Die Alternative sind Mehrweg-OP-Textilien. Bereits nach 20 Nutzungszyklen werden sie günstiger als Einweg-Artikel. Allerdings unterliegen Mehrweg-OP-Textilien einem hohen Preiswettbewerb wie auch Hygiene- und Sicherheitsbedenken. Diese sind jedoch unbegründet: Wiederaufbereitete Mehrweg-OP-Textilien müssen, ebenso wie Einweg-Artikel, die Anforderungen der Medizinprodukteverordnung erfüllen. Trotzdem halten sich die Sicherheitsbedenken beharrlich in den Köpfen der Entscheider.

Bettwäsche wird Küchenwäsche

Die nachfolgenden Projekte drehten sich um die Wiederverwendung textiler Ressourcen. Die in Südtirol ­ansässige Industriewäscherei Wabes hat in Zusammenarbeit mit dem Ansbacher Unternehmen Turns industriell wasch­bare Küchenhandtücher aus gebrauchter Krankenhauswäsche gefertigt. Nach Rücknahme und Sortierung der Ware wurde diese Entsorgungs- bzw. Verwertungsdienstleistern übergeben, in der globalen Lieferkette aufbereitet und die Garne in Deutschland verwebt. Der Weg der Ware wurde durch Verwertungsnachweise und Kennzahlen für das Nachhaltigkeitsreporting durch Turns dokumentiert, die Handtücher von Wabes wieder in den textilen Kreislauf zurückgegeben. Auch das nächste Projekt steht bereits fest: Die Recyclinggarne sollen zu Frottierhandtüchern verarbeitet werden.

Anna Siemsen Schule Azubis Textilreingiger Jahrestagung Gütezeichen 2025 Lübeck

Textilreiniger-Azubis bei der Gütezeichen-Tagung in Lübeck

Die Gütegemeinschaft Verantwortungsvoller Textilservice e.V. tagte und die auszubildenden Textilreinigerinnen und Textilreiniger der Anna-Siemsen-Schule waren auch dabei. Was die Azubis aus Lübeck mitnehmen konnten lesen Sie hier.

Aus alt wird neu

Beirholms geht einen anderen Weg und nennt ihn "Remanufacturing". Diese keineswegs neue Methode beruht darauf, ausgediente Tisch- und Bettwäsche für die Herstellung von Kleidung zu verwenden, im Fall der Dänen zu Hemden und Blusen. Dazu werden brauchbare Artikel zu einem großen Lieferpartner nach Pakistan gesendet, wo aus einem Bett­laken etwa zwei Oberteile gefertigt werden. Dort erfolgt auch die Wiederbelebung von Frottiertüchern und Bademänteln als Hotel-Slipper oder Taschen für den Wellness-Bereich oder von Patientenhemden als Taschen. Farbige Wäsche wird hingegen nach einem mechanischen Recyclingprozess neu verwoben und zu Stoffbeuteln verarbeitet. Um den Kreislauf zu schließen, sind sämtliche Produkte für das Textilleasing entwickelt.

Im abschließenden Vortrag stellte das im Jahr 2019 aus einer universitären Forschung ausgegründete Unternehmen Eeden aus Münster sein Konzept zum chemischen Recycling von Baumwolle und Polyester vor. Wenn im Jahr 2026 die Produktionsanlage steht, soll aus Baumwolle ein Zellstoff in Lyocell-Qualität und aus Polyesterresten wieder ein Polyestermonomer entstehen. Dann will sich das Team auch den Mischgeweben aus dem Textilservice annehmen und die Textilien wieder in ihre Grundbestandteile zerlegen.

Auf der sicheren Seite

Ein weiterer Themenblock war Bränden und Brandschutzvorsorge in Betrieben gewidmet. Durch eine regelmäßige Reinigung von Trocknern und Finishern mit Trockeneis lassen sich die Nachteile und Gefährdungen durch abgelagerte Flusen, Fette und Waschmittelreste zuverlässig aus den Maschinen und Luftkanälen entfernen. Die Vorteile der Methode ist eine wasser-, chemie- und abwasserfreie, zeitsparende Reinigung, die Wiederherstellung der Effizienz und die Einhaltung der von vielen Versicherungen geforderten regelmäßigen Brandschutzvorsorge.

Strahlendes Weiß – ein Auslaufmodell?

Mit der Frage, ob Weißgrad und optische Aufheller noch zeitgemäß sind, wurde ein kontrovers diskutiertes Thema aufgegriffen. Bisher wird die sichtbare Weiße eines Textils für die Zertifizierung nach RAL GZ 992 für sachgemäße Wäschepflege gefordert. Die Werte lassen sich jedoch nur durch optische Aufheller erreichen. Diese werden beim Fertigungsprozess aufgefärbt und bei jedem Waschgang erneut aufgebracht, weil sie auf der Baumwolle nicht ausreichend waschecht sind. Die Nachrüstung hat ökologische und ökonomische Konsequenzen: Ein in einer Waschanlage eingebrachter optischer Aufheller heftet für immer einer Maschine an und führt bei der Bearbeitung farbiger Posten zu unerwünschten Farbtonveränderungen. Hinzu kommt, dass optische Aufheller mit unterschiedlichen "Farbstichen" erhältlich sind, die etwa zu Rot oder Blau tendieren. Wird beim Waschen ein anderer Aufheller verwendet als der auf der Ware aufgefärbte, kommt es zu unschönen Überlagerungen und die ursprünglich weiße Ware wirkt grau. Außerdem zeigt ein Aufheller keine Wirkung, wenn LED-Lampen in einem Gästezimmer verbaut sind.

Hinzu kommt, dass optische Aufheller teuer und in fast jedem Land durch eigene Verordnungen reguliert sind. Ein Waschmittelhersteller muss daher unterschiedlichste Formulierungen und Gebinde vorhalten, was die Kosten weiter in die Höhe treibt. Ungeachtet der Nachteile scheint strahlendes Weiß in den hiesigen Wäschereien aber ein unverzichtbares Kennzeichen für Hygiene und Sauberkeit zu sein, wie eine spontane Befragung der Tagungsteilnehmer ergab. Ein Kommentar des Vorsitzenden der Gütezeichengemeinschaft, Holger Grossmann (T-TEX Textile Dienste & Mietwäscheservice, Torgelow), warf jedoch ein anderes Licht auf die Angelegenheit. Ein Hotelier habe ihn darauf hingewiesen, dass die Farbe Weiß aus einem Hotelzimmer weitgehend verschwunden sei. Einem Gast stehe für die Beurteilung der Wäsche daher kein Vergleichsmaßstab mehr zur Verfügung. Eine optisch aufgehellte Ware brauche es nach Meinung des Hoteliers also im Grunde nicht mehr, was ein kritisches Hinterfragen der bisher angenommenen Kundenanforderungen sinnvoll erscheinen lässt.

Widerstandsfähigkeit und Zielorientierung

Der Nachmittag des 22. Oktobers stand ganz im Zeichen von Resilienz. Dafür hatten die Veranstalter Kirsten Bruhn als Gastrednerin eingeladen. Die vielversprechende Schwimmerin musste ihr Leben nach einem Motorradunfall und einer dadurch verursachten inkompletten Querschnittslähmung neu definieren. Während ihres fesselnden Vortrags erzählte sie, wie ihr diese Aufgabe gelang und sie es schaffte, paralympische Goldmedaillengewinnerin und vielfache Weltrekordhalterin im Schwimmen zu werden. Im übertragenen Sinne verdeutlichte sie, wie man im Unternehmensumfeld durch Widerstandsfähigkeit und Zielorientierung erfolgreich navigieren kann. Man müsse sich auf das konzentrieren, was vorhanden ist – also was man kann , was machbar und was trainierbar ist. Ähnlich hatte es auch der passionierte Segler Holger Grossmann bei seiner Eröffnungsrede der Jahrestagung formuliert: "Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel anders setzen."